Noch immer verfolge ich mit bangem Blick die neuesten Meldungen aus Birma (Myanmar). Die Angst vor einer Katastrophe wie dem Blutvergießen 1988, als die Armee tausende Demonstranten erschoss, sitzt tief, genauso wie meine Hoffnung, die Protestwelle könnte doch noch einmal so gewaltig anschwellen und dieses Mal nicht Zehntausende, sondern Hunderttausende auf die Straßen treiben, bis das Militärregime vom Volkszorn weggespült wird.
Die Birmanen haben genug gelitten. Auf einer vierwöchigen Reise durch das Land im Herbst 2002 kann ich das mit eigenen Augen sehen. Trotz des Verbots, mit Ausländern zu sprechen, sind viele an einem Austausch mit mir interessiert. Sie wollen das Neueste aus der Welt, aus Europa und aus Deutschland erfahren. Auch über die Situation in Birma sprechen sie häufig mit mir – immer ein Auge auf der Straße, um bei Erscheinen verdächtiger Personen (Geheimpolizei!) sofort das Gespräch abzubrechen. Ich kann die Angst spüren. Ebenso wie ihre Herzlichkeit und Wärme.
Ich lerne eine Frau kennen, die viele Jahre im Gefängnis verbracht hat auf Grund ihrer Teilnahme an den Demonstrationen von 1988. Noch immer bekommt sie regelmäßig „Besuch“ der Polizei. Sie zeigt mir unter größter Gefahr ein Foto der Hoffnung eines ganzen Volks: Aung San Suu Kyi, die Oppositionsführerin, die seit Jahren unter Hausarrest steht. Das ist eine Ehre, die mich im Herzen berührt.
Auf meiner Reise durch das geschundene arme Land sehe ich Kinder am Straßenrand. Aber sie spielen nicht – sie müssen die Straße bauen. Strafgefangene säubern die Städte. Polizei und Armee sind überall präsent. Auf großen Propagandaplakaten wird das Volk permanent daran erinnert, wie schlecht das Ausland ist, dass Ausländer lügen und mit ihnen nicht gesprochen werden darf. Teile des Landes darf ich gar nicht betreten. Dort führt die Militärjunta Krieg gegen Aufständische anderer Volksgruppen. Internetzugang ist nur streng kontrolliert möglich und die wenigen E-Mails, die ich schreiben kann, werden auch von Regimevertretern gelesen.
Trotz Verboten und Polizeipräsenz habe ich immer wieder Gelegenheit, mit den Menschen zu sprechen, Verzweiflung und Hoffnung in ihren Augen zu sehen und ihre Gastfreundschaft zu spüren. Genau wie ihren Wunsch, die Unterdrückung eines Tages abzuschütteln. Vielen sage ich, dass ich ihr Land wieder besuchen komme. Das werde ich auch tun. Dann hoffentlich ein Land in Freiheit, ohne Kinderarbeit.

Bild: Foto: Basile Morin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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