24. Februar 1920: Hitler verkündet Parteiprogramm der NSDAP
Lärm, Stimmengewirr und saurer Bierdunst in der Luft: Im Festsaal des Münchener Hofbräuhauses hält die rechtsgerichtete Deutsche Arbeiterpartei (DAP) ihre erste große Versammlung ab. Sitzungsleiter Adolf Hitler stellt den rund 2.000 Besuchern der Veranstaltung das neue 25-Punkte-Programm der Partei vor. Zuvor war der als Antisemit bekannte Arzt Johannes Dingfelder als Redner aufgetreten. Das Programm der DAP, die sich am 24. Februar 1920 in dieser Sitzung in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenennt, enthält nationale und sozialrevolutionäre Forderungen auf der Grundlage einer völkisch-antisemitischen "Weltanschauung". Erarbeitet wurde es von den DAP-Gründern Anton Drexler, Karl Harrer sowie von Adolf Hitler.
Parteiprogramm: Antisemitische Ausrichtung
Gefordert wird die Befreiung von den "Fesseln des Versailler Diktats", der "Anschluss" Österreichs und insgesamt die Wiederherstellung der deutschen Großmachtstellung. In diesem neuen Staat, der nach Vorstellungen Hitlers und seiner Parteigenossen die deutsche Volksgemeinschaft verkörpern soll, würde Juden laut 4. Programmpunkt die Staatsbürgerschaft aberkannt. Denn: "Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein." Mit der Hetze gegen das "jüdische Finanzkapital" soll die antikapitalistische Haltung der Arbeiterschaft in eine antisemitische Richtung gelenkt werden. Die wirtschaftspolitischen Forderungen der Partei - so z. B. "Brechung der Zinsknechtschaft", Vergesellschaftung von Großbetrieben und Kampf gegen den Wucher - bleiben dabei durchweg verschwommen.
Die Nationalsozialisten wenden sich im Gegensatz zu den anderen Parteien gegen die Weimarer Republik, die sie wegen ihrer angeblich "korrumpierenden Parlamentswirtschaft" prinzipiell ablehnen. Von Angehörigen rechtsstehender Gruppen war die Deutsche Arbeiterpartei am 5. Januar 1919 in München als "judenreine" Partei gegründet worden. Erster Vorsitzender war zunächst der Journalist Karl Harrer, durch den völkisch-antisemitisches und antibolschewistisches Gedankengut der Thule-Gesellschaft in die DAP Eingang fand. Auf Betreiben Hitlers übernahm am 5. Januar 1920 Drexler den Vorsitz.
Die Anhänger und Mitglieder der NSDAP
Noch ist die DAP nicht viel mehr als ein locker geführter politischer Debattierklub mit ungefähr 150 bis 200 Mitgliedern aus Arbeiter- und Handwerkerkreisen. Unterschiedliche Ideen stehen widersprüchlich nebeneinander: Die sozialrevolutionären Ziele von Gottfried Feder, die völkischen Ideen Dietrich Eckarts und die sozialistisch orientierten Forderungen von Rudolf Heß, Ernst Röhm und Alfred Rosenberg. Eine neue Entwicklung begann mit dem Eintritt Hitlers am 19. September 1919, der als Schulungsredner der Münchener Reichswehrführung auf die DAP aufmerksam geworden war. Da er mit seinem Rednertalent offensichtlich die Parteimitglieder begeistert und der unbekannten DAP große Resonanz verschafft, erhielt er am 5. Januar den Posten des Propagandaleiters der Partei.
Besonders auf ehemalige Frontsoldaten, denen die Wiedereingliederung in das bürgerliche Leben misslingt, übt die nationalsozialistische "Bewegung" eine hohe Anziehungskraft aus. Aber auch bürgerliche Mittelschichten, die durch den Weltkrieg und die Inflation ihre ökonomische Sicherheit verloren haben, sind unter den Anhängern der NSDAP anzutreffen.
In der Folgezeit gelingt es Hitler, die DAP (ab März NSDAP) unter seine Führung zu bringen und straff zu organisieren - mit fatalen Folgen.


