Das Wort des Monats Mai 2003
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Das Wort des Monats Mai 2003

Bild: Foto: Christoph Rieder, CC0, via Wikimedia Commons

Johannes, die griechische Form des hebräischen Johanan, bedeutet so viel wie “Gott ist gnädig“. In Russland nennt sich der Johannes gemeinhin Iwan. Das erstaunt nicht, ein völlig neuer Zusammenhang, der sich im Mai auftat, dagegen schon. Da fasste sich der linke Flügel der regierenden SPD ein Herz, wollte Gnade über uns ausgießen und stellte einen Perspektivantrag. Innovation, Wachstum, Arbeit und Nachhaltigkeit sollte uns der IWAN bringen, brachte uns aber nur ein kurzes Aufflackern dieses bemerkenswerten Akronyms, denn Kanzler Schröder fand den Begriff “nicht ganz unbelastet“, wie er dem Vorstand anvertraute. Außerdem wollte er sich sein liebstes Kind, die Agenda 2010, nicht verwässern lassen. Am schmerzlichsten an der Geschichte bleibt die ausbleibende Nachhaltigkeit, mit der dieser Begriff in den täglichen Sprachgebrauch eingeflossen ist. Und so sahen wir uns diesen Monat bemüßigt, diesen Schmetterling der Sprachschöpfung, dem ohnehin schon ein so kurzes und unbefriedigendes Leben beschieden war, vor der endgültigen Ausrottung zu bewahren.Unser Dank gebührt diesen Monat dem selbst ernannten Sprachverherrlicher Werner Dewerth, der IWAN mit folgender Begründung zum Wort des Monats erhob, nachdem er Mitte des Monats noch die Agenda 2010 zum Sieger küren lassen wollte: Hiermit nehme ich meinen Vorschlag zum Wort des Monats (Agenda 2010) mit dem Ausdruck größten Bedauerns zurück und erkläre nach inniger geistiger Selbstberatung das Nichtwort IWAN zur entgleistesten Neuschöpfung parteilicher Texterfindung. Innovation - Wachstum - Arbeit - Nachhaltigkeit. Wer immer Nachhaltigkeit, ein wucherndes Gebilde jüngerer Sprachexzesse, zum Programm erhebt, der sollte die Lizenz zum Gewähltwerden auf Nimmerwiedersehen entzogen bekommen.Vielen Dank an die zahlreichen Teilnehmer an unserer Aktion “Wort des Monats“. Senden Sie uns auch im Juni wieder Ihren Vorschlag mit einer Begründung an die bekannte Email-Adresse: wortdesmonats@wissen.de. Wie üblich gibt es auch im Juni einen Wahrig: Deutsche Rechtschreibung zu gewinnen – wir freuen uns auf Ihre Einsendung und wünschen viel Erfolg!

Johannes, die griechische Form des hebräischen Johanan, bedeutet so viel wie “Gott ist gnädig“. In Russland nennt sich der Johannes gemeinhin Iwan. Das erstaunt nicht, ein völlig neuer Zusammenhang, der sich im Mai auftat, dagegen schon. Da fasste sich der linke Flügel der regierenden SPD ein Herz, wollte Gnade über uns ausgießen und stellte einen Perspektivantrag. Innovation, Wachstum, Arbeit und Nachhaltigkeit sollte uns der IWAN bringen, brachte uns aber nur ein kurzes Aufflackern dieses bemerkenswerten Akronyms, denn Kanzler Schröder fand den Begriff “nicht ganz unbelastet“, wie er dem Vorstand anvertraute. Außerdem wollte er sich sein liebstes Kind, die Agenda 2010, nicht verwässern lassen. Am schmerzlichsten an der Geschichte bleibt die ausbleibende Nachhaltigkeit, mit der dieser Begriff in den täglichen Sprachgebrauch eingeflossen ist. Und so sahen wir uns diesen Monat bemüßigt, diesen Schmetterling der Sprachschöpfung, dem ohnehin schon ein so kurzes und unbefriedigendes Leben beschieden war, vor der endgültigen Ausrottung zu bewahren.
Unser Dank gebührt diesen Monat dem selbst ernannten Sprachverherrlicher Werner Dewerth, der IWAN mit folgender Begründung zum Wort des Monats erhob, nachdem er Mitte des Monats noch die Agenda 2010 zum Sieger küren lassen wollte: Hiermit nehme ich meinen Vorschlag zum Wort des Monats (Agenda 2010) mit dem Ausdruck größten Bedauerns zurück und erkläre nach inniger geistiger Selbstberatung das Nichtwort IWAN zur entgleistesten Neuschöpfung parteilicher Texterfindung. Innovation - Wachstum - Arbeit - Nachhaltigkeit. Wer immer Nachhaltigkeit, ein wucherndes Gebilde jüngerer Sprachexzesse, zum Programm erhebt, der sollte die Lizenz zum Gewähltwerden auf Nimmerwiedersehen entzogen bekommen.
Vielen Dank an die zahlreichen Teilnehmer an unserer Aktion “Wort des Monats“. Senden Sie uns auch im Juni wieder Ihren Vorschlag mit einer Begründung an die bekannte Email-Adresse: wortdesmonats@wissen.de. Wie üblich gibt es auch im Juni einen Wahrig: Deutsche Rechtschreibung zu gewinnen – wir freuen uns auf Ihre Einsendung und wünschen viel Erfolg!

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