Dear Franky,
Leben & Lifestyle

Dear Franky,

Bild: Foto: Thomas Ledl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ich habe glücklicherweise am Londoner Flughafen einen Typen kennen gelernt, mit dem ich mir für zwei Wochen 'nen fetten Buick ausgeliehen habe und jetzt durch California cruise. Der Typ ist echt witzig, aber frisst total viel (american style halt!). Dank ihm kenne ich mittlerweile schon fast alle Fast-Food-Ketten - und das sind jede Menge! Der Flug war relativ unspektakulär und nichts zu spüren von der "großen Sicherheit". Krass fand' ich aber, dass ich hier in Amerika am Zoll gleich meine Fingerabdrücke hinterlassen musste.Hier ist echt alles ein bisschen anders. Es gibt alles nur in Übergröße und vor allem ist das Leben hier unglaublich teuer! Bis jetzt hab' ich schon 800 Dollar hier gelassen, mich beim Tanken angestellt wie der erste Mensch, 'ne Viertelstunde gebraucht, bis ich Geld aus dem Geldautomat bekommen habe und es immer noch nicht geschafft, deinen Freund in San Francisco über eine Telefonzelle zu erreichen (liegt es an mir oder an den Telefonzellen?). Bequemlichkeit wird hier ganz groß geschrieben, die haben sogar "cup holder" an ihren Kinderwägen!

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Vor allem verstehe ich nicht, warum hier das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein soll. Man wird bombardiert mit Verbotsschildern, die Speed Limits sind forced by aircraft (und völlig zu langsam angesetzt), hier rauchen nur die Aussätzigen und Alkohol darf man nur aus Papiertüten trinken ... 'ne Kippe wegschmeißen kostet übrigens 1000 Bucks. Komisch fand' ich auch, dass hier alle Preise ohne Tax angegeben sind und vor allem den 20% Tip, den man geben soll, find' ich völlig overdosed. In Bars, in denen Alkohol ausgeschenkt wird (Bier in Plastikbechern), musste ich meinen Reisepass zeigen - die Amis spinnen doch! Ich hab' das Gefühl, dass die Uhr hier ein wenig langsamer tickt. Ich hab' noch keinen Amerikaner gesehen, der im Stress ist oder sich gar irgendwo vordrängt. Der Amerikaner an sich scheint echt ein sehr geduldiger Mensch zu sein ... Ich hab' bis jetzt auch nur gute Erfahrungen mit den Menschen hier gemacht - die sind alle fast schon überfreundlich. Allerdings habe ich noch nie so viele richtig fette Menschen gesehen, kein Wunder hier gibt es überall riesige Fressstraßen, sogar mitten im Nirgendwo.

Das Land an sich finde ich richtig den Hammer, endlose Weiten und unterschiedlichste Landschaften. Zuerst sind wir die Route Nr. 1 an der Küste entlanggefahren. Dort gab es viele Surf Spots, endlose Strände, Buchten und riesen Wellen. Genau, wie ich es mir vorgestellt habe. L.A. fand' ich ein bisschen ranzig, vor allem Hollywood hab' ich mir spektakulärer vorgestellt - kommt im Fernsehen echt viel besser. Ich war sogar im Disneyland, sowas muss man echt 'mal gesehen haben! Ich sag' nur: mit Liebe zum Detail gemacht.

Seit ein paar Tagen sind wir im Desert unterwegs. Gestern Abend hatte es sogar noch 104 Grad Fahrenheit. Ich dachte, ich brenne! Hier gefällt es mir noch viel besser als an der Küste. Es ist unbeschreiblich beeindruckend, diese ewigen Weiten entlang gewaltiger Felsformationen.

Ein Muss für jeden Kalifornienbesucher ist der Joshua Tree Park. Ich war noch nie - nicht mal annähernd - auf so geilen Campingplätzen. Hier ist das absolute Kletter- und Boulderparadies. Ich kam mir vor wie bei den Flintstones. Vor allem stand auf einmal ein Coyote vor mir und 'nen Road Runner hab' ich auch gesehen. Danach waren wir im Death Valley - jetzt weiß ich wenigstens, warum es so heißt. Und jetzt sitz' ich hier im Neverland, neben einem Indianer-Reservat und schreib' dir ... obwohl das richtig teuer hier ist! Deswegen hör' ich jetzt 'mal auf. Fühl' dich gedrückt.

Bis bald, deine Kerstin

PS: Und wenn ich mal groß bin, will ich Rangerin werden!

Kalifornien, 10. September 2006

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite