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Bild: Foto: PantheraLeo1359531, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Woher kommen wir? Wie hat sich das Universum - Sterne, Planeten und Leben - entwickelt? Wie sind die Himmelskörper physikalisch beschaffen?

Die Erforschung des Weltalls

Die Astronomie ist die älteste Naturwissenschaft und hat wie keine andere die Weltbilder der Menschen geformt: von der Vorstellung, der Mensch lebe auf einer flachen Scheibe im Mittelpunkt der Welt, umgeben von der Sphäre des unveränderlichen Himmels, über die kopernikanische Wende, Keplers Erkenntnis, dass die Planeten um die Sonne kreisen, Newtons Gravitationsgesetze und Einsteins Relativitätstheorie bis hin zu den Theorien mit der Erde als kleinem Staubkrümelchen in einem unvorstellbar großen, komplexen und sich ständig verändernden Universum, wie es uns zum Beispiel Stephen Hawking näher brachte.

Schaffte die Einführung des Teleskops im 17. Jahrhundert schon ein neues detaillierteres Sehen, so wurde mit Beginn der Raumfahrt und der daraus entstehenden Satellitenastronomie das komplette elektromagnetische Spektrum für Astronomen beobachtbar. Durch veränderte Forschungsmethoden und immer leistungsfähigere Großteleskope und Rechenanlagen nahm die Zahl an Großforschungsinstitutionen zu. Die astrophysische Forschung gewann an Internationalität. "Wir Astronomen konzentrieren uns heute auf wenige sehr gute Standorte, zum Beispiel die Europäische Südsternwarte in Chile, die mit den modernsten Teleskopen ausgestattet ist", erklärt Professor Ulrich Heber, Astronom an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Die Beobachtungen des Alls machen allerdings nur noch den kleineren Anteil der Arbeit der so genannten 'Reiseastronomen' aus. Den Astronom, der täglich mit dem Teleskop in den Himmel schaut, gibt es nicht mehr."

Kurz & bündig

Astronomen erforschen den Aufbau, physikalischen Zustand und die Entwicklung von Himmelserscheinungen und interstellarer Materie und vermitteln ihre Erkenntnisse an andere Personengruppen wie zum Beispiel an Studierende oder Planetariumsbesucher . Mit Hilfe von computergesteuerten Geräten und Messinstrumenten sammeln sie Beobachtungsdaten, die dann per Computer ausgewertet werden. Hierbei werden sowohl Kenntnisse und Methoden der Atom-, Strahlungs-, Molekül- und Teilchenphysik angewendet als auch mathematische Modelle entwickelt, um beispielsweise etwas über die Struktur des Universums oder die Leuchtkraft, Bewegung und das Alter von Sternen auszusagen.

Wo arbeiten Astronomen?

Beschäftigungsmöglichkeiten für Astronomen gibt es im Bereich der Lehre und Forschung an Hochschulen, bei wissenschaftlichen Sternwarten, an Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und internationalen astronomischen Einrichtungen, beispielsweise der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile und Garching, der European Space Agency (ESTEC) in Noordwijk, Madrid und Darmstadt, dem U.S. Naval Observatory in Washington D.C. oder dem Dominion Radio Astrophysical Observatory in Penticton/ Kanada. Astronomen finden aber auch an Volkssternwarten, Planetarien und in der Luft- und Raumfahrtindustrie ihr Unterkommen.

Was genau machen Astronomen?

"Das Faszinierende an der Astronomie ist die Vielfalt der Methoden, mit der Himmelsobjekte erforscht werden", beschreibt Professor Ulrich Heber sein Fach: "Das geht von der Entwicklung moderner High-Tech-Instrumente und Teleskope bis hin zu philosophischen Aspekten: Woher kommen wir, wohin gehen wir?" Es gibt für Astronomen grob gesagt drei hauptsächliche Arbeitsfelder:

  • die Beobachtung des Universums samt anschließender Computerauswertung der gewonnenen Daten;
  • die Theorie, das heißt die Entwicklung theoretischer Modelle auf der Basis der Beobachtungsdaten;
  • den Instrumentebau, der in Teamarbeit von Ingenieuren und Physikern durchgeführt wird.

"Bei der Beobachtung ist natürlich technisches und experimentelles Geschick nötig", erklärt Ulrich Heber. Denn die elektronischen Messungen werden mit optischen Teleskopen, Radioteleskopen und Astronomiesatelliten vorgenommen. Die optimalen Beobachtungsstandpunkte sind auf der ganzen Welt verteilt, zum Beispiel die Europäische Südsternwarte in Chile, das deutsch-spanische Observatorium in Südspanien und einige mehr. Die Bereitschaft, viel zu reisen, um an verschiedenen Sternwarten arbeiten zu können, sollte demnach vorhanden sein.

Bei Ulrich Heber liegt der Schwerpunkt auf der theoretischen Ausarbeitung: "Es geht dabei um die Auswertung von Beobachtungsdaten in digitaler Form. Auf dieser Basis werden Modelle theoretisch ausgearbeitet und numerisch umgesetzt. Dafür ist ein guter mathematischer und physikalischer Background nebst Computerkenntnissen für die Modellentwicklung unerlässlich." Hierzu werden Methoden der Strahlungs-, Molekül-, Atom- , Kern- und Teilchenphysik angewendet. Anhand neuer Messergebnisse und mathematischer Berechnungen sind die Theorien dann wieder zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Um sich nicht direkt beobachtbare Zustände und Entwicklungen, beispielsweise einzelne Sterne, vorstellen zu können, müssen Computersimulationen durchgeführt werden. Dabei sind unter anderem praktische Kenntnisse in der digitalen Bildverarbeitung von Vorteil.

