Déjà-vu-Erlebnisse – Geheimbotschaft aus dem Jenseits oder Gedächtnis-Fehler?
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Déjà-vu-Erlebnisse – Geheimbotschaft aus dem Jenseits oder Gedächtnis-Fehler?

Bild: Foto: Basile Morin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Déja-vu-Erlebnisse sind verblüffend und ein wenig unheimlich. Bis heute ist nicht sicher geklärt, warum wir Déjà-vu-Erlebnisse haben.

Was sind Déjà-vus überhaupt?

Fast alle Menschen kennen Déjà-vu -Erlebnisse: Man steckt mitten in einer völlig neuen Situation, und trotzdem wähnt man für Sekundenbruchteile, dies alles genau zu kennen, dies schon einmal erlebt zu haben (der französische Ausdruck déjà-vu bedeutet wörtlich: schon gesehen). Manchmal reicht schon ein gehörter Satzfetzen oder ein flüchtiger Blick auf irgendein Muster, um das Gefühl des Irgendwie-Vertraut-Seins, des Wieder-Erkennens aufkommen zu lassen.

Déjà-vu-Erlebnisse unterscheiden sich von normalen Erinnerungen: Erstens weiß man ganz genau, dass die Vertrautheit mit der gerade erlebten Situation nicht wirklich echt sein kann. Zweitens kann man bei einem Déjà-vu-Gefühl nie genau sagen, wann und wo man dieselbe Situation schon einmal erlebt haben will. Drittens verflüchtigt sich das Gefühl der Vertrautheit auch schnell wieder – nach wenigen Sekunden, spätestens nach einer Minute, ist der Spuk vorbei.

Und noch etwas Geheimnisvolles unterscheidet ein Déjà-vu-Erlebnis von einer normalen Erinnerung: Während des Déjà-vus vermeint man häufig, den weiteren Lauf der Dinge vorhersagen zu können – zumindest für die nächsten Bruchteile von Sekunden.

Gibt es verschiedene Déjà-vus?

Vernon M. Neppe, Seelenkundler am südafrikanischen Pacific Neuropsychiatric Institute, schlägt vor, die Déjà-vu-Erlebnisse nach ihrer Qualität zu unterscheiden:

Neben dem Déjà-vu-Gefühl gibt es auch das Déjà-entendu (schon gehört), das Déjà-revé (schon geträumt), das Déjà-fait (schon getan), das Déjà-pensé (schon gedacht), das Déjà-senti (schon gefühlt), das Déjà-dit (schon gesagt), das Déjà-gouté (schon geschmeckt) und das Déjà-visité (schon besucht).

Kennen alle Menschen das Déjà-vu-Phänomen?

70 bis 80 Prozent aller Menschen haben schon Déjà-vu-Erlebnisse gehabt. Dabei spielt der Kulturkreis keine Rolle: Das plötzliche Gefühl, Unbekanntes schon längst zu kennen, erfahren Menschen auf der ganzen Welt.

Eine Studie zur Häufigkeit dieses Phänomens stammt von Kei Ito von der britischen University of Buckingham: Er hat herausgefunden, dass rund zwei Drittel aller Déjà-vu-erfahrenen Personen auch das Gefühl kennen, in diesem Moment in die Zukunft schauen zu können.

Gibt es Menschen, die eher Déjà-vus haben als andere?

Jüngere Menschen machen häufiger Déjà-vu-Erfahrungen als ältere Personen, Gebildete häufiger als Ungebildete. Ein Unterschied zwischen Männern und Frauen besteht nicht: Beide Geschlechter empfinden das Schon-erlebt-Gefühl gleich oft.

Besonders gerne treten die Vertrautheitsgefühle mit dem Unbekannten auf, wenn die betreffende Person übermüdet, Stress ausgesetzt oder erkrankt ist.

Vorübergehende Störung oder Wunschvorstellung?

Sind Menschen mit Déjà-vu-Erfahrungen seelisch krank?

Nein, Gesunde wie Kranke kennen gleichermaßen das spontan auftretende Gefühl, eine neue Situation schon genau zu kennen. Allerdings stammen viele Untersuchungen zu den Déjà-vu-Gefühlen aus der Psychiatrie. Daher wird dieses Phänomen in der Fachliteratur oft im Zusammenhang mit Epilepsie, Schizophrenie oder mit Gehirnschädigungen behandelt.

Haben Déjà-vu-Erlebnisse etwas mit Träumen zu tun?

Häufig erzählen Personen im Nachhinein, mit der Situation deshalb vertraut gewesen zu sein, weil sie sie zuvor schon einmal im Traum erlebt hätten. Dieses Bekanntheitsgefühl wird auch als déjà-revé – französisch für schon geträumt – bezeichnet. Etwa 75 Prozent aller Déjà-vu-Erfahrenen berichten von diesem speziellen Typ von Erlebnis, wie der Japaner Kei Ito herausfand.

