Das Ende einer Kaiser-Ära
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Das Ende einer Kaiser-Ära

Bild: Foto: © Geolina, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

State Department photo by William Ng / Public Domain (l.); Michel Temer via flickr / CC BY 2.0

State Department photo by William Ng / Public Domain (l.); Michel Temer via flickr / CC BY 2.0

Ein "Tenno" bleibt bis zu seinem Tod im Amt, so gibt es die Tradition vor – und die reicht weit in die Vergangenheit zurück. Japans Kaiserhaus ist nach eigenen Angaben die älteste Dynastie der Welt und hat seine Ursprünge im Jahr 660 vor Christus. Der mythologischen Überlieferung zufolge soll die Sonnengöttin Amaterasu damals ihrem Urururenkel Jimmu die drei heiligen Reichsinsignien überreicht haben.

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Seitdem werden der Bronzespiegel, das Schwert und die Yasaka-Juwelen in niemals unterbrochener Erbfolge von Vater zu Sohn weitergegeben. Über sie und das Wohl des Volkes haben die Throninhaber bis zu ihrem Lebensende zu wachen.

Akihito hatte bereits im Sommer 2016 in einer Ansprache indirekt angedeutet, dass er angesichts seiner nachlassenden Kräfte an eine vorzeitige Abdankung denke. Um ihm dies zu ermöglichen, beschloss das Parlament schließlich ein Sondergesetz. Dieses gilt nur für den jetzigen Kaiser und erlaubt ihm, noch vor seinem Tod den Chrysanthementhron für einen Nachfolger freizumachen.

Das Zeitalter Heisei

Mit dem Rücktritt von Akihito endet für die Japaner eine Ära. Konkret: die Kaiser-Ära Heisei, was so viel wie "Friede überall" bedeutet. Diese Epoche begann mit der Thronbesteigung Akihitos im Jahr 1989, eine Zeit der weltpolitischen Umbrüche. Seitdem hat der 1933 geborene Sohn von Kaiser Hirohito, der als Kind Zeuge der Bombardierung Tokios und des vollständigen militärischen Zusammenbruchs des Japanischen Kaiserreichs wurde, 17 Premierminister kommen und gehen sehen.

Er, der laut Verfassung nicht politisch aktiv werden darf und ein zurückgezogenes Leben führt, machte es der Regierung trotzdem nicht immer leicht und war seinem Volk in entscheidenden Momenten eine wichtige Stütze. So begab sich Kaiser Akihito etwa nach Naturkatastrophen zu den Bürgern und kniete gemeinsam mit ihnen auf dem Fußboden.

Trost nach dem Tsunami

Nur wenige Tage nach dem verheerenden Tsunami im März 2011 wandte er sich in einer Fernsehansprache mit tröstlichen Worten an sein Volk – ein Novum in der Geschichte der japanischen Kaiser und fast so sensationell wie die Radioansprache seines Vaters zur Kapitulation Japans 1945, mit der erstmals überhaupt ein "Tenno" direkt zu seinen Untertanen sprach.

Auch in Auslandsangelegenheiten zeigte Akihito Rückgrat: Er war der erste Kaiser, der sich bei Chinesen und Koreanern persönlich für die Grausamkeiten Japans in Krieg und Kolonialherrschaft entschuldigte. Entgegen dem vorherrschenden politischen Trend hielt er stets am Pazifismus der Nachkriegsverfassung fest.

内閣官房内閣広報室 - 首相官邸ホームページ / CC BY 4.0

In der Bevölkerung genießt Akihito mehrheitlich ein hohes Ansehen. Seine Verabschiedung vom Thron ist ein großes gesellschaftliches Ereignis – ebenso wie die Thronbesteigung seines 59-jährigen Sohnes am Tag darauf. Doch damit ist das Kaiserwechselzeremoniell noch nicht abgeschlossen. Erst am 22.Oktober findet die offizielle Amtseinführung Naruhitos statt, zu der Hunderte Gäste aus aller Welt erwartet werden.

Dann beginnt für die Japaner endgültig ein neues Zeitalter im kaiserlichen Kalender: Für die Kaiser-Ära Naruhitos wurde der Name Reiwa gewählt – zu Deutsch etwa "eine gute, harmonische, friedliche Zeit". Für die Bevölkerung ist dies nicht irgendein abstrakter Begriff. Stattdessen wird er im Alltag aktiv verwendet werden.

Bei offiziellen Dokumenten etwa ist es noch immer üblich, anstatt der Jahreszahl des gregorianischen Kalenders die traditionelle Version nach kaiserlicher Zeitrechnung zu nutzen. Für die Reiwa-Ära mussten daher Milliarden neuer Formulare gedruckt werden und auch die Computer brauchten ein Update.

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