Gegen 16.35 Uhr brach Rudi Dutschke von drei Kugeln in Kopf und Brust getroffen auf dem Kurfürstendamm in der Nähe des SDS-Büros zusammen. In drei Operationen wurden dem 28-jährigen Soziologie-Doktoranden die Projektile aus dem Körper entfernt. Zur Begründung seiner Tat erklärte Bachmann, er hielte Dutschke für einen Kommunisten und Kommunisten könnte er nicht leiden. Der u.a. wegen Waffendiebstahls vorbestrafte Anstreicher aus Peine galt als rechtsextrem. Er war jedoch nicht politisch organisiert. Nach eigenen Angaben hatte ihn der tödliche Anschlag auf Martin Luther King nur wenige Tage zuvor inspiriert.
Am Vormittag war der als Bauhilfsarbeiter in München beschäftigte Bachmann in Berlin angekommen. Im SDS-Büro hatte er vorgegeben, Dutschke sprechen zu wollen, und hatte dann auf der Straße auf sein Opfer gewartet.
Nach der Tat versteckte sich Bachmann in einer Nebenstraße und wurde erst nach längerem Schusswechsel schwer verletzt von der Polizei festgenommen. Der SDS machte geistige Urheber für das Attentat verantwortlich. "Die hemmungslose Hetzkampagne von Berliner Senat und Springer-Presse ... hat alle Oppositionellen zu Freiwild gemacht." In mehreren bundesdeutschen Städten kam es noch am selben Abend zu Auseinandersetzungen bei dem Versuch, die Auslieferung von Zeitungen aus dem Axel-Springer-Verlag zu verhindern.
Schwere Unruhen nach dem Attentat
Nach dem Attentat demonstrierten über 10 000 Menschen in mehreren deutschen Städten und im Ausland gegen das Verlagshaus Axel Springer. Sie machten die Berichterstattung in den Zeitungen des Konzerns für das Attentat mitverantwortlich.
In Berlin kam es im Springer-Haus in der Kochstraße zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. In den folgenden Tagen weiteten sich die Demonstrationen und Unruhen aus. Als erste Reaktion auf den Anschlag zogen in Berlin etwa 5000 Personen zum Springer-Verlagsgebäude. Bei dem Versuch, das Haus zu stürmen, entbrannte am 11. April 1968 gegen 23 Uhr eine Straßenschlacht zwischen Demonstranten und der Polizei. In München wurden die Redaktionsräume der Bild-Zeitung verwüstet; in Hamburg und Frankfurt am Main kam es zu Protestkundgebungen vor Druckereien und Gebäuden des Springer-Verlags.
Osterunruhen
Am 12. April (Karfreitag) setzte die Polizei in Berlin Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verletzte. Weitere Demonstrationen fanden in Bonn, Köln, Stuttgart, Frankfurt am Main und Amsterdam statt. Einem Aufruf des SDS folgend, versuchten Demonstranten, die Auslieferung der Springer-Zeitungen in Berlin, Hamburg, Essen und Frankfurt am Main in der Nacht zum Sonnabend zu verhindern.
Bis zum 15. April (Ostermontag) kam es zu weiteren Kundgebungen und Blockadeaktionen in zahlreichen deutschen Städten, an denen sich auch Teilnehmer der Ostermärsche für Abrüstung beteiligten. Bei Ausschreitungen in München wurden am Ostermontag der 32-jährige Fotoreporter Klaus Frings und der 24-jährige Student Rüdiger Schreck so schwer verletzt, dass sie am 17. bzw. 18. April starben. In London, Paris, Brüssel, Rom, Wien und Toronto fanden während der Osterfeiertage Kundgebungen aus Solidarität mit der bundesdeutschen APO statt. Zielscheiben waren die bundesdeutschen Botschaften. Schon seit Jahresanfang hatte die APO zu einer Kampagne gegen den Axel-Springer-Verlag aufgerufen. Sie warf ihm vor, die APO zu diffamieren, eine Hetzkampagne gegen sie zu betreiben und die öffentliche Meinung zu manipulieren. Zu diesem Zeitpunkt erschienen etwa 50 Prozent der bundesdeutschen Tageszeitungen und 70 Prozent der Sonntagszeitungen bei Springer.
Rudi Dutschke lebte nach dem Attentat im Ausland. Seit Ende 1976 engagierte sich Dutschke wieder politisch in der Bundesrepublik Deutschland, zuletzt für die Die Grünen. Er starb im Jahr 1979 an Heiligabend an den Spätfolgen des Attentats.