Eine Studie aus den 1960er Jahren konnte tatsächlich einen statistischen Zusammenhang zwischen Déjà-vus und Träumen feststellen: Personen, die von sich selbst behaupteten, dass sie nicht träumten, kannten angeblich auch keine Déjà-vu-Erlebnisse. Allerdings beweist dieser Zusammenhang nicht, dass die Vertrautheitsgefühle tatsächlich aus nächtlichen Träumen entstehen. Denn jeder Mensch träumt, manche erinnern sich bloß nicht an die nächtlichen Geistes-Abenteuer.

Sind Déjà-vu-Erlebnisse übernatürlich?

Der in Bern lebende Parapsychologe Art Funkhouser glaubt, beim Déjà-vu handele es sich um ein Bild, das zuvor schon mit dem zweiten Gesicht geschaut worden sei (“Präkognition”). Andere meinen, es sei eine Episode aus ihrem früheren Leben. Manche spekulieren sogar, dass ein Déjà-vu durch telepathische Gedankenübertragung zustande komme. Beweisen lässt sich dies naturgemäß nicht.

Parapsychologische Erklärungen waren die ersten neuzeitlichen Theorien, die zu dieser Empfindung auftauchten. Doch schon in der späten Antike war das Phänomen bekannt, und zwar unter dem Begriff der “falschen Erinnerung”, der auf Aurelius Augustinus zurückgeht. Viel später, 1896, prägte der Franzose F. L. Arnaud den Ausdruck Déjà-vu. Erst als die psychologische Forschung richtig Fuß gefasst hatte – Mitte des vergangenen Jahrhunderts – entstanden auch erste wissenschaftliche Theorien.

Wie entsteht ein Déjà-vu-Eindruck?

Wie Déjà-vu-Erlebnisse zustande kommen, ist bis heute ungeklärt. Jeder Psychoanalytiker und jede Psychologin, die sich damit beschäftigte, hat eine eigene Theorie dazu entwickelt. Bewiesen wurde bislang keine.

Die Psychologie nimmt an, dass es sich beim Déjà-vu schlicht um eine vorübergehende Störung handelt, und zwar entweder um eine des Gedächtnisses oder der Zeitempfindung, der Aufmerksamkeit oder der Wahrnehmung.

Die Psychoanalyse hingegen vermutet Symbolhaftes: Siegmund Freud beispielsweise glaubte, ein Déjà-vu-Erlebnis sei eine unbewusste Erfüllung von Wunschvorstellungen und diene gleichzeitig der Angstabwehr.

An ein funktionsgestörtes Areal im Gehirn glauben Neurobiologen: Patienten, deren epileptische Anfälle im Schläfenlappen beginnen, berichten oft von Déjà-vu-Erlebnissen.

Was ist der neueste Kenntnisstand der Forschung?

Axel Mecklinger vom psychologischen Institut der Universität Saarland stellte fest, dass beim Wiedererkennen von Bekanntem, also beim richtigen Erinnern, nach 500 Millisekunden die Innenseite des Schläfenlappens aktiv wird. Das ist nicht erstaunlich, denn diese Hirnregion (der Hippocampus) spielt eine große Rolle bei der Gedächtnisarbeit.

Verblüffend ist das Studien-Ergebnis beim falschen Erinnern: Wurde etwas Neues fälschlicherweise für etwas Altes gehalten – wie beim Déjà-vu-Erlebnis auch – dann tut sich im Hippocampus nichts. Dieses Areal bleibt dann stumm. Und zwar zu recht: Schließlich hat man die Situation, in der ein Déjà-vu-Erlebnis auftaucht, noch nie zuvor durchlebt.

Doch wie kommt dann das Gefühl der Vertrautheit zustande? Auch hier konnte Mecklingers Versuch eine vage Antwort finden. Denn bevor der Hippocampus auf einen Gedächtnis-Inhalt befragt wird, wurden bereits andere Hirnbereiche aktiviert: Schon nach knapp 300 Millisekunden unterscheiden sich Hirnströme für vorher Benanntes von solchen für Neues. Und genau bei dieser frühen Unterscheidung zwischen Alt und Neu läuft beim Déjà-vu-Erlebnis etwas falsch: Das eigentlich Neue wird als Altes klassifiziert, es entsteht das Gefühl der “illusionären Vertrautheit”, erklärt Mecklinger.

Site des Pacific Neuropsychiatric Institute (englisch)

Ausführliche Informationen zu Déjà-vu-Erlebnissen
http://www.pni.org/research/anomalous/deja/

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