Sonnenlicht tut gut
Viele liegen unter der künstlichen Sonne, weil sie einfach nur einen "gesunden" Teint haben wollen. Braun zu sein ist schließlich ein Zeichen von Attraktivität und Vitalität. Doch über die rein kosmetische Funktion hinaus birgt das Sonnenstudio auch weitere Möglichkeiten: Schonendes Vorbräunen für den Urlaub oder die entspannende Wirkung im Sinne einer Therapie werden von verschiedenen Solarien-Fachverbänden gepriesen.
Auch Wissenschaftler und Mediziner wissen, wie gut Licht den Menschen tut. Nur mit Hilfe von (direktem oder indirektem) Sonnenlicht kann der Körper beispielsweise das lebenswichtige Vitamin D synthetisieren. Dieser Stoff bringt den Kreislauf auf Touren, stärkt das Immunsystem, reguliert den Kalziumhaushalt und somit die Knochendichte - beugt also der Osteoporose vor. Darüber hinaus verdichten sich die Hinweise, dass es für einen gewissen Krebsschutz sorgt. UV-Therapien sind in der Medizin mittlerweile allgemeine Praxis und Wissenschaftler erforschen weitere biopositiven Wirkungen. Verschiedene Studien zeigen: Ganzkörperbestrahlungen wirken sich nicht nur positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus, sondern senken sowohl Blutdruck als auch Cholesterinspiegel und verringern darüber hinaus die Infektanfälligkeit. Außerdem lindern sie Wechseljahr-Beschwerden sowie Durchblutungsstörungen. Auch Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Psoriasis werden mit Licht behandelt. Zusätzlich vertreibt Sonnenlicht Depressionen: SAD - saisonal affektive Depression - heißt der medizinische Terminus für den bekannten Winterfrust. Der Gang ins Sonnenstudio kann ebenfalls für den Gute-Laune-Kick zur dunklen Jahreszeit sorgen. UV-Strahlen bringen darüber hinaus die Hormone auf Hochtouren: Das Plus an Testosteron und Östrogen verstärkt die sexuelle Lust. Für viele gehört der Solariums-Besuch auch deshalb zum allgemeinen Wellness-Lifestyle.
Vor übermäßigem Genuss außerhalb medizinischer Indikation warnen allerdings die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. und die Deutsche Krebshilfe. Denn UV-Strahlen - ob natürlich oder künstlich - schädigen die Haut und können zu Hautkrebs führen. Jedes Jahr gibt es 90.000 Neuerkrankungen. Im letzten Jahr führten die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. und die Deutsche Krebshilfe eine bundesweite Solarien-Kampagne durch. In der Broschüre "Selbstverteidigung für Solariumgänger" wurden verschiedene Empfehlungen zusammengefasst.
Sicherheit und Standards
Knackpunkt: Die Experten bemängeln, dass Solarien in Deutschland nicht getestet oder gewartet werden müssen. Keine Behörde prüft, wie viele UV-Strahlen die Geräte abgeben und ob die Filter in Ordnung sind. Die Gewerbeaufsicht greift in der Regel erst ein, wenn es in einem Sonnenstudio bereits zu Zwischenfällen wie Verbrennungen gekommen ist. Und der TÜV prüft nur, wenn er vom Solarium selbst beauftragt wird. Außerdem ist das TÜV-Zertifikat kein allgemein anerkanntes Prüfsiegel - lediglich elektrische und mechanische Komponenten der Geräte werden untersucht.
Die Arbeitgemeinschaft Dermatologische Prävention hat vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebshilfe und Ökotest 41 Sonnenstudios überprüft. Erschreckendes Ergebnis: Von den 41 getesteten waren 39 durchgefallen. Die Bestrahlungsstärke war bei weitem zu stark. Die Bräunungsapparate in öffentlichen Sonnenstudios sollten normalerweise zu den strahlungsärmeren Gerätetypen 2 oder 3 gehören. Eine Kennzeichnungspflicht für die Sonnenbänke gibt es allerdings nicht. Der Kunde weiß meistens nicht, unter welchem Typ Sonnenbank er gerade schmort. Fast achtzig Prozent der untersuchten Geräte gehören jedoch zu den Turbo-Bräunern der Gruppe 4 und 5. Die Strahlung dieser Röhren übertrifft die Mittagssonne in den Tropen um das drei- bis vierfache.
