Schulterschluss mit Afrika
Es ist bereits das zweite Mal, dass das Büro des United Nations High Commissioner of Refugees (UNHCR) einen Weltflüchtlingstag an einem 20. Juni veranstaltet. Im vergangenen Jahr feierte die Weltflüchtlingshilfe der Vereinten Nationen ihren Refugee Day anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Organisation. Den 20. Juni hat die UNHCR gewählt, um Solidarität mit Afrika zu demonstrieren: Zum einen befindet sich dort ein großer Teil der 22 Millionen Vertriebenen, zum anderen wird auf dem afrikanischen Kontinent seit Jahren am 20. Juni ein Flüchtlingstag begangen. Auch wenn die Situation der Flüchtlinge niederschmetternd ist, und das Leben vieler – trotz Übersiedlung in andere Länder – noch immer bedroht ist: Am zweiten World Refugee Day zeigen die Flüchtlinge weltweit, dass sie ihren Lebensmut nicht verloren haben.
Flüchtlinge zeigen weltweit Flagge
In Washington D.C. ist ein Konzert afrikanischer, asiatischer und südamerikanischer Musiker geplant. Auch im weit entfernten Moskau soll in die Tasten gegriffen werden. In New York findet eine symbolische Gedenkveranstaltung an der Freiheitsstatue statt.
Vielerorts werden Flüchtlinge an diesem Tag mit Ausstellungen die Öffentlichkeit auf ihre Situation aufmerksam machen. In Maputo (Mosambik) werden am 20. Juni Poster von Flüchtlingsfrauen ausgestellt, eine ähnliche Foto-Ausstellung unter dem Thema “Women, Exile and Beauty” findet in Madrid und Barcelona statt.
In Teheran soll am Weltflüchtlingstag der Sport im Mittelpunkt stehen. Auch wenn weder die persische noch eine afghanische Mannschaft bei der Fußball-WM in Japan und Korea vertreten ist: Am 20. Juni tritt die im Iran bekannte Esteghlal-Elf gegen eine Auswahl afghanischer Refugee-Kicker an.
Flüchtlingsgruppen in Deutschland und mehrere kirchliche Verbände wollen anlässlich des Gedenktags Multikulti-Festivals auf die Beine stellen und Symposien veranstalten, in denen Flüchtlingsfrauen von ihren Erlebnissen berichten können.
Wer ist völkerrechtlich gesehen ein Flüchtling?
Die zahlreichen Veranstaltungen zum 20. Juni belegen es: Überall auf dem Globus sind Menschen verstreut, die von den Gastländern den Status eines Flüchtlings zugestanden bekommen. Wie sieht der allerdings im genau aus? Das Völkerrecht liefert folgende Definition: Ein Flüchtling ist, wem es unmöglich ist, in sein Heimatland zurückzukehren, weil ihm dort eine begründete Gefahr für Leib und Leben droht und er verfolgt wird wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner politischen Meinung oder einer Parteizugehörigkeit.
Der UNHCR fasst die Definition allerdings noch weiter: Ebenfalls Flüchtlinge sind solche Menschen, die Asyl suchen, d.h. in einem Gastland um längeren Schutz bzw. um Integration bitten, weil sie nicht mehr in ihrem Heimatland leben können. Im Gegensatz zu den vorübergehend Vertriebenen ist bei diesen eine Rückführung ins Heimatland nicht vorgesehen, sobald sich die Lage wieder beruhigt hat und Frieden herrscht.
Sowohl Kriegsflüchtlinge als auch Asylsuchende fürchten eine Abschiebung aus dem Gastland, sollte dieses entscheiden, dass der Antrag auf Schutz bzw. Asyl nicht hinreichend begründet ist. Abschiebungen, besonders von Asylsuchenden haben in der Vergangenheit immer wieder für Debatten in der Öffentlichkeit gesorgt. “Abgeschobenen” bleibt im Härtefall deshalb nur die Alternative, in ein Drittland überzusiedeln, oder sich weiterhin illegal im Gastland aufzuhalten. In der Regel bemühen sich Menschenrechtsorganisationen und andere karitative Verbände um die Sicherheit dieser Menschen.
Der UNHCR: Nobelpreiswürdig
1950 von der UN-Generalversammlung eingerichtet, sollte die UNHCR zunächst lediglich drei Jahre lang für die Rückführung von 1,2 Millionen Vertriebenen aus dem Zweiten Weltkrieg sorgen. Wegen der zahlreichen Kriege und Konflikte, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg ereigneten, richteten die Vereinten Nationen ein dauerhaftes Büro für Flüchtlinge unter Führung des United Nations High Commissioners for Refugees ein. Seitdem half das Büro des UNHCR über 50 Millionen Menschen, die aus ihren Heimatland fliehen mussten. 1954 und 1981 erhielt der UNHCR den Friedensnobelpreis.
Über 5000 Helfer kümmern sich zur Zeit in 289 UNHCR-Büros in 123 Staaten um 22 Millionen Flüchtlinge. Dafür stellte 2001 die UN dem Flüchtlings-Büro ein Budget von 881,2 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Zum Vergleich: Australien mit etwa 20 Millionen Einwohnern hat ein jährliches Militär-Budget von sechs Milliarden Dollar.
Den UNHCR unterstützen weitere 454 Internationale Nicht-Regierungsorganisationen, z.B. Amnesty International oder Terre des hommes. Der derzeitige “Hochkommissar” für Flüchtlingsangelegenheiten der UN ist seit Anfang 2001 Ruud Lubbers, der ehemalige niederländische Premierminister.
Zahlen & Fakten zur Flüchtlingssituation weltweit
Über 80 Prozent aller Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Von den 22 Millionen Menschen, die weltweit als Flüchtlinge in fremden Ländern leben, befinden sich die meisten in Asien (8,45 Mio.), Afrika (6,072 Mio.) und Europa (5,571 Mio.). Das ergibt ein statistischer Report des UNHCR aus dem Jahr 2001. Weitere 1,07 Millionen Menschen leben als Refugees in Nordamerika; in Lateinamerika und der Karibik sind es 575 600, in Ozeanien etwa 76 000.
Interessant ist, dass die Zahl der Asylsuchenden unter ihnen weitaus geringer ist, als vielleicht vermutet. Von den Flüchtlingen in Asien bitten nur 45 700 um Asyl, in Afrika lediglich 87 300. In reicheren Regionen wie Europa suchten vergangenes Jahr 354 000 Menschen um Asyl nach, in Nordamerika waren es 416 000 Personen.
Aufgrund der dauerhaften Konflikte und dem permanent schwelenden Konfliktpotenzial auf der Welt kann nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge in eine sichere Heimat zurückkehren. Im vergangenen Jahr waren dies insgesamt rund 786 000 Menschen.
Deutschland liegt auf Platz drei der Nationen, die 2001 die meisten Flüchtlinge aufnahmen (976 000), vor der Bundesrepublik rangieren Pakistan mit zwei Millionen Flüchtlingen und Iran mit 1,9 Millionen Flüchtlingen. Bei beiden Staaten dürfte es sich vorwiegend um Menschen aus Afghanistan handeln, die vor dem Terror der Taliban und dem andauernden Krieg in ihrer Heimat flüchteten.
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