Die Internationalen Filmfestspiele Berlin gehören neben den Festivals von Cannes und Venedig zu den Top Drei der großen Filmfestspiele. Sie gilt unter diesen als das Festival, das am stärksten politische und gesellschaftliche Strömungen widerspiegelt. So auch in diesem Jahr: Als Kommentar und Ansage zum Programm verlas Festivalchef Dieter Kosslick bei der Vorstellung des diesjährigen Programms Verse von Wolf Biermann: " Du, lass dich nicht verbittern / in dieser bitteren Zeit.."
"Es ist trotz allen Unmuts, den es in der Welt gibt, ein versöhnliches Programm, auch ein lebensbejahendes Programm", charakterisierte Kosslick das Spektrum der auf der Berlinale präsentierten Filme. In vielen Beiträgen geht es durchaus um Probleme, auch Flüchtlingskrise und Politik kommen vor. Aber der Schwerpunkt liegt auf den Auswegen, auf Hoffnung und Spaß trotz Krisen, wie der Festivalleiter betont. Im Wettbewerb um die goldenen und silbernen Bären sind in diesem Jahr 18 Filme, darunter auch drei deutsche Beiträge.
"Mit Vielfalt gegen die Einfalt"
Einige Filme scheinen die aktuelle Entwicklung geradezu vorweg zu nehmen: So spielt ein Dokumentarfilm in der Wüste zwischen Mexiko und den USA – genau dort, wo US-Präsident Donald Trump seine Mauer bauen will. Zu diesem kommentierte Festivalleiter Kosslick nur: "Wir müssen über diesen Herren bis zum nächsten Amtsenthebungsverfahren wirklich nicht reden." Die Berlinale wolle "mit Vielfalt gegen die Einfalt" vorgehen.
Auffallend ist die große Zahl der Dokumentarfilme – immerhin 92 sind es diesmal. Passend vergibt die Berlinale 2017 erstmals einen eigenen, mit 50.000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis. In diesem Jahr gibt es zudem einige geschichtliche Filme, darunter der Beitrag "Der junge Marx", sowie einige Künstlerbiografien, darunter der Eröffnungsfilm "Django" über den Jazz-Gitarristen und Komponisten Django Reinhardt. Der französische Film erzählt aus dem Leben des Musikers und seiner Flucht aus dem von Deutschland besetzten Paris 1943.
Den Goldenen Ehrenbär für ihr Lebenswerk bekommt in diesem Jahr die italienische Kostümbildnerin Milena Canonero. Sie hat für ihre herausragenden Leistungen im Bereich Kostümbild bereits viermal den Oscar bekommen. Unter den von ihr gestalteten Filmen sind "A Clockwork Orange" und "The Shining" von Stanley Kubrick, "Out of Africa" von Sydney Pollack sowie im Jahr 2014 "The Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson.
Die Jury
Bei der Berlinale 2017 wird erneut eine hochkarätige Internationale Jury entscheiden, welcher von den 18 Wettbewerbs-Beiträgen den Goldenen und die Silbernen Bären gewinnt. Den Vorsitz der Internationalen Jury übernimmt der niederländische Regisseur und Drehbuchautor Paul Verhoeven. Er wurde bekannt unter anderem für Science-Fiction-Filme wie "RoboCop" und "Total Recall", beides gegenwartskritische Reflexionen der Zukunft. Auch der provokante Erotikthriller "Basic Instinct", der zwei Oscar-Nominierungen erhielt, stammt von ihm.
Ebenfalls zur Jury gehören die bekannten Schauspielerinnen Maggie Gyllenhaal aus den USA und Julia Jentsch aus Deutschland, sowie der mexikanische Regisseur Diego Luna und sein chinesischer Kollege Wang Quan'an. Weitere Mitglieder sind die tunesische Filmproduzentin Dora Bouchoucha Fourati und der isländische Künstler Olafur Eliasson.
Engagement für Flüchtlinge und den Kiez
Die Berliner Filmfestspiele bieten in diesem Jahr einige Projekte und Aktivitäten speziell für Flüchtlinge an. Sie sollen dazu beitragen, die kulturelle Integration und den Austausch zu stärken. "Das Festival machte es sich schon immer zur Aufgabe, Verständigung, Toleranz und Akzeptanz zu fördern und auf gesellschaftliche Situationen zu reagieren - mit seinem Programm, aber auch durch viele zusätzliche Aktivitäten", heißt es in einer Presseerklärung.
Konkret gibt es unter anderem ein Patenschafts-Projekt, bei dem Ehrenamtliche der Berliner Flüchtlingshilfs-Organisationen gemeinsam mit Geflüchteten die Berlinale-Vorstellungen besuchen. Im Rahmen einer Kooperation mit den Berliner Volkshochschulen werden zudem 160 Freitickets für Integrationsklassen und deren Kursleiter zur Verfügung gestellt.
Um die Kiezkultur zu stärken, findet die Berlinale zudem nicht nur in den zentralen Spielstätten statt. Im Rahmen der Aktion "Berlinale goes Kiez" werden einige Filme auch in sieben kleineren Programmkinos in verschiedenen Stadtvierteln gezeigt. Festivaldirektor Dieter Kosslick: "Unsere ,local heroes‘ sind die Kiezkinos in Berlin und Brandenburg, die offen bleiben für aktuelle Themen aus der Nachbarschaft und diese in einen nachhaltigen Dialog mit den Geschichten auf der Leinwand stellen."



