Ben Hur: Wie gefährlich waren die Wagenrennen der Antike?
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Ben Hur: Wie gefährlich waren die Wagenrennen der Antike?

Bild: Foto: P e z i, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das antike Wagenrennen aus dem Roman und Filmklassiker "Ben Hur" ist weltberühmt. In ihm kämpfe zwei Erzfeinde mit allen Mitteln um den Sieg. Aber wie ging es bei den Wagenrennen der alten Römer tatsächlich zu? Und wie realistisch sind die Filmversionen? Das erklärt uns ein Geschichtsexperte im Interview.

Die Geschichte von Ben Hur geht auf einen Roman des US-Schriftstellers Lew Wallace zurück – viel bekannt aber wurde sie durch einen Hollywood-Filmklassiker aus dem Jahr 1959. Die Handlung spielt zur Zeit der römischen Besatzung Israels durch die Römer. Hauptfiguren sind Judah Ben Hur, ein junger Jude aus wohlhabender Familie, und sein Jugendfreund (in der Neuverfilmung sein Adoptivbruder), der Römer Messala.

Die einstigen Freunde entzweien sich, als Messala Ben Hur wegen eines angeblichen Attentatsversuchs in Gefängnis stecken lässt. Als Folge muss Ben Hur jahrelang als Galeerensklave arbeiten. In seine Heimat zurückgekehrt, wird Ben Hur Wagenlenker und tritt schließlich gegen Messala in einem Wagenrennen an. Dieses Rennen wird sowohl im neuen als auch im alten Film als epochaler Wettkampf inszeniert und als Rache des zu Unrecht verurteilten Ben Hur an dem Römer Messala.

Bis heute sind die Wagenrennen der Antike nicht nur legendär, von ihrer Bedeutung zeugen auch die zahlreichen Arenen, die die Römer eigens für diese Rennen bauten. Wie es bei diesen Wagenrennen tatsächlich zuging, erklärt uns der Historiker Krešimir Matijević von der Universität Trier.

Herr Matijević, kann man die Wagenrennen in der Römischen Kaiserzeit mit der heutigen Formel 1 vergleichen?

Matijević: Sicherlich kann man einen Vergleich vornehmen. Letztlich gehen die heutigen Wagenrennen (über viele Umwege) auf die antiken zurück. Zahlreiche Parallelen lassen sich aufweisen: Es gibt einen festgelegten Parcours, der von Zuschauerrängen umgeben ist. Es gibt Gegner in anderen Wagen, die es zu schlagen gilt. Es gibt Karambolagen, die äußerst gefährlich sind, und dem Sieger winken Ruhm, Geld und vieles mehr.

Wie entstanden Wagenrennen?

Matijević: Wie bei so vielen anderen Dingen haben die Römer sich auch bei den Wagenrennen von den Griechen beeinflussen lassen. Schon in Homers Epos, der Ilias (8. Jh. v. Chr.!), findet ein Wagenrennen zu Ehren des verstorbenen Patroklos statt. Interessanterweise gibt es bereits hier Regelverstöße und einen Schiedsrichter, der diese ahndet.

Aus den Spielen zu Ehren von Toten wurden dann im Laufe der Zeit regelmäßig abgehaltene Spektakel, unter anderem bei den Olympischen Spielen. Die Römer haben das Ganze dann in der römischen Kaiserzeit noch einmal „professionalisiert“.

Im Filmklassiker „Ben Hur“ kommt es zu zahlreichen Unfällen beim Wagenrennen. Wie gefährlich war das Spektakel?

Matijević: Was die Gefährlichkeit des gezeigten Rennens in William Wylers Verfilmung von 1959 angeht, ist man sich in der Forschung einig, dass der Hollywood-Streifen in gelungener Art und Weise die tatsächlichen Risiken römischer Circus-Spiele widerspiegelt. Dies gilt sowohl für die bewusst in Kauf genommenen Karambolagen, als auch für die halsbrecherischen Manöver beim Wenden der Wagen in den Kurven. Man darf davon ausgehen, dass es häufiger zu Todesfällen kam.

Im Film versucht der Römer Messala mit einem speziellen Wagen, an dessen Radnaben außen messerscharfe Fräsen montiert sind, die Konkurrenz auszuschalten. War das eine gängige Methode?

Matijević: Natürlich hat es derartige „Radkappen“ im römischen Circus nicht gegeben. In einem tatsächlichen Rennen wären solche Waffen auch eher den Pferden der Kontrahenten gefährlich geworden als deren Wagen oder Rädern, da diese praktisch nicht aneinandergeraten konnten – jedenfalls bei quadrigae, den Vierergespannen.

Also sind die umfunktionierten Radkappen ein Fantasieprodukt Hollywoods?

Matijević: Nein, „Messerräder“ kennt man aus der Antike aus dem Nahen Osten. Man spricht von Sichelwagen, die unter anderem im Alten Testament erwähnt werden. Die an der Wagenachse befestigten Sicheln waren aber deutlich länger (ca. 90 cm). Mit diesen Wagen ist man durch das gegnerische Heer gefahren.

Im Film sind die Teilnehmer beim Wagenrennen wild gemischt: Wer nahm traditionell daran teil?

Matijević: Es gab, wie in heutiger Zeit, Rennställe, die allerdings nicht nach Sponsoren, sondern nach Farben benannt waren: Blau, Grün, Rot und Weiß. Die Fans der Rennställe trugen die entsprechenden Farben – ähnlich wie heutige Fußballfans. Bei den römischen Rennfahrern handelte es sich üblicherweise um Sklaven oder auch ehemalige Sklaven. Insofern passt es ganz gut, dass Ben-Hur als ehemaliger Galeerensklave an dem Rennen in Rom teilnimmt.

Bei Messala handelt es sich um einen römischen Militärtribun: Somit stammte er aus der Oberschicht der römischen Gesellschaft. Man hat in der Forschung bemängelt, dass ein derartiger Mann von Stand her sicher nicht an Rennen teilgenommen hätte. Tatsächlich war es diesen Römern sogar verboten an Spielen teilzunehmen. Allerdings belegen gerade diese Verbote, dass es derartige Rennfahrer offensichtlich gab!

Auf jeden Fall ist die Idee, dass ein noch recht junger römischer Adliger – Messala ist im Buch zu Beginn der Geschichte 19, zum Zeitpunkt des Rennens etwa 27 Jahre alt – gegen gewisse Normen verstößt und sich im Osten des Reiches bei Wagenrennen „austobt“, keineswegs völlig ausgeschlossen.

Zurück zu den Fakten: Was bedeutete ein Sieg bei solch einem Wagenrennen – und was hatte der Verlierer zu erwarten?

Matijević: Der Sieger erhielt – wie heute – Ruhm und Geld. Es ist außerdem von Grabinschriften aus der Antike bekannt, in denen Rennfahrer stolz die Zahl ihrer Siege (und höheren Platzierungen) aufzählten, ebenso die Summe der Preisgelder. Verlierer mussten nichts befürchten. Im nächsten Rennen konnte sich das Blatt schon wieder wenden.

Im Video erläutern Jack Huston, Toby Kebbell and Regisseur Timur Bekmambetov, wie sie die legendäre Wagenrennen-Szene von BEN HUR für die Neuverfilmung so real wie nur möglich umgesetzt haben.

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