Prachtvolle Spiele in Spanien
Zwei Milliarden TV-Zuschauer und 100.000 Menschen im Stadion von Barcelona erlebten eine der bis dahin prachtvollsten Eröffnungsfeiern bei Olympischen Sommerspielen. Die Kommerzialisierung des Sports erreichte einen neuen Höhepunkt. Es waren die Spiele des spanischen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch, der die Großveranstaltung in seine katalanische Heimat geholt hatte. Der Verfechter einer Kommerzialisierung des Sports dankte zum Abschluss der Wettkämpfe folgerichtig auch den Sponsoren. Die Spiele hatten dem IOC, u.a. durch TV-Lizenzen, Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe beschert. Samaranchs Haltung stieß jedoch nicht nur auf Zustimmung. So beklagten viele Aktive, dass sich die Startzeiten in einigen Wettbewerben ganz an den Wünschen der Werbewirtschaft orientierten.
Neben dem anspruchsvollen kulturellen Rahmenprogramm fand die architektonische (Um-)Gestaltung von Stadtteilen und Wettkampfstätten großes Lob: Das neoklassizistische Olympiastadion auf dem Montjuic-Berg und das Velodrom wurden modernisiert, den Palau dí Esports Sant Jordi (1700 Sitzplätze) - benannt nach dem katalanischen Nationalheiligen - ließen die Organisatoren in unmittelbarer Nähe des Schwimmbades neu errichten. Einmal mehr zeigte sich die Ohnmacht des Sports gegenüber der Politik: Unbeeindruckt vom ungeschriebenen Gesetz, während der Spiele die Waffen schweigen zu lassen, ging in Jugoslawien der blutige Kampf um das Erbe Titos weiter. Dennoch waren in Barcelona Einzelstarter aus Rest-Jugoslawien vertreten; Bosnien-Herzegowina, Slowenien und Kroatien nahmen mit eigenen Mannschaften teil.
Gail Devers triumphiert
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Erstmals seit 1964 trat wieder eine gesamtdeutsche Mannschaft bei Sommerspielen an. Auch Südfarika war wieder dabei: 28 Jahre lang hatten die Sportler des Landes wegen der Apartheidpolitik ihrer Regierung im olympischen Abseits gestanden. Trotz der tiefgreifenden politischen Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion fand sich in Barcelona auch ein Olympiateam der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) zusammen.
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Für Begeisterung sorgten zahlreiche sportliche Überraschungen: Freudentränen flossen bei der Griechin Paraskevi Patoulidou, nachdem sie über 100m Hürden als zweite Sportlerin ihres Landes eine Goldmedaille gewonnen hatte. Auch die Niederländerin Ellen van Langen konnte ihren Sieg über 800m kaum fassen. Die US-Sprinterin Gail Devers, noch ein Jahr zuvor nach einer Krebserkrankung von einer Beinamputation bedroht, besiegte bei ihrem Triumph über 100m zugleich ihr eigenes Schicksal. Das Thema Doping sorgte erneut für Diskussionen. China und Kuba mussten sich Vorwürfe gefallen lassen, weil sie sich bislang allen internationalen Kontrollen entzogen hatten.



