Olympioniken wollen “ehrenhafte Kämpfer” sein
Mit Antwerpen wurde die Stadt eines Landes Austragungsort der Spiele, das im Ersten Weltkrieg zu den frühen Opfern der deutschen Kriegspolitik gehört hatte. Nur ein Jahr blieb den Organisatoren für die Vorbereitung der Veranstaltung. Vor der Eröffnung erregte die Frage die Öffentlichkeit, ob Sportler aus den Staaten zugelassen werden, die den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verantworten hatten. Das IOC schloss seine Mitglieder aus den Mittelmächten (Bulgarien, Deutschland, Österreich, Türkei und Ungarn) aus, so dass diese Länder nicht eingeladen werden konnten. Damals war es üblich, nur solche Staaten teilnehmen zu lassen, die IOC-Mitglieder hatten.
Während bei den vorherigen Spielen weitgehend auf zeremonielle Symbolik verzichtet worden war, stiegen nun zu Beginn der Spiele wie schon 1896 Friedenstauben auf. Der Belgier Victor Boin leistete den ersten olympischen Eid. Im Namen der Athleten versprach er, "ehrenhafter Kämpfer zu sein" und "in ritterlichem Geiste, zur Ehre unserer Länder und zum Ruhme des Sports" an den Wettkämpfen teilzunehmen.
Premiere: Fünf Ringe sind Symbol der Spiele
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Überall in den Sportstätten flatterte während der fünfmonatigen Dauer die Olympische Flagge mit den fünf ineinander verschlungenen Ringen als Symbol für die Vereinigung der fünf Kontinente: Coubertin hatte die Flagge bereits 1914 anlässlich des 20. Gründungsjubiläums der olympischen Bewegung präsentiert. Nun war sie erstmals offizielles Erkennungszeichen der Spiele.
Zum letzten Mal maßen Sportler beim Tauziehen ihre Kräfte. Auf einer eigens angelegten Bahn im Stadion zeigten die Briten ihre Vormachtstellung in dem seit 1900 ausgetragenen Wettkampf. Auch im Gewichtwerfen, 3000m-Gehen, im 400m-Brustschwimmen sowie in einigen Segeldisziplinen wurden nach 1920 keine Medaillen mehr vergeben. Neu im Programm war Eishockey - die Anerkennung des Wintersports schritt voran.
In der Leichtathletik traten nur wenige Mannschaften an, was der Veranstaltung den Ruf von "Rumpf-Spielen" einbrachte. Nicht zuletzt wegen der geringen Teilnehmerzahl - viele Staaten hatten ihre besten Sportler im Krieg verloren - konnten die Zuschauer nur zwei Weltrekorde (110m Hürden, 400m Hürden) bejubeln. Finnland dominierte die technischen Wettbewerbe: Im Kugelstoßen und Diskuswurf feierten die Skandinavier Doppelsiege, im Speerwurf sicherten sie sich alle Medaillen. Das wichtigste Ergebnis von Antwerpen: Die olympische Idee war nicht in den Kriegswirren untergegangen. Diesen Verdienst konnten sich Pierre de Coubertin und der Präsident des belgischen Organisationskomitees, Henri Baillet-Latour, zuschreiben.



