Bewertung der Riester-Rente
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Bewertung der Riester-Rente

Bild: Foto: Markus Willimann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Im Mai 2001 ließ sich die Schröder-Regierung feiern: Mit der Verabschiedung der Rentenreform nach dem Modell des damaligen Bundesarbeitsministers Riester wähnte der Kanzler "eine wirklich historische Leistung" in seiner ersten Legislaturperiode vollbracht zu haben. Doch ist die Riester-Rente wirklich "ein Quantensprung in der Sozialpolitik", wie Walter Riester damals euphorisch verkündete?

Im Mai 2001 ließ sich die Schröder-Regierung feiern: Mit der Verabschiedung der Rentenreform nach dem Modell des damaligen Bundesarbeitsministers Riester wähnte der Kanzler "eine wirklich historische Leistung" in seiner ersten Legislaturperiode vollbracht zu haben. Doch ist die Riester-Rente wirklich "ein Quantensprung in der Sozialpolitik", wie Walter Riester damals euphorisch verkündete?

Der Wunsch nach einem sorglosen Lebensabend ist so alt wie die Menschheit selbst. Häufig genug ist die Voraussetzung dafür ein finanzielles Ruhekissen. Schon Bertold Brecht bemerkte treffend: "Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm."

Doch obwohl die Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine der beeindruckendsten Comeback-Stories der zweiten Jahrhunderthälfte geliefert und einem Großteil ihrer Bevölkerung zu Wohlstand verholfen hat, steht die Gesellschaft am Scheideweg.

Wie in kaum einem anderen Land der westlichen Welt wird die gesamtwirtschaftliche Weiterentwicklung von dem zunehmenden demographischen Problem der Überalterung bedroht - und damit auch die Existenzen ihrer Einwohner.

Die Problematik spitzt sich zu: Schon in der nächsten Generation - ab 2025 - wird die Gruppe der Rentner die größte Bevölkerungsschicht sein. Die Anforderungen an die Arbeitnehmer steigen in zunehmendem Maße: Immer weniger Junge sollen immer mehr Alte finanzieren. Fest steht: Früher oder später geht diese Rechnung an einer Stelle nicht mehr auf - nämlich bei der Höhe der ausgezahlten Rente.

Finanzexperten halten das bis 2020 garantierte Renten-Niveau von 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens schon jetzt für nicht haltbar. Jedes Jahr verlassen über 200.000 Menschen mehr den Arbeitsmarkt in Richtung Altenteil als Berufseinsteiger nachrücken - eine Entwicklung, die den traditionellen Generationenvertrag ins Wanken bringt.

Während heute noch zwei Arbeitnehmer die Rente eines Ruheständlers finanzieren, soll diese 2050 - also schon in zwei Generationen - von nur einem Arbeitnehmer getragen werden. Vor dem Hintergrund dieser demographischen Schieflage rechnen Experten schon bis 2030 mit einem Absinken des Rentenniveaus auf 60 Prozent.

Die Riester-Rente sensibilisiert zukünftige Rentner zur Eigeninitiative

Wie tief die Einschnitte des Renten-Debakels tatsächlich auch reichen mögen - fest steht: Die eigene Initiative zur Altersvorsorge entwickelt sich für heutige Arbeitnehmer immer mehr zum Muss. Vor diesem Hintergrund gebührt der von Walter Riester auf den Weg gebrachten Förderung privater Altersvorsorge Respekt.

Mit dem - in Grundzügen liberalen - Richtungswechsel der Rentenpolitik hat die Schröder-Regierung begonnen, die Ansprüche ans gesetzliche Rentensystem sukzessiv zurückzuschrauben und durch mehr Eigeninitiative zu ergänzen. Der Staat sensibilisiert die junge Arbeitnehmer-Generation insofern für die Notwendigkeit einer privaten Altersvorsorge.

Tropfen auf den heißen Stein

Doch so innovativ die überfällige Rentenreform auch war - so unvollständig und von Kompromissen geprägt erscheint die tatsächlich verabschiedete Version der Riester-Rente. Denn ob "Solidarität mit Gewinn" (Schröder) tatsächlich auf diesem Weg erzielt werden kann, bleibt sehr vage; zu dürftig erscheinen die Zulagen von derzeit 38 Euro pro Jahr auf ein Riester-Altersvorsorge-Produkt. Gerade besser Verdienende sehen in den staatlichen Zulagen einen Tropfen auf den heißen Stein, da ihr Eigenanteil proportional zum Gehalt wächst - nicht aber die Bezuschussung.

Nachteile der Riester-Produkte

Im Vergleich zu klassischen Investmentfonds weisen die Riester-Produkte zudem nicht zu unterschätzende Nachteile auf, die in der Euphorie um die staatlichen Zuschüsse selten Beachtung finden. So darf nicht vergessen werden, dass die neu aufgelegten Produkte bislang keine jahrelange Erfolgs-Kontrolle durch eine nachvollziehbare Performance aufweisen können.

Sollten enttäuschte Anleger nach gewisser Zeit das Riester-Produkt gegen einen konventionellen Investmentfonds tauschen wollen, fallen ungewöhnliche Zusatz-Kosten an. Die komplette staatliche Förderung muss zurückgezahlt und eventuell fällige Zinserträge nachträglich versteuert werden.

Alternativen in den klassischen Anlageformen suchen

Vor diesem Hintergrund mangelnder Flexibilität Riesterscher Fonds-Produkte kann der engagierte Anleger, dem die Rendite von Bankeinlagen oder Lebensversicherungen zu gering erscheint, seine Alternative in den Kapitalmärkten suchen.

Die Aktie gilt dabei historisch noch immer als renditestärkste Langfristanlage. Entsprechend argumentiert auch Charles Schwab, Gründungs-CEO des gleichnamigen Discount Broker-Giganten in seiner Buchveröffentlichung zum Thema Vermögensaufbau für die zweite Lebenshälfte You’re fifty - now what?. Mit dem Wissen um die langfristige Renditestärke der Aktie hält der Anleger bei der privaten Altersvorsorge alle Trümpfe in der Hand: "Älter zu werden", so Schwab, "ist nicht schlimm - aber unvorbereitet zu sein, ist es."

Nils Jacobsen

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