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Bystander-Effekt: Wenn im Notfall die Hilfe ausbleibt
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Leben & Lifestyle

Bystander-Effekt: Wenn im Notfall die Hilfe ausbleibt

Was das bedeutet, erlebte am 23. Dezember 2016 ein Mann in Düsseldorf: Der 49-Jährige Ralf Kramer erlitt auf einer belebten Straße plötzlich einen Schlaganfall und brach mit angeschlagenem Kopf bewusstlos zusammen. Gerade bei einem solchen Hirnschlag zählt jede Minute, denn je schneller der Betroffene Hilfe bekommt,…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

thinkstock.com, KatarzynaBialasiewicz

Zwei Fälle – von vielen

Was das bedeutet, erlebte am 23. Dezember 2016 ein Mann in Düsseldorf: Der 49-Jährige Ralf Kramer erlitt auf einer belebten Straße plötzlich einen Schlaganfall und brach mit angeschlagenem Kopf bewusstlos zusammen. Gerade bei einem solchen Hirnschlag zählt jede Minute, denn je schneller der Betroffene Hilfe bekommt, desto höher ist die Chance, dass er ohne schwerwiegende Spätfolgen davonkommt.

Doch Kramer hatte zunächst kein Glück: 25 Passanten liefen an ihm vorüber, ohne sich zu kümmern. Sie halfen nicht und verständigten nicht einmal den Notarzt. Erst nach einer guten Viertelstunde hielt ein Radfahrer an und rief einen Rettungswagen. Die Hilfe kam gerade noch rechtzeitig, Kramer überlebte, wenn auch vorerst mit einer Lähmung im Arm.

Weniger glimpflich ging im Oktober 2016 ein Fall in Essen aus. Dabei war ein Rentner im Vorraum einer Bank zusammengebrochen. Obwohl mehrere Kunden den Raum betraten und wieder verließen, blieb der im Sterben liegende Mann 20 Minuten auf dem Boden liegen, ohne dass Hilfe kam. Als dann doch noch der Notarzt abgerufen wurde, kam er zu spät: Der Mann starb wenige Tage später im Krankenhaus.

Nicht bemerkt, falsch interpretiert

Aber warum wird solchen Menschen nicht geholfen? Was hält die Passanten davon ab? Seit mehr als 50 Jahren erforschen Psychologen nun dieses Phänomen. Bekannt wurde es als Genovese-Syndrom. Genovese ist der Name einer 28-jährigen US-Amerikanerin, die 1964 vor ihrem Haus in New York City erstochen wurde. Knapp 40 potenzielle Zeugen gab es. Keiner griff wirksam ein.

Die Gründe dafür führen Psychologen auf mehrere Effekte zurück. Zum einen muss ein Passant die Situation erst einmal erkennen. Viele Menschen sind heute so sehr mit ihrem Handy und mit sich beschäftigt, dass sie den Notleidenden nicht einmal bewusst registrieren. Auch Zeitdruck spielt eine wichtige Rolle: Menschen die unter Zeitdruck stehen, sind weniger hilfsbereit, wie Studien belegen. Außerdem wird gerade in der Großstadt die Situation oft falsch eingeschätzt: Man glaubt, bloß einen schlafenden Betrunkenen oder Obdachlosen zu sehen.

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