Atlanta 1996
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Atlanta 1996

Bild: Foto: Martinus KE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Mit Olympia 1996 in Atlanta feierte die Olympiade der Neuzeit 100. Geburtstag. Und Atlanta machte dem Jubilar alle Ehre.

Spiele werden kommerzieller

Die Jubiläumsveranstaltung 100 Jahre nach Wiederbelebung der olympischen Wettbewerbe fand vom 19. Juli bis zum 4. August 1996 nicht in Athen, dem Austragungsort der ersten Spiele der Neuzeit statt, sondern im amerikanischen Atlanta. Die Stadt, Sitz des Limonadenherstellers und Olympia-Sponsors Coca Cola, siegte im entscheidenden Wahlgang über den griechischen Mitbewerber. Bei der 96. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in der japanischen Hauptstadt Tokio fiel am 18.9.1990 die Entscheidung über die Vergabe der Olympischen Spiele der XXVI. Olympiade. Die Wahl erfolgte unter größter Geheimhaltung. Während früher oft schon im Vorfeld Klarheit über den aussichtsreichsten Kandidaten bestanden hatte, gab es 1990 keine Anhaltspunkte für einen Favoriten bei den IOC-Delegierten.

Die Entscheidung für einen Olympiaort verläuft nach einem seit Jahrzehnten ähnlichen Wahlmodus: Jedes IOC-Mitglied schreibt den Namen einer Stadt auf einen Stimmzettel. Gewählt ist der Ort, der die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Gelingt dies keiner Stadt, scheidet in jedem Wahlgang der Bewerber mit der niedrigsten Zahl an Befürwortern aus. Herrscht bei den Letztplatzierten jetzt noch Stimmengleichheit, kommt es zunächst zu einer Stichwahl. Das Ausscheidungsverfahren wird so lange fortgesetzt, bis schließlich eine Stadt die absolute Stimmenmehrheit erreicht.

In Tokio votierten die Delegierten im entscheidenden Wahlgang mit 51:35 für Atlanta und gegen Athen, nachdem zuvor Belgrad, Manchester, Melbourne und Toronto ausgeschieden waren. IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch enthielt sich traditionell der Stimme. Nach der Bekanntgabe der Entscheidung, die live in alle Kontinente übertragen wurde, konnten die Fernsehzuschauer in den Gesichtern der amerikanischen Delegation grenzenlosen Jubel und bei der griechischen Abordnung deutliche Enttäuschung ablesen. Atlantas Bürgermeister Naynard Jackson kommentierte die Zusage für die vierten Sommerspiele in den USA (nach St. Louis 1904, Los Angeles 1932 und 1984): "Jetzt ist nichts mehr unmöglich. Die Menschen in Atlanta sind Träumer und Arbeiter, alle haben für den Traum Olympia hart gearbeitet."

Bombenanschlag überschattet die Spiele

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Am 27. Juli fiel ein Schatten auf die Spiele: Bei der Explosion einer mit Schrauben und Nägeln bestückten Rohrbombe im Centennial Park im Herzen der Stadt wurden zwei Menschen getötet, 111 verletzt. In dem Park fand zu dieser Zeit eine Feier mit einer Rockband statt. Schlimmeres konnte zum Glück durch eine anonyme Bombenwarnung bei der Polizei, die eine halbe Stunde vor der Explosion einging und eine weitgehende Räumung des Parks ermöglichte, verhindert werden. Während der Park als offene Begegnungsstätte nicht zu den besonders geschützten Sicherzeitszonen gehörte, glichen alle Wettkampfstätten und das Olympische Dorf von Beginn der Spiele an einem Hochsicherheitstrakt. 303 Mio. US-Dollar wurden insgesamt in die Sicherheit investiert.

Schon vier Stunden nach der Explosion der Bombe im Centennial Park gab der IOC-Chef Juan Antonio Samaranch das Signal zum Weitermachen: “The Games will go on“ (Die Spiele gehen weiter) – ähnlich wie 1972 in München der damalige IOC-Präsident Avery Brundage nach dem Überfall palästinensischer Terroristen auf das israelische Mannschaftsquartier.

Das Attentat unterbrach nur kurz das hektische Geschehen in der Olympiastadt. Die übermäßige Kommerzialisierung der Spiele sorgte weltweit für negative Schlagzeilen. Dazu kamen erhebliche Probleme mit der Infrastruktur, vor allem ständige Pannen im innerstädtischen Transportsystem. Andere Kritiker bemängelten den fehlenden “olympischen Geist“. Dennoch stellte Atlanta mit 8.610.984 verkauften (von 11 Mio.) Eintrittskarten einen Zuschauerrekord auf. 1984 in Los Angeles wurden nur 5.798.000 Tickets verkauft.

Beach-Volleyball erstmals olympisch

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Erstmals waren alle 197 Mitglieder des IOC vertreten. Olympische Premiere feierten die Sportler aus Nauru, den Komoren, Kapverden, Dominica, São Tome und Principe, St. Lucia, St. Kitts und Nevis, Guinea-Bissau, Burundi, Palästina und Mazedonien. Das Sportprogramm war so umfangreich wie nie zuvor: In 26 Sportarten und 271 Wettbewerben kämpften über 10.000 Athleten um die Medaillen. Mountainbike-Fahren, Beach-Volleyball und Softball kamen als neue Disziplinen hinzu.

Mit 101 Medaillen, davon 44-mal Gold, waren die gastgebenden USA erstmals seit den “Boykott-Spielen“ 1984 in Los Angeles wieder vorn in der Medaillenbilanz vor Russland (26-21-16) und Deutschland (20-18-27). Doch die kleinen Nationen holten auf: 79 der 197 Länder, so viele wie noch nie, holten Medaillen. Erfolgreichste Teilnehmerin war die US-Schwimmerin Amy van Dyken mit viermal Gold. Der russische Schwimmer Alexander Popow holte je zweimal Gold und Silber.

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Bei den Leichtathleten gab es gleich drei Doppelsieger: Michael Johnson (USA) siegte über 200 und 400m, Donovan Bailey (Kanada) über 100m und mit der 4 x 100m-Staffel und die Französin Marie-José Pérec über 200 und 400m. Johnson stellte dabei über 200m mit 19,32sec einen neuen Weltrekord auf, Bailey gelang das Gleiche über 100m in 9,84sec. Mit einem Satz von 8,50m gewann der 35 Jahre alte US-Amerikaner Carl Lewis zum vierten Mail in Folgen den olympischen Weitsprungwettbewerb. Damit konnte er sich neben dem finnischen “Wunderläufer“ Paavo Nurmi an der Spitze der ewigen Bestenliste in der olympischen Leichtathletik platzieren – Lewis gewann insgesamt neunmal Gold und einmal Silber bei Olympia.

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