wissen.de: Herr Zitscher, was bedeutet der Begriff ePayment?
Zitscher: Genau genommen steht ePayment für „electronic payment“ und bezeichnet die Summe aller Prozesse für die bargeldlose Zahlung auf Grundlage beliebiger elektronischer Netze und Systeme. Beispiel: Wenn sie im Geschäft per EC-Karte bezahlen, dann erfolgt die Bezahlung elektronisch sowie bargeldlos und gilt daher als ePayment. In der heutigen Informationsgesellschaft wird unter ePayment jedoch vor allem die Zahlungsabwicklung im Internet verstanden. ePayment ist daher ein wesentlicher Bestandteil des eCommerce.
Die Zahlungsabwicklung erfolgt normalerweise über so genannte Payment Service Provider. Das sind Unternehmen, die im Hintergrund die Kommunikation mit den Kreditinstituten übernehmen und zugleich für Händler ePayment-Software bzw. weitere MService-Leistungen anbieten.
wissen.de: Was sind die Vorteile von ePayment?
Zitscher: Mit einem Wort: Flexibilität! Als Kunde ist man beim Bezahlvorgang weder an einen bestimmten Ort noch an ein bestimmtes Medium gebunden. Betrachten wir beispielsweise die Kreditkarte MasterCard: Der Kunde kann weltweit bei über 25 Millionen Unternehmen aus über 210 Ländern dieser Welt mit seiner MasterCard zahlen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der teure Geld-Wechsel in die verschiedenen Landeswährungen entfällt, der Kunde hat den genauen Überblick über seine Ausgaben und kann auch im eCommerce rund um die Uhr über weite Distanzen schnell, einfach und sicher zahlen.
Für Händler liegen die Vorteile insbesondere in der voll automatisierten Abwicklung. Das mindert die Kosten der Zahlungsabwicklung und führt zu einem schnellen und sicheren Zahlungseingang. Nicht zuletzt müssen sich die Händler den Wünschen ihrer Kunden beugen, die es als selbstverständlich ansehen, dass sie möglichst komfortabel und auf die Art und Weise zahlen können, wie sie wollen. Insofern ist ePayment auch immer ein Stück weit Marketing.
wissen.de: Wie sicher ist ePayment?
Zitscher: Hier muss man unterscheiden zwischen Zahlungssicherheit und die Datensicherheit.
Die Zahlungssicherheit bezieht sich auf das Risiko des Händlers, dass er den vereinbarten Betrag für seine Ware oder Dienstleistung auch tatsächlich erhält. Dieses Risiko ist sowohl von der jeweiligen Zahlart als auch vom jeweiligen Kunden abhängig. Bei der Zahlart Kreditkarte kann der Käufer beispielsweise auch nachdem er die Ware oder die Dienstleistung erhalten hat, eine Rückbelastung des Kaufbetrages durchzuführen. Dies bezeichnet man als Chargeback. Für den Händler ist dies ein nicht unerhebliches Risiko. Bei professionellen ePayment-Lösungen greifen jedoch so genannte Risk-Management-Services, die dieses Zahlungsausfallrisiko minimieren. Das Spektrum reicht hier von Sperrlisten über Bonitätsprüfungen bis hin zu speziellen Verfahren wie 3D-Secure („Verified by Visa“ und „MasterCard SecureCode“), die speziell zur Minimierung von Risiken im eCommerce für Kreditkartenzahlungen entwickelt wurden.
Zweites Stichwort: Datensicherheit. Natürlich sind Kundendaten sensible Daten, die nicht in die Hände von Unbefugten kommen dürfen. Deswegen müssen sich auch alle Anbieter, die Kreditkartenzahlungen abwickeln, nach den strengen Richtlinien des so genannten Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS) von Visa und MasterCard zertifizieren lassen. Für Payment Service Provider ist die Zertifizierung besonders streng. Die Sicherheit der Systeme sowie die organisatorischen Sicherheits-Standards werden vor Ort durch einen unabhängigen Dienstleister geprüft. Die Sorge von Kunden, ob die Bezahlung im Internet sicher sei, ist daher in den meisten Fällen unbegründet.
wissen.de: Gibt es Zahlungsarten, die speziell für das ePayment entwickelt wurden?
