Das ABC des Ostens: Eine Ausstellung in Eisenhüttenstadt
Leben & Lifestyle

Das ABC des Ostens: Eine Ausstellung in Eisenhüttenstadt

Bild: Foto: Amrei-Marie, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gegenstände des Alltäglichen belegen die Warenkultur der DDR und vermitteln Einblicke in Geschichte und Gebrauch der Dinge: So wirbt das “Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR” im Brandenburger Eisenhüttenstadt für eine Ausstellung, in der zurückgeblickt wird auf den Ost-Haushalt, Ost-Geräte und Ost-Design. Teils beachtliche Leistungen im Industriedesign gibt es hier zu sehen, oft skurrile Geschichten zu hören, immer Vergangenheit zu fühlen. Von “A“ wie Alfi-Aluminium bis “Z“ wie Zekiwa-Kinderwagen wird die Produktpalette augenzwinkernd durchbuchstabiert. Das ist also alles noch gar nicht so lange her, und doch schon sehr fern, ja museumsreif.

Die DDR als sinnliches Erlebnis

Wer seine fünf Sinne beisammen hatte, ob als Bewohner oder Besucher der DDR, konnte was erleben. Sehen konnte er die vielen Artikel aus Plaste und Elaste, hören die Amiga-Schallplatten, riechen musste er das Zweitakter-Gemisch aus Benzin und Öl, schmecken durfte er den Rotkäppchen-Sekt und fühlen, wenn erlaubt, einen Dederon-Strumpf, hergestellt aus einer Kunstfaser, die nicht Perlon heißen durfte. 44 Jahre DDR haben ihre Spuren hinterlassen.

Gezeigt wird eine vergnügliche Reise in die Vergangenheit des DDR-Alltags. Mit dem legendären Stapelgeschirr “Rationell” besucht man beispielsweise das “C“ aus der Colditzer Porzellanfabrik, den Gästen der Mitropa-Speisewagen nicht unbekannt. Weiter geht’s zu “D“ mit dem Diamant-Fahrrad, mit dem Millionen Schüler zum Unterricht radelten. Zu “E“ gibt es mehrere Modelle der berühmten Erika-Schreibmaschinen zu besichtigen und zum Buchstaben “F“ wird an die Hautcremes von Florena erinnert, der Nivea-Marke nachempfunden und noch heute auf dem Markt. Der Heiko-Schulfüller zu “H“ ist allerdings nicht mehr zu haben.

Wohlklingende Namen

Mit “Ines rechtfertigt Ihr Vertrauen” warb 1968 der Volkseigene Betrieb Fernsehgerätewerk Friedrich Engels in Stassfurt bei Magdeburg für den ersten implosionsgeschützten DDR-Fernseher. Yvette diente der Intim-Pflege der Frau. Piko hieß ein weit verbreitetes Kinderspielzeug – und Trolli der Rasenmäher im Arbeiter- und Bauernstaat. Zur DDR-Warenwelt gehörten auch die beiden Markennamen Malimo (Textil) und Rondo (Bohnenkaffee).

Der DDR-Bürger rauchte eine Juwel oder F6, trank einen Nordhäuser Korn und sah den “Schwarzen Kanal” mit Karl Eduard von Schnitzler. Dieses Klischee-Bild stimmt natürlich nicht so ganz. Er sah viel lieber West-Fernsehen, wenn er konnte (in Dresden leider auf Grund mangelnder Reichweite der West-Sender unmöglich). Während der DDR-Mann den “Trabbi” (Trabant) putzte oder sich in seine Wolypryla-Kunstfaserwolldecke wickelte, bediente die DDR-Frau ihre Veritas-Nähmaschine oder schob den Zekiwa-Kinderwagen auf die Datscha-Terrasse. Im Land der Abkürzungen hieß Zekiwa einfach nach dem Hersteller, dem Zeitzer Kinderwagen-Werk.

Ausstellung gegen das Vergessen

Findige Kulturschaffende gründeten bereits 1993 einen Verein und eröffneten im November 1999 in einer ehemaligen Kinderkrippe das “Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR”. Das Ziel: Erinnerung an den vergangenen DDR-Alltag, nachdem zur Wendezeit die Waren aus der Bundesrepublik die Produkte der DDR schnell fast völlig vom Markt verdrängten. Heute erinnert das Dokumentationszentrum mit inzwischen etwa 50.000 zusammengetragenen Objekten aus privaten Haushalten, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen an den Alltag in der DDR. Die Ausstellung “abc des Ostens” ist ab 27. März 2004 in Eisenhüttenstadt zu sehen.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite