Bernstein
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Bernstein

Bild: Foto: Markus Willimann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Für die Menschen des Altertums war der Bernstein das „Gold des Nordens“. Der Römische Dichter Ovid nannte ihn vor 2000 Jahren „Tränen der Götter“. Entstanden ist der Baltische Bernstein in riesigen Kiefernwäldern auf dem Gebiet des heutigen südlichen Skandinaviens vor ca. 50 Millionen Jahren während des Tertiärs. Damals herrschte hier ein subtropisches Klima. Das Harz der Bernsteinbäume floss reichlich, aber nur das Harz, das bald nach seinem Austritt unter Luftabschluss gelangte, härtete aus und wurde zu Bernstein.

Für die Menschen des Altertums war der Bernstein das „Gold des Nordens“. Der Römische Dichter Ovid nannte ihn vor 2000 Jahren „Tränen der Götter“. Entstanden ist der Baltische Bernstein in riesigen Kiefernwäldern auf dem Gebiet des heutigen südlichen Skandinaviens vor ca. 50 Millionen Jahren während des Tertiärs. Damals herrschte hier ein subtropisches Klima. Das Harz der Bernsteinbäume floss reichlich, aber nur das Harz, das bald nach seinem Austritt unter Luftabschluss gelangte, härtete aus und wurde zu Bernstein.

Der Baltische Bernstein wurde mehrfach umgelagert. Die erste große Umlagerung vollzog sich vor ca. 32 Millionen Jahren, als Bernstein von großen Flüssen zusammengeschwemmt wurde. So entstand die heutige Hauptlagerstätte des Baltischen Bernsteins auf der Halbinsel Samland (heute Gebiet Kaliningrad; Russland). Der Bernstein liegt hier in Ton- und Sandablagerungen, der sogenannten „Blauen Erde“, die heute im Tagebau gefördert wird. Eine zweite große Umlagerung vollzog sich während der Eiszeit. Durch Gletscher und Schmelzwasserströme wurde Bernstein sogar bis vor die englische Küste transportiert. In der Nord- und Ostsee wird er heute zusammen mit dem Sprockholz - einem Gemisch aus Seetang und Holzresten - an den Strand gespült. Die Suche nach Bernstein am Strand ist zur Zeit der Winterstürme besonders erfolgversprechend, denn die starken Wellen legen hin und wieder Bernstein am Strand ab.

Einschlüsse im Bernstein (Inklusen) sind bei Sammlern begehrt. Diese Stücke konservierten Insekten, aber auch Blättchen oder Blüten längst untergegangener Bäume. Bereits die Menschen der Jungsteinzeit schätzten den Bernstein, der - zu Perlen oder kleinen Figuren verarbeitet - oft auch als Amulett getragen wurde. Im ersten Jahrtausend vor Christi war Bernstein ein begehrtes Handelsgut für die Hochkulturen im Mittelmeerraum. Auf den sogenannten „Bernsteinstraßen“ gelangte das Gold des Nordens vom Baltikum bis ans Mittelmeer. In der Antike nannten die Griechen das geheimnisvolle Material, das wegen seiner elektrostatischen Aufladung in der Lage war, kleine Papier- oder Staubteile anzuziehen, „Elektron“, ein Wort, das uns heute noch als „Elektrizität“ begegnet.

Schmuck und Heilmittel

Im Mittelalter verwandte man den Bernstein fast ausschließlich für die Herstellung von Rosenkränzen. Es bestand das „Bernsteinregal“, ein Gesetz, das dem jeweiligen Landesherrn im Samlandgebiet das Monopol über den Bernsteinhandel sicherte. Es ging vom Deutschen Orden im Jahr 1525 auf die Herzöge von Preußen über. Apotheken boten weißes Bernsteinpulver als vermeintliches Medikament feil.

Im 16. und 17. Jahrhundert nutzten die preußischen Herrscher ihren einheimischen Schatz - den Bernstein - für ihre Repräsentationszwecke und ließen verschiedenartige Zier- und Gebrauchsgegenstände aus dem kostbaren Material fertigen. Hunderte von Bernsteinkunstgegenständen, darunter Pokale und Dosen, Konfektschalen und Degengriffe, vom preußischen Hof in Auftrag gegeben, gelangten so als Hochzeits- und Diplomatengeschenke in viele Kunstsammlungen europäischer Fürsten- und Herrscherhäuser. Zentren der kunsthandwerklichen Bernsteinbearbeitung waren im 17. Jahrhundert die Städte Königsberg und Danzig.

Das Bernsteinzimmer

1701 gab der preußische König Friedrich I. den Auftrag, in seinem Berliner Schloß ein ganzes Zimmer mit Bernstein auszukleiden. 1716 erhielt der russische Zar Peter I. dieses größte je aus Bernstein gefertigte Kunstwerk zum Geschenk. Mit dem Fortschritt der Naturwissenschaften im 18. Jahrhundert und der Erkenntnis über den natürlichen Ursprung des Bernsteins ging das höfische Interesse am Bernstein nach 1750 zurück.

Bernstein für jedermann

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hält der Bernstein Einzug in die Volkskunst. In einigen Gegenden Europas gehörten facettierte Bernsteinketten zur Hochzeitstracht der Bauern.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Bernstein fast ausschließlich durch Strandlese gewonnen. Um 1890 begann im Samlandgebiet in Ostpreußen die großtechnische Gewinnung des Bernsteins. So gelangte das Rohmaterial günstig auf den Markt, und der Schmuck aus Bernstein wurde in dieser Zeit größeren Bevölkerungsschichten zugänglich.

Heute ist Bernstein ein ebenso beliebter Schmuckstein wie vor 100 Jahren. Der neuste Trend ist künstlerisch gearbeiteter individueller Bernsteinschmuck. Dabei wird eine neue Sichtweise auf das Material Bernstein erkennbar. Der Bernstein wird mehr und mehr als natürlich entstandenes Material geachtet, seine vielfältigen Formen und Farben werden bewusst genutzt. In Polen sind über 60 Künstler in eigenen Werkstätten tätig und fertigen heute individuellen künstlerisch gearbeiteten Bernsteinschmuck. In Litauen, Dänemark und Deutschland sind es jeweils ca. 30 Künstler, die bevorzugt mit dem Material Bernstein arbeiten.

Das Deutsche Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten präsentiert heute die umfangreichste Ausstellung zum Thema Bernstein in Deutschland. An Hand von über 1000 historischen Exponaten wird die Naturkunde sowie die Kunst- und Kulturgeschichte des Baltischen Bernsteins dargestellt.

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