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Das Rätsel der Geoglyphen
Bildquelle nicht angegeben
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Das Rätsel der Geoglyphen

Schon in den 1940er-Jahren sorgten die Nazca-Linien in Peru für Staunen: In den trockenen Boden der Küstenwüste sind dort mehr als 1.500 Linien und riesenhafte Figuren gescharrt. Diese zwischen 800 vor und 600 nach Christus von Angehörigen der Paracas- und der Nazca-Kultur erstellten Bodenbilder sind teilweise…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

GettyImages, seb007

Schon in den 1940er-Jahren sorgten die Nazca-Linien in Peru für Staunen: In den trockenen Boden der Küstenwüste sind dort mehr als 1.500 Linien und riesenhafte Figuren gescharrt. Diese zwischen 800 vor und 600 nach Christus von Angehörigen der Paracas- und der Nazca-Kultur erstellten Bodenbilder sind teilweise hunderte Meter groß und zeigen Spinnen, Affen, Vögel, Spiralen und geometrische Linien.

Die Nazca-Linien sind nicht die einzigen

Aber die Nazca-Linien sind keineswegs die einzigen Geoglyphen: Auch in Asien, Europa und Nordamerika wurden solche riesenhaften Bodenbilder entdeckt. In der Steppe Kasachstans wurden vor einigen Jahren mehr als 250 abstrakter Gebilde aus aufgehäuften Steinwällen entdeckt – diese bis zu 8.000 Jahre alten Bodenbilder wurden erst mithilfe von Satellitenaufnahmen identifiziert. Ebenfalls aus der Steinzeit stammt ein gut 200 Meter großer Elch, der an einem Berghang in der Tscheljabinsk-Region in Russland entdeckt wurde.

Während diese Geoglyphen in eher trockenen Regionen liegen, gibt es sogar Bodenbilder aus dem Amazonas-Regenwald. Sie bestehen aus bis zu 300 Meter großen Kreisen, Quadraten oder Linien, die aus meterdicken Gräben und Wällen gebildet werden. Allein im brasilianischen Bundesstaat Acre haben Archäologen bislang rund 450 solcher Geoglyphen entdeckt. Das wahrscheinlich berühmteste Bodenbild Europas ist dagegen das Weiße Pferd von Uffington in Südengland. Es besteht aus weißen Umrisslinien, die vor rund 2.500 Jahren durch Abtragen der Grasnarbe bis auf den Kalkuntergrund geschaffen wurden.

Artikelbild

Wozu dienten die Geoglyphen?

Das Merkwürdige jedoch: Aus Sicht eines Betrachters am Boden scheinen die meisten Geoglyphen kaum mehr als Trampelpfade oder in den Untergrund gescharrte Wege. Erst aus der Luft gesehen werden die Motive erkennbar. Entsprechend rätselhaft ist der Zweck dieser eigentlich „unsichtbaren“ Bilder. Eine Theorie, die schon die Entdecker der Nazca-Linien in den 1940er Jahren vertraten, ist ein astronomischer Zweck dieser Bilder.

Tatsächlich scheinen einige der Nazca-Linien scheinen nach astronomischen Gesichtspunkten ausgerichtet zu sein. Schon Paul Kosseck, der Entdecker der Nazca-Linien, hatte festgestellt, dass eine zur Sommersonnenwende von ihm besuchte Linie genau auf den Sonnuntergang zulief. In Südperu weisen gleich mehrere von der Paracas-Kultur geschaffene Strukturen auf die Richtung des Sonnenaufgangs zur Wintersonnenwende hin. Nach Ansicht von Archäologen spricht dies dafür, dass zumindest einige der geometrischen Geoglyphen als eine Art Himmelskalender dienten, um Zeiten für rituelle Feste oder Versammlungen zu bestimmen.

Artikelbild

Gettyimages, marktucan

Tier als Totem und Territorialmarkierung?

Doch was ist mit den vielen riesenhaften Tierbildern und Menschenfiguren? Bei ihnen ist ein astronomischer Hintergrund eher unwahrscheinlich, stattdessen gehen Wissenschaftler eher von einem religiös-spirituellen Kontext aus. Sowohl für die amerikanischen Ureinwohner als auch die Aborigines in Australien gelten bestimmte Tiere als Totems, hilfreiche Geistwesen oder Götter. „Tierfiguren könnten ein Symbol der Macht gewesen sein“, erklärt der Archäologe Federico Mailland. „Das Tier wurde abgebildet, um an seinen Fähigkeiten teilzuhaben – Stärke, schnelles Laufen, die Fähigkeit zu springen, scharfe Sicht, gute Ohren oder auch schnelle Reflexe.“ Als Totem könnte eine Tier-Geoglyphe auch das Territorium oder den Machtanspruch eines Volks oder Stammes markieren.

Speziell bei den Nazca-Linien vermuten einige Archäologen, dass die Tier-Geoglyphen in engem Zusammenhang mit Fruchtbarkeitssymbolen, Regenzeremonien und Wassergottheiten stehen könnten. Denn zur Zeit der Nazca veränderte sich das Klima im Küstengebiet Perus – es wurde trockener.

Artikelbild

GettyImages, Corey B. Stevens

Rätsel bleiben

Doch bisher sind all dies wenig mehr als Spekulationen. Denn was diese riesenhaften Bodenbilder bedeuteten, welchen Zweck sie erfüllten und warum sie teilweise über Jahrhunderte aufopferungsvoll immer wieder erneuert wurden, ist noch immer unbekannt. Klar scheint nur: Menschen in vielen Kulturen und Erdteilen verspürten offenbar den Drang, große Landschaftsbilder zu erschaffen. Für sie investierten sie viel Arbeit und Zeit – entsprechend wichtig müssen sie ihnen gewesen sein.

Von den Kulturen, die einst diese Geoglyphen erschufen, ist oft kaum mehr erhalten geblieben als ihre riesenhaften Kunstwerke. Wir kennen weder ihre Glaubensvorstellungen, noch ihre Rituale oder Traditionen. Bisher ist nicht einmal geklärt, ob die Bodenbilder ihren Zweck erst im fertigen Zustand erfüllten, oder ob nicht vielleicht der mühevolle Prozess ihrer Herstellung das eigentliche Ritual und Opfer für die Götter darstellte. Worin ihre wahre Bedeutung lag, wird möglicherweise immer ein Geheimnis bleiben.

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