Feindbild Jude
Antisemitismus - das bedeutet im Volksmund vor allem: Feindschaft gegen Juden. Der Begriff wurde 1879 von dem Journalisten Wilhelm Marr geprägt. Mit antijüdischen Parolen hatte der deutschnationale Historiker Heinrich von Treitschke im gleichen Jahr den Berliner Antisemitismusstreit ausgelöst. Eine Gruppe von Politikern bekannte sich damals offen zu ihrer Feindschaft gegen Juden - sei sie religiös, ökonomisch oder “rassisch“ motiviert.
Die Bezeichnung ist irreführend, da Antisemiten nicht die Angehörigen der semitischen Sprachfamilie (Bewohner Nordostafrikas und Vorderasiens) bekämpfen, sondern allein die Anhänger der jüdischen Religion und deren Nachkommen. Diese Menschen werden fälschlich als einheitliche Rassengruppe betrachtet, und die so konstruierte “jüdische Rasse“ wird als minderwertig bezeichnet. Auf den Werken J. A. de Gobineaus, H. S. Chamberlains, R. Wagners fußend, erhielt der Antisemitismus durch E. Drumont, W. Marr, E. Dühring, T. Fritsch u. a. publizistisches und durch antisemitische Organisationen politisches Gewicht.

Im Deutschen Reichstag saßen 1893 erstmals 18 antisemitische Abgeordnete; in Russland kam es seit 1881 zu Pogromen; starke antisemitische Strömungen gab es in Osteuropa. In Deutschland fand der Antisemitismus im Nationalsozialismus seine konsequenteste Ausprägung. Unter Adolf Hitlers Einfluss steuerte die NSDAP einen scharf antisemitischen Kurs. Nach der Machtergreifung 1933 nahm sie die Verwirklichung ihres judenfeindlichen Programms sofort in Angriff. Die Judenverfolgung durch Boykott und Sondergesetze (u. a. Nürnberger Gesetze) gipfelte in der systematischen Massenvernichtung von sechs Millionen Juden in Europa.