Zitscher: Es gibt bereits einige Zahlarten, die speziell für die Bezahlung im Internet entwickelt wurden. Allerdings ist noch keiner dieser Zahlarten der Durchbruch gelungen. Die Erklärung dafür ist einfach: Der Erfolg einer Zahlart hängt im Wesentlichen von zwei Punkten ab – der Anzahl an Akzeptanzstellen und der Anzahl an potenziellen Käufern. Händler führen eine neue Zahlart nur ein, wenn ausreichend viele potenzielle Kunden mit der Zahlart ausgestattet sind. Und neue Kunden nutzen eine neue Zahlart erst dann, wenn eine ausreichende Anzahl an Akzeptanzstellen vorhanden ist, wo mit der Zahlart bezahlt werden kann. Und natürlich muss eine neue Zahlart überzeugende Vorteile gegenüber den anderen, etablierten Zahlarten aufweisen, damit diese vom Markt angenommen wird. Aus diesem Grunde werden in der Regel bestehende Zahlarten für den Einsatz im Internet optimiert. Ein erfolgreiches Beispiel hierfür ist die Zahlart Giropay, die auf der klassischen Überweisung aufsetzt. Der Käufer kann direkt aus dem Online-Shop des Händlers per Überweisung durch Eingabe von PIN und TAN seines Online-Bankings bezahlen. Das führt zu Vorteilen für beide Parteien: Da dem Händler der angewiesene Betrag sicher ist, kann er seine Leistung sofort erbringen, was zu erhöhter Zufriedenheit auf Kundenseite führt.
wissen.de: Immer wieder taucht der Begriff „Micropayment“ auf. Was bedeutet er im Zusammenhang mit ePayment?
Zitscher: Micropayment steht für die Bezahlung von Kleinbeträgen, die insbesondere beim Kauf von Paid Content wie Testberichten, Zeitungsartikeln oder digitalen Musikstücken zum Tragen kommen. Meist handelt es sich dabei um Beträge von unter 5 Euro. Die Zahlungsabwicklung von darüber hinaus gehenden Beträgen wird als Macropayment bezeichnet.
Angesichts der geringen Transaktionswerte, die sich oftmals sogar im Cent-Bereich befinden, liegt die Herausforderung beim Micropayment darin, die Kosten der Zahlungsabwicklung möglichst gering zu halten, damit die Abwicklungskosten den Transaktionswert nicht überschreiten. Darüber hinaus erwartet der Kunde eine sofortige Leistung durch den Händler.
Stellen sie sich vor, beim gesamten Bezahlungsprozess muss immer wieder beim Händler oder auf Seiten der Bank manuell eingegriffen werden – das wird bei geringen Beträgen einfach viel zu schnell viel zu teuer. Abhilfe schaffen hier ePayment-Lösungen, die den gesamten Zahlungsprozess voll automatisiert abwickeln.
wissen.de: Kaufen Sie selbst auch über das Internet ein?
Zitscher: Selbstverständlich – insbesondere Bücher, Flüge und Elektronikartikel kaufe und bezahle ich online. Das Internet ist für mich aufgrund der Preistransparenz und der Vielfalt an angebotenen Waren und Dienstleistungen nicht mehr wegzudenken. Ich muss jedoch gestehen, dass ich mir einen gänzlichen Verzicht auf das Shopping-Erlebnis im stationären Handel nicht vorstellen könnte. Allerdings zahle ich auch „offline“ fast ausschließlich bargeldlos per EC- oder Kreditkarte.
Carl Frederic Zitscher ist Gründer und Geschäftsführer der payone GmbH & Co. KG. Payone ist einer der führenden Anbieter von so genannten ePayment-Lösungen. Mit „FinanceGate“ vertreibt das Unternehmen eine der derzeit innovativsten ePayment-Plattformen zur vollautomatisierten Abwicklung des gesamten Zahlungsverkehrs.