Auch für Astronomen fallen typische Arbeiten des Wissenschaftsbetriebes an: Vor und nach der Beobachtung ist Literaturrecherche nötig. Es müssen Versuchsprotokolle und Forschungsberichte angefertigt und Vorträge für Konferenzen und Kongresse vorbereitet werden. Der weltweite wissenschaftliche Austausch mit anderen Forschern ist von großer Wichtigkeit und die Internationalität der Disziplin erfordert sehr gute Englischkenntnisse.. An Universitäten ist die Lehre ein Bestandteil der wissenschaftlichen Tätigkeit. Darüber hinaus gibt es Administratives und Organisatorisches zu erledigen, wie beispielsweise Projektgelderanträge. Im Wissenschaftsbetrieb sind stressige Phasen keine Seltenheit: Professor Heber über die eher unerfreulichen Seiten des Berufs: "Deadlines, Zeitdruck, und manchmal kommt man in der Forschung und bei der Beobachtung nicht geradlinig zum Ziel."

Außerhalb des Wissenschaftsbetriebes ist der Tätigkeitsbereich des Astronomen noch einmal anders organisiert. Dr. Uwe Lemmer, Planetariumsleiter des Nikolaus-Copernikus-Planetariums in Nürnberg beschreibt seine Aufgaben folgendermaßen: "Neben dem Interesse an astronomischen Themen, gehe ich gerne mit Menschen um, erkläre ihnen Himmelsobjekte und freue mich, wenn sie von diesem Gegenstand fasziniert sind. Dazu sollte man extrovertiert und geduldig sein." Uwe Lemmer hält populärwissenschaftliche Vorträge, organisiert Veranstaltungen für unterschiedlichste Besucher und beantwortet Fragen, die ihm in diesem Rahmen gestellt werden: "Manche Menschen wollen Sterne und Mondlandschaften kaufen, manche haben Ufos gesehen und manche glauben, gar eine neue Relativitätstheorie gefunden zu haben", erzählt der Nürnberger Astronom aus seinem Arbeitsalltag.

Neben diesem Publikumskontakt stehen verwaltungstechnische Dinge auf dem Programm: Der ganze Betrieb des Planetariums will geplant sein. Programme werden konzipiert und produziert und die damit verbundene Bedienung audiovisueller Medien - vom Diaprojektor zu computergesteuerten Projektionsgeräten - eingeübt. Die unternehmerische Tätigkeit eines Planetariumsleiters darf zudem nicht vergessen werden: "Die Budgetplanung ist ein Teil meiner Aufgabe", so Dr. Uwe Lemmer. "In diesem Zusammenhang fallen ab und zu Gespräche mit Verwaltungsleuten und Stadträten an. Außerdem betreiben wir ein Sternencafé und einen Laden."

Wer ist geeignet?

Für diesen Job eignen sich im Grunde nur:

  • Absolventen eines Studiengangs Physik mit Promotion zum/zur Astronom/in

Mit entsprechender wissenschaftlicher Befähigung und Promotion:

  • Absolventen des Studiengangs Mathematik oder Informatik
  • Absolventen des Studiengangs Earth and Planetary Sciences (Schwerpunkt: Astrophysics)

Wo und wie studieren?

Ein Studium der Astronomie im klassischen Sinn gibt es nicht. Wer Astronomie studieren will, absolviert ein Physik-Studium mit Astronomie als Nebenfach oder Studienschwerpunkt. Die Diplomarbeit muss ein Thema der Astronomie zum Gegenstand haben und wird in einem der Astronomischen Institute durchgeführt (2 Semester). Um sich Astronom (Dr.rer.nat.) nennen zu können, ist zudem eine Promotion zu einem astronomischem Thema nötig. Nur sehr selten läuft der Weg über das Studium der Mathematik oder Informatik.

Astrophysische Inhalte sind Teil eines jeden Physikstudiums. An welchen Hochschulen ein Physikstudium angeboten wird, erfährt man im Internet über die Suchmaschinen des Online-Dienstes Studien- und Berufswahl. Ein Promotionsstudium der Astronomie ist an allen Universitäten möglich, an denen man eine Dissertation zu einem astronomischen Thema in Angriff nehmen kann. Das sind beispielsweise Bonn, Heidelberg, Jena, Kiel, München (LMU), Berlin (TU), Bochum, Erlangen-Nürnberg, Frankfurt, Göttingen, Hamburg, Köln, Potsdam, Tübingen und Würzburg. Eine Alternative ist der seit diesem Jahr bestehende dreijährige Bachelor-Studiengang "Earth and Planetary Sciences" an der International University in Bremen, der im selbigen Masterstudiengang und einem anschließenden PHD (mehrjähriges Graduierten-Programm nach anglosächsischem Vorbild, vergleichbar mit der Promotion in Deutschland) fortgesetzt werden muss, um eine mit dem klassisch promovierten Astronomen vergleichbare Qualifikation zu erlangen.

Kontakt

Astronomische Gesellschaft

Prof. Dr. Erwin Sedlmayr
Technische Universität Berlin
Institut für Astronomie und Astrophysik
Hardenbergstraße 36
10623 Berlin
Tel.: 030/314237-83 (Sekretariat)

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