Aus der Frühzeit des Radsports
Leben & Lifestyle

Aus der Frühzeit des Radsports

Bild: Foto: Joseph Maria Olbrich, Public domain, via Wikimedia Commons

Radfahren ist gefährlich, ungesund und schlecht für die Linie. Dieser Meinung jedenfalls war man(n) in der Frühzeit des Radsports. Das zarte Geschlecht sollte gefälligst auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Wenn die Damen unbedingt strampeln wollten, dann bitte an der Nähmaschine.

Radfahren ist gefährlich, ungesund und schlecht für die Linie. Dieser Meinung jedenfalls war man(n) in der Frühzeit des Radsports. Das zarte Geschlecht sollte gefälligst auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Wenn die Damen unbedingt strampeln wollten, dann bitte an der Nähmaschine.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hieß es, der Drahtesel mache “dürr und eckig, unweiblich außen und innen.“ Gefürchtet wurde die “Katzbuckel-Haltung“ ebenso wie das “Bicycle-Gesicht“. Ein Gegner der neuen Frauenbewegung schnaubte: “Haben Sie jemals etwas Abstoßenderes, etwas Hässlicheres, etwas Gemeineres gesehen, als ein mit puterrotem Gesicht, vom Staube entzündeten Augen und keuchenden Lungen auf dem Zweirade dahinrasendes Frauenzimmer?“
Ärzte fürchteten um Leib und Seele der Radfahrsüchtigen. Sie erklärten die Manie “schlechthin zum Massenselbstmord“. Männliche Opfer des grassierenden Fiebers wurden eingehenden Tests unterzogen. Die Symptome waren alarmierend: Muskelkater, Atemnot, Pulsschläge über 160 und Herzrasen. Besonders besorgt waren die Mediziner wegen der Erschütterung der weiblichen Geschlechtsorgane und wegen einer möglichen Gefährdung der Gebärfähigkeit.
Auch Sittenwächter nahmen Anstoß an der Leidenschaft. Die Sitzhaltung auf dem Stahlross - “rittlings mit ausgespreizten Schenkeln“ - galt als unziemlich. Moralapostel warnten gar vor einem sexuellen Missbrauch des Fahrradsattels. Man munkelte, der Druck im auf die Genitalien wirke stimulierend.

Die radelnden Amazonen riefen wahre Schreckensvisionen hervor: Das starke Geschlecht zitterte, an der frischen Luft könne die Libido der Damen ins Unermessliche steigen. Wehe, wenn sie losgelassen!

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite