Die Angst zu "verschwinden"

Seitdem herrschte Angst im Lande; Angst vor dem Inhaftiertwerden ohne Haftbefehl, Angst vor den Folterkammern des Geheimdienstes, Angst vor dem spurlosen "Verschwinden". Dabei gab die chilenische Geschichte zu Beginn der 1960er Jahre insgesamt gesehen Anlass zu politischem Optimismus.
1964 wurde der Führer der "Christlich Demokratischen Partei" Eduardo Frei (*1911, †1982) mehrheitlich zum chilenischen Staatspräsidenten gewählt. Sein ehrgeiziges Programm der "Revolution in Freiheit" sollte die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes lösen. Während seiner sechsjährigen Amtszeit wurden im Zuge der Agrarreform Teile des Landes in genossenschaftliche "asientamentos" umgewandelt sowie die Teilnationalisierung der in US-amerikanischem Besitz befindlichen Kupferindustrie durchgeführt.
Weit über die Reformansätze Freis ging das Programm hinaus, mit dem der Sozialist und Kandidat der aus Kommunisten und anderen Linksparteien zusammengesetzten "Frente de Acción Popular" (Volksfront), Salvador Allende (*1908, †1973), zu den Präsidentschaftswahlen 1970 antrat. Er strebte eine sozialistische Neugestaltung des Landes auf parlamentarischem Weg an und gewann, für viele überraschend, die Wahl.




