Die DDR als sinnliches Erlebnis
Wer seine fünf Sinne beisammen hatte, ob als Bewohner oder Besucher der DDR, konnte was erleben. Sehen konnte er die vielen Artikel aus Plaste und Elaste, hören die Amiga-Schallplatten, riechen musste er das Zweitakter-Gemisch aus Benzin und Öl, schmecken durfte er den Rotkäppchen-Sekt und fühlen, wenn erlaubt, einen Dederon-Strumpf, hergestellt aus einer Kunstfaser, die nicht Perlon heißen durfte. 44 Jahre DDR haben ihre Spuren hinterlassen.
Gezeigt wird eine vergnügliche Reise in die Vergangenheit des DDR-Alltags. Mit dem legendären Stapelgeschirr “Rationell” besucht man beispielsweise das “C“ aus der Colditzer Porzellanfabrik, den Gästen der Mitropa-Speisewagen nicht unbekannt. Weiter geht’s zu “D“ mit dem Diamant-Fahrrad, mit dem Millionen Schüler zum Unterricht radelten. Zu “E“ gibt es mehrere Modelle der berühmten Erika-Schreibmaschinen zu besichtigen und zum Buchstaben “F“ wird an die Hautcremes von Florena erinnert, der Nivea-Marke nachempfunden und noch heute auf dem Markt. Der Heiko-Schulfüller zu “H“ ist allerdings nicht mehr zu haben.
Wohlklingende Namen
Mit “Ines rechtfertigt Ihr Vertrauen” warb 1968 der Volkseigene Betrieb Fernsehgerätewerk Friedrich Engels in Stassfurt bei Magdeburg für den ersten implosionsgeschützten DDR-Fernseher. Yvette diente der Intim-Pflege der Frau. Piko hieß ein weit verbreitetes Kinderspielzeug – und Trolli der Rasenmäher im Arbeiter- und Bauernstaat. Zur DDR-Warenwelt gehörten auch die beiden Markennamen Malimo (Textil) und Rondo (Bohnenkaffee).
Der DDR-Bürger rauchte eine Juwel oder F6, trank einen Nordhäuser Korn und sah den “Schwarzen Kanal” mit Karl Eduard von Schnitzler. Dieses Klischee-Bild stimmt natürlich nicht so ganz. Er sah viel lieber West-Fernsehen, wenn er konnte (in Dresden leider auf Grund mangelnder Reichweite der West-Sender unmöglich). Während der DDR-Mann den “Trabbi” (Trabant) putzte oder sich in seine Wolypryla-Kunstfaserwolldecke wickelte, bediente die DDR-Frau ihre Veritas-Nähmaschine oder schob den Zekiwa-Kinderwagen auf die Datscha-Terrasse. Im Land der Abkürzungen hieß Zekiwa einfach nach dem Hersteller, dem Zeitzer Kinderwagen-Werk.
Ausstellung gegen das Vergessen
Findige Kulturschaffende gründeten bereits 1993 einen Verein und eröffneten im November 1999 in einer ehemaligen Kinderkrippe das “Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR”. Das Ziel: Erinnerung an den vergangenen DDR-Alltag, nachdem zur Wendezeit die Waren aus der Bundesrepublik die Produkte der DDR schnell fast völlig vom Markt verdrängten. Heute erinnert das Dokumentationszentrum mit inzwischen etwa 50.000 zusammengetragenen Objekten aus privaten Haushalten, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen an den Alltag in der DDR. Die Ausstellung “abc des Ostens” ist ab 27. März 2004 in Eisenhüttenstadt zu sehen.



