Das tapfere Schneiderlein und die fleißige Modeschöpferin
Das tapfere Schneiderlein aus dem Märchen kommt durch eine List in den Besitz eines Königsreichs und obendrein wird ihm auch noch die Königstochter versprochen. Ähnlich geschickt hat sich Coco Chanel ihr Leben lang verhalten und stets dem eigenen Geschmack und Gespür mehr vertraut als dem zeitgenössischen Modediktat. Listig mag auch die Wahl der Männerbekanntschaften gewesen sein, die die Chanel stets für ihre außergewöhnliche Karriere zu nutzen wusste. Doch anders als das tapfere Schneiderlein der Grimm-Brüder musste sie sich keine vermeintliche Heldentat - "Sieben auf einen Streich" - auf den Gürtel sticken, sondern entwarf Kreationen, die selbst als Heldentaten, unter anderem für die Emanzipation der Frau, gewertet werden können. Sie begründete damit ein (Mode-)Imperium, das noch zu Coco Chanels Lebzeiten 160 Millionen Dollar im Jahr erwirtschaftet haben soll.
Voraus hatte das tapfere Schneiderlein der fleißigen Modeschöpferin dennoch zweierlei: Es konnte schneidern - und es fand das wahre Liebesglück. Ein Happy End à la "dann leben sie noch heute" ist der "Mademoiselle" nie vergönnt gewesen. Doch wollen wir das Märchen der armen Halbwaisen einmal von Anfang an erzählen.




