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Das Ende der DDR
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Das Ende der DDR

Ost-Berlin. Zu einem bizarren Schauspiel geraten die Feierlichkeiten zum 40. Gründungstag der DDR. Während die alte Führungsriege unter Staats- und Parteichef Erich Honecker Militärparaden und Aufmärsche abnimmt, als sei nichts geschehen, verleiht die Bevölkerung ihren Forderungen nach Veränderungen in einer…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle

Was geschah vom 1. bis zum 8. Oktober 1989?

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Ost-Berlin. Zu einem bizarren Schauspiel geraten die Feierlichkeiten zum 40. Gründungstag der DDR. Während die alte Führungsriege unter Staats- und Parteichef Erich Honecker Militärparaden und Aufmärsche abnimmt, als sei nichts geschehen, verleiht die Bevölkerung ihren Forderungen nach Veränderungen in einer Demonstrationswelle Ausdruck, die das ganze Land erfasst.

Die »Süddeutsche Zeitung« kommentiert weitsichtig: »Ein Jubelfest hätte die Vierzigjahrfeier der DDR werden sollen, doch sie wurde etwas anderes: fast ein Requiem.«

Die offiziellen Feiern begannen am Abend des 4. Oktober mit einem Großen Zapfenstreich am Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Ost-Berlin. Am 5. Oktober folgten Kranzniederlegungen an mehreren Gedenkstätten, einen Tag später ein Festakt im Palast der Republik mit anschließendem Fackelzug der SED-Jugendorganisation. Den Abschluss der Jubiläumsfeiern bilden am 7. Oktober eine Militärparade in Ost-Berlin und Volksfeste im ganzen Land.

Ihre Entschlossenheit, die Feierlichkeiten keinesfalls stören zu lassen, stellten die DDR-Behörden am 5. Oktober unter Beweis, indem sie die Grenzen innerhalb Berlins fast vollständig schlossen. Mehreren 1000 Bundesbürgern, Westberlinern und Touristen aus dem westlichen Ausland wird die Einreise in die DDR verweigert.

Einen unbequemen Gast kann Honecker indes nicht aussperren, den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, dessen Reformpolitik bei der DDR-Führung bislang auf taube Ohren stieß. Gorbatschows Jubiläumsrede löst allerdings Enttäuschung aus. Der Gast aus Moskau berichtet über das »neue Denken« in seinem Land, mahnt aber mit keinem Wort die Genossen in der DDR zum Umdenken. Er äußert vielmehr die Überzeugung, dass die SED imstande sei, die anstehenden Probleme selbst zu lösen.

Abseits des offiziellen Geschehens wird Gorbatschow deutlicher. Auf die Frage eines Journalisten, ob die jetzige Lage in der DDR gefährlich sei, antwortet er: »Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.« Inoffiziell fällt, an die Adresse Honeckers gerichtet, sein berühmter Satz: »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.«

Der SED-Chef zeigt sich unbeeindruckt. Er rühmt in seiner Jubiläumsrede die Errungenschaften der DDR und macht keinerlei Andeutungen, dass es in Zukunft Veränderungen der bisherigen Politik geben werde. Auf die Protestwelle und die Massenausreise aus der DDR geht er nur indirekt ein: »Die zügellose Verleumdungskampagne, die derzeit, international koordiniert, gegen die DDR geführt wird, zielt darauf ab, Menschen zu verwirren und Zweifel in die Kraft und die Vorzüge des Sozialismus zu säen«.

Unterdessen versammeln sich in Ost-Berlin, Dresden, Leipzig, Potsdam, Plauen und Jena Tausende von Menschen zu Protestdemonstrationen. Überall gehen die Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken, z.T. auch mit Wasserwerfern gegen die friedlichen Demonstranten vor. Rund 1000 Personen werden festgenommen.

Westliche Journalisten und Fernsehteams, die von den Kundgebungen berichten wollen, werden an der Arbeit gehindert. Am 8. Oktober müssen etliche Journalisten die DDR verlassen; einige Bereiche von Ost-Berlin werden zum »polizeilichen Einsatzgebiet« erklärt und für Pressevertreter gesperrt. Die DDR-Nachrichtenagentur ADN berichtet über die »Randalierer«: »Im Zusammenspiel mit westlichen Medien rotteten sie sich am Alexanderplatz zusammen und riefen republikfeindliche Parolen. Der Besonnenheit der Schutz- und Sicherheitsorgane ist es zu verdanken, dass beabsichtigte Provokationen nicht zur Entfaltung kamen.«

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