Olympia im Zeichen des Hakenkreuzes
Es gelang den Nationalsozialisten, die ersten Olympischen Sommerspiele in Deutschland zu einer Propagandaveranstaltung in eigener Sache umzufunktionieren. Sie gaukelten der Weltöffentlichkeit friedliche Absichten vor. Trotz der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten konnte das IOC Deutschland die Spiele nicht entziehen, da die deutschen IOC-Mitglieder und das Deutsche Reich mehrfach die Garantie abgaben, die Olympischen Regeln einzuhalten.
Im Vorfeld der Veranstaltung hatte der Vorsitzende des Nationalen Olympischen Komitees der USA und spätere IOC-Präsident Avery Brundage die Boykottaufrufe jüdischer Emigranten zurückgewiesen und vor dem Einfluss der Politik auf den Sport gewarnt. Zudem war es den Deutschen durch den reibungslosen Verlauf der Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen im selben Jahr gelungen, die Vorbehalte im Ausland weitgehend zu zerstreuen.
Durch dauernde Anwesenheit und Anteilnahme spielte Hitler vor der Weltöffentlichkeit erfolgreich die Rolle des friedlichen "Führers". Hierzu trugen nachträglich auch die beiden abendfüllenden Dokumentarfilme "Fest der Schönheit" und "Fest der Völker" der Regisseurin Leni Riefenstahl bei.
Deutsche Erfolge dienen der Propaganda
[[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"12189","attributes":{"alt":"","class":"media-image","typeof":"foaf:Image"}}]]
Auf Anregung des deutschen Organisationschefs Carl Diem war das olympische Feuer im griechischen Olympia mit einem Hohlspiegel entzündet und von 3075 Fackelläufern in die Reichshauptstadt transportiert worden.
Um möglicher Kritik an den so genannten Rassengesetzen vorzubeugen, hatte der Reichssportführer zwei "Halbjuden", die Fechterin Helene Mayer und den Eishockeyspieler Rudi Ball, ohne Qualifikation schon lange vorher nominiert. Helene Mayer, die Olympiasiegerin der Spiele von 1928, lebte schon seit längerem in den USA. Die jüdische Sportlerin Gretel Bergmann, eine der weltbesten Hochspringerinnen, wurde dagegen unter falschen Vorwänden nicht berücksichtigt.
[[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"12190","attributes":{"alt":"","class":"media-image","typeof":"foaf:Image"}}]]
Die Vorbereitung der deutschen Sportler war von den Machthabern mit allen Mitteln unterstützt worden, denn die Sportler sollten mit möglichst vielen Siegen die Überlegenheit der "arischen Rasse" unter Beweis stellen. Am Ende lag die deutsche Mannschaft in der Nationenwertung mit 38 Goldmedaillen vor den USA (24) und Ungarn (zehn).
Erst- und einmalig gab es in Berlin ein Turnier im Feldhandball, das Deutschland vor Österreich gewann. Olympische Premiere feierten auch die Kanu-Wettbewerbe (neun Entscheidungen) und Basketball: Das amerikanische Team begann mit dem Gewinn der Goldmedaille eine Siegesserie, die erst 1972 von der UdSSR beendet wurde. Unumstrittener Star der Spiele war der amerikanische Leichtathlet Jesse Owens, der über 100m, 200m, im Weitsprung und mit der 4 x 100m-Staffel Gold holte.