Mehrere europäische Länder waren dabei, Reglementierungen einzuführen. Frankreich hatte bereits eine quasi-gesetzliche Regelung, die Turbo-Bräuner verbietet. Hier zu Lande trat erstmals im Dezember 2001 der "Runde Tisch Solarien" zusammen. Vertreter aus Staat, Wissenschaft, Verbraucherschutzorganisationen, Industrie und Studiobetreibern einigten sich auf einheitliche Kriterien für die Zertifizierung von Solarienbetrieben. Mindestanforderungen an Geräte, Hygiene, Fachkunde des Personals und das Informationsangebot wurden festgeschrieben. Auch einheitliche Schulungsinhalte für das Personal wurden festgelegt. Sonnenstudios sollten sich dann im Rahmen einer freiwilligen Selbstkontrolle den Richtlinien anpassen.
Aber bis heute ist das Gütesiegel "Zertifiziertes Sonnenstudio" nur selten zu finden. Nach Zahlen, die Stiftung Warentest im Oktober 2006 veröffentlichte, trugen von insgesamt ca 7.500 Studio nur knapp 80 diese Auszeichnung.
Worauf jeder achten sollte
Das Nonplusultra eines guten Sonnenstudios: Speziell ausgebildetes Personal. Auch muss auf potenzielle Gefahren hingewiesen werden. Bleibt eine Beratung über Hauttyp, Bestrahlungsdauer, den Gebrauch von Kosmetika und Medikamenten aus, sollte man das Studio gleich wieder verlassen. Um Selbstbedienungsstudios mit Münzautomaten auf jeden Fall einen großen Bogen machen. Neben der Beratung sind auch einwandfreie hygienische Verhältnisse ein Muss.
Am gefährlichsten sind Sonnenbänke mit hochdosierter UVA-Strahlung, so genannte Turbobräuner. Denn UVA-Strahlen dringen tief in die Hautschichten ein und verändern das Erbgut der Zellen. Es sollten nur Geräte der Typen 1 und 2 genutzt werden. Die Empfehlung der Deutschen Strahlenschutzkommission sollte zur Grundlage des vernünftigen Sonnens werden: Pro Jahr sollte man höchstens etwa 50 Sonnenbäder nehmen - natürliche und künstliche zusammen genommen. Auf ganzjährige Dauerbräune am besten ganz verzichten und einen Sonnenbrand grundsätzlich vermeiden. Wer unter Hautkrankheiten leidet beziehungsweise Medikamente einnimmt, sollte vor dem Gang ins Solarium unbedingt den Arzt fragen. Auch wer es ganz eilig hat mit dem Braunwerden: Die empfohlene Bestrahlungszeiten unbedingt einhalten, denn hier gilt oft der Grundsatz "weniger ist mehr". Bereits einige Stunden vor dem künstlichen Sonnenbad sollten keine Parfüms aufgetragen werden, auch müssen alle Kosmetika vorher entfernt werden. Unter der Sonnenbank auf Sonnenschutzmittel verzichten. Und nie ohne UV-Schutzbrille unter die Röhren legen - das kann die Augen schädigen.
Menschen mit Hauttyp I - Erkennungszeichen sind helle Haut, Sommersprossen, rotes oder blondes Haar - sollten überhaupt nicht ins Solarium gehen, genauso Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren. Ebenfalls tabu sollte die künstliche Sonne für Erwachsene sein, die mehr als 40 Leberflecken besitzen, häufig Sonnenbrand oder schwere Hautverletzungen hatten. Gar nicht vertragen sich Antidepressiva, Antibiotika oder Antidiabetika mit dem Sonnenstudio, weil diese Medikamente die Haut für UV-Strahlung empfindlicher machen.



