Erstaunliche Trendwende

Die Trendwende war erstaunlich: Mitte der 90er-Jahre noch dümpelte der Literaturbetrieb in Deutschland vor sich hin - die Altmeister waren in die Jahre gekommen. Grass und Walser, den letzten großen deutschen Aushängeschildern von Weltruhm, hatten schon längst keine großen Würfe mehr landen können - im Gegenteil: Die letzten Veröffentlichungen Finks Krieg und Ein weites Feld wurden von der Kritik dankbar verrissen.
Auch den großen Amerikanern fehlte es an Impulsen: Die Trias Mailer-Updike-Irving produzierte zwar fleißig veritable Alterswerke, doch die Innovationskraft früherer Werke schien dahin. Schlimmer noch: Während unbekannte Namen, wie Wislawa Szymborska, den Nobelpreis abräumten, scharten Bestseller-Autoren wie John Grisham, Stephen King oder Michael Crichton immer größere Lesermassen um ihre Veröffentlichungen. Immer mehr Menschen, so schien es, kauften und lasen das Gleiche - Literatur, dieses einst höchste Kulturgut menschlicher Sublimierung, schien zur Einheitsware zu verkommen.




