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Das Leben nach dem Tod: Wer glaubt was?
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Leben & Lifestyle

Das Leben nach dem Tod: Wer glaubt was?

Christen glauben an die Auferstehung nach dem Tod und hoffen auf ein ewiges Leben bei Gott. Denn laut der Bibel starb auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, nicht nach seiner Kreuzigung. Stattdessen nahm er die Sünden aller Menschen auf sich und wurde drei Tage nach seinem Tod von Gott auferweckt – als Zeichen seiner…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

Piero della Francesca, 1463

Christen glauben an die Auferstehung nach dem Tod und hoffen auf ein ewiges Leben bei Gott. Denn laut der Bibel starb auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, nicht nach seiner Kreuzigung. Stattdessen nahm er die Sünden aller Menschen auf sich und wurde drei Tage nach seinem Tod von Gott auferweckt – als Zeichen seiner Unschuld und seiner Liebe zu Gott. Diese Auferstehung feiern die Christen bis heute an Ostersonntag, um den Neubeginn des Lebens nach dem Tod wertzuschätzen.

Jeder sucht nach einer Antwort

Und die Christen sind nicht alleine: Auch Gläubige anderer Religionen suchen eine Antwort darauf, was nach dem Tod kommt. Was genau sie glauben, hat Perry Schmidt-Leukel von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster untersucht. Dazu verglich er die heiligen Schriften der fünf Weltreligionen – dem Christentum, dem Judentum, dem Islam, dem Buddhismus und dem Hinduismus.

„Auch Juden, Muslime, Hindus und Buddhisten haben vielfältige Jenseits-Vorstellungen entwickelt – als Antwort auf die große Menschheitsfrage: Kommt etwas nach dem Tod?“, erklärt Schmidt-Leukel. Die Auffassungen vom Jenseits haben bei den verschiedenen Religionen sogar ähnliche Züge.

Friedliches Leben nach dem Tod

Wie die Christen glauben auch Juden und Muslime an ein Leben nach dem Tod, das ihnen Frieden und Geborgenheit sowie Ruhe durch ihren Gott bringt. „Tod und Leid gibt es hier nicht mehr“, so Schmidt-Leukel. Im Judentum glauben manche aber daran, dass die Gläubigen nach dem Tod zunächst in eine Schattenwelt aufgenommen werden, aus der sie dann von Gott befreit werden.

Vergleicht man die Bibel, das heilige Buch der Christen, mit dem Koran, der muslimischen Schrift, fällt sogar auf, dass in beiden Religionen beim Jenseits von einer einladenden Landschaft, einem „ewigem Gastmahl“, gesprochen wird. Im Koran wird dabei das Bild eines erfrischenden Gartens dargestellt, im Neuen Testament eine „goldenen Stadt“. Und auch in der Thora der Juden wird mit einem ansehnlichen Mahl versinnbildlicht, das die Gläubigen nach dem Tod bei Gott erwartet. In allen drei Religionen entwickelte sich zudem im Laufe der Zeit der Glaube an eine Höllenwelt als Gegenteil zum Reich Gottes.

Buddhismus und Hinduismus ähnlich

„Auch Religionen wie der Buddhismus und Hinduismus, die nicht an einen persönlichen Schöpfergott glauben, erwarten ein Weiterleben nach dem Tod und zwar in Form der Wiedergeburt“, erklärt der Experte. Demnach gibt es Überlappungen des Wiedergeburtsglaubens und der Vorstellung von Himmel- und Höllenwelten des Judentums, Christentums und Islams.

Auch im Buddhismus und Hinduismus gibt es die Idee der Wiedergeburt in Himmelswelten. Allerdings bleibt man dort nicht ewig, sondern lebt danach in einer neuen Welt weiter. Wer gut gelebt hat, wird eine gute Wiedergeburt erfahren und wer moralisch schlecht gelebt hat, der erfährt eine schlechte und wird etwa zum Gespenst und landet in einer der Höllenwelten. Geregelt wird diese Entscheidung nicht wie bei den Christen durch Gott, sondern durch ein Gesetz – das Karma. „Zur Reinkarnation gehört, dass man als Tier oder Gespenst, aber auch als Höllen- oder Himmelsbewohner wiedergeboren wird“, erklärt Schmidt-Leukel.

Doch selbst diejenigen, die nach dem Buddhismus und Hinduismus in die Hölle kommen, werden später – anders als bei den drei anderen Weltreligionen - in einer anderen Existenz wiedergeboren. Ziel ist es jedoch, das Nirvana zu erreichen – einen zeit- und raumlosen und leidfreien göttlichen Bereich. „Die Daseinsformen sind nicht endgültig: Ziel ist, den Kreislauf der Reinkarnation letztlich zu überwinden und in das zeitlose Nirvana einzugehen“, fasst der Wissenschaftler zusammen.

Diese Überschneidungen der Religionen kann der Theologe auch erklären: „Große religiöse Traditionen haben immer schon zahlreiche Einflüsse aus anderen Religionen in sich aufgenommen“, so Schmidt-Leukel. So haben alle Religionen ihre Antwort auf die Frage, was nach dem Tod passiert, im Laufe der Geschichte weiterentwickelt und sich von anderen Kulturen beeinflussen lassen. Sie bilden somit heute alle wie einen Flickenteppich aus anderen religiösen Strömungen – ein Patchwork.

Artikelbild

GettyImages, Sana-design

Patchwork-Religionen sind im Kommen

Heute ist das Weltbild vieler Menschen von einer Mischung religiöser Elemente aus verschiedensten Religionen geprägt.. „Nicht wenige Menschen pflegen heute eine Patchwork-Religiosität“, sagt der Experte. „Sie kombinieren in ihrem persönlichen Glauben Elemente verschiedener Religionstraditionen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass heute etwa ein Fünftel der Christen an Reinkarnation glauben. Doch das ist nur ein Beispiel. Die individuelle Religiosität speist sich aus unterschiedlichsten religiösen Quellen – durch Lektüre, Reisen und persönliche Bekanntschaften.“

Dass diese Patchwork-Religionen entstehen, war noch nie so verbreitet wie heute. „Heute haben Menschen Zugang zu so vielen verschiedenen Vorstellungswelten wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte“, begründet der Theologe dieses Phänomen. Während man früher vor allem die Traditionen seiner eigenen Religion kannte und abwandelte, kann man sich heute in Büchern oder im Internet auch über alle anderen informieren und sich so bestimmte Rituale oder Gedanken „abschauen“.

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster

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