Erstmals eine Eröffnungsbilanz
Bei einer Eröffnungsbilanz handelt es sich um eine Sonderbilanz, die die tatsächlichen Vermögens- und Kapitalverhältnisse eines Unternehmens an einem bestimmten Stichtag wiedergeben soll. Für den Bund wurde eine solche Bilanz bislang nicht erstellt. Bisher wird in den Haushalten der Ministerien lediglich festgehalten, was innerhalb eines Jahres an Geld eingegangen ist und was dem gegenüber verausgabt wurde.
Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte ermittelten nun erstmals auf Basis verbreiteter Methoden den Wert des Bundesvermögens. Stichtag war der 31. Dezember 2004. Zu den berücksichtigten Aktiva gehörten Grundstücke, Gebäude, Bundesautobahnen und das Schienennetz der Deutschen Bahn AG. Für die Flächen des Bundes, die etwa vier Prozent des Staatsgebiets ausmachen, errechnete Deloitte laut FTD einen Wert von 137 Milliarden Euro. Der Wert der rund 1.100 Gebäude – darunter die Bundesministerien in Berlin – wird auf 22,5 Milliarden Euro taxiert. Die öffentliche Infrastruktur (Autobahnen, Schienennetz, Bundeswasserwege) hat Deloitte mit 161 Milliarden Euro angesetzt.
Hohe Rückstellungen für die Altersvorsorge
Auf der Seite der Passiva – die Schulden und langfristigen Verpflichtungen – des Bundes nennt Deloitte laut Financial Times Deutschland weitaus höhere Summen. Mit 824,1 Milliarden Euro wird die Bundesschuld (Ende 2004) beziffert. Enorm hoch sind auch die Rückstellungen für die Altersvorsorge. Allein die Pensionsrückstellungen für die Beamten sollen sich auf 281 Milliarden Euro belaufen. Der Posten sonstige Rückstellungen für künftige Bundeszuschüsse an die gesetzliche Rentenversicherung wird mit 737 Milliarden beziffert.
Im Vergleich keine schlechte Quote
„Die Bilanz zeigt uns, wie stark unsere künftigen Einnahmen heute schon durch langfristige Verpflichtungen gebunden sind", so Thomas Northoff, geschäftsführender Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte gegenüber der FTD. „Es ist daher dringend an der Zeit, dass wir unsere Schulden rascher tilgen, damit wir unsere Einnahmen zukunftsgerichteter ausgeben können." Trotz der enormen Unterdeckung von 1.300 Milliarden Euro gebe es jedoch „keinen Grund, die Zukunft rabenschwarz zu sehen".
Im internationalen Vergleich stehe Deutschland noch einigermaßen gut da. Während der Bund etwa 31 Prozent seiner Schulden durch Vermögen decken könne, liege die Quote in den USA lediglich bei nur 15 Prozent.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte will die Bundesbilanz mit allen Details Mitte September 2006 veröffentlichen.



