Christiane Heckelmann: Es ist wichtig, mehr als nur Fachkenntnisse mitzubringen. Es wird versucht, ein bestmögliches Gesamtbild zu bekommen. Daher wird beispielsweise darauf geachtet, ob sich ein Bewerber auch außeruniversitär engagiert oder an welchen Orten ein Bewerber vorher tätig war (z.B. Praktika, Auslandssemester). Insofern hatte ich damals, als es bei mir darum ging, eine Festanstellung zu suchen, bei PwC das Gefühl, aufgrund meines Hintergrundes gut dazu zu passen und habe mich daraufhin bei PwC beworben. Ich habe mein Internationales Baccalaureate in der Nähe von Frankfurt gemacht und bin dann für das gesamte Studium nach England gegangen, habe dort meinen Bachelor erhalten und habe während dieser Zeit auch diverse Praktika gemacht. Das letzte Praktikum war bei einem großen Konsumgüterhersteller in Hamburg und dort im Bereich SOX, der internen Umsetzung von Sarbanes-Oxley, was mir für den Bewerbungsprozess sicherlich geholfen hat. Beworben habe ich mich ganz normal über das Karriereportal von PwC und habe recht zügig eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Das wurde von einem Senior Manager und einem Manager geführt. Daraufhin habe ich recht zeitnah ein Feedback erhalten, bei dem ich zu einem Interview mit einem Partner eingeladen worden bin.
Herr Keysers, Sie haben in Oxford den Bachelor in Business and Management sowie in Economics mit Auszeichnung erworben. Hier in Deutschland hat man oft den Eindruck, dass sich Arbeitgeber mit dem Abschluss Bachelor noch immer schwer tun. Täuscht der Eindruck? Wie ist Ihre Erfahrung bei PricewaterhouseCoopers?
Sven Keysers: Generell muss man sagen, dass die deutschen Arbeitgeber mit dem Bachelor sehr unterschiedliche Erfahrungen haben. Es handelt sich ja schließlich um eine große Umstellung der gesamten Hochschullandschaft, worauf sich die Unternehmen erst einmal einstellen müssen. Ich persönlich habe bei PwC sehr gute Erfahrungen gemacht: die Akzeptanz im Team und bei den Vorgesetzten sowie die Unterstützung, die ich bekommen habe, waren ausgezeichnet. Es stellte sich schnell heraus, dass es neben dem Fachwissen genauso sehr auf die Fähigkeit ankommt, sich mit neuen Sachverhalten auseinanderzusetzen und sich schnell in neue Themengebiete einzuarbeiten.
Sie beide arbeiten im Bereich Performance Improvement. Was verbirgt sich hinter dem Begriff? Und was gehört zu Ihren klassischen Aufgabengebieten?
Christiane Heckelmann: Lassen Sie mich den Bereich Performane Improvement dazu erst einmal im Unternehmen einordnen: PwC ist in drei Unternehmensbereiche gegliedert, einmal in Audit, Tax und in Consulting bzw. Advisory. Bei Advisory gibt es wiederum zwei Bereiche, einmal Transaction Services und Consulting. Innerhalb von Consulting sind wir im Performance Improvement Bereich tätig und dieser ist in fünf Schwerpunktbereiche untergliedert: Einmal Finance and Accounting, IT Effectiveness, Operations, People and Change und der Bereich, in dem wir beide tätig sind, Governance, Risiko Management und Compliance. Da sind die Aufgaben sehr unterschiedlich, aber in allen Schwerpunktbereichen setzen wir uns sehr viel mit Prozessen auseinander: Wie können wir in Unternehmen Prozesse verändern und optimieren. Mein letztes Projekt war beispielsweise eine Bestandsaufnahme: Welche Anforderungen hat das Unternehmen schon umgesetzt, welche Tools werden verwendet und wie kann man diese Sachen integrieren und verbessern.
Welches war Ihr letztes Projekt, Herr Keysers?
Sven Keysers: Erst einmal vielleicht noch generell zum Bereich Governance, Risiko Management und Compliance: Wie gesagt beschäftigen wir uns insbesondere mit den Geschäftsprozessen. In den letzten Jahren hat, aufgrund der Marktnachfrage, der Fokus auf den Compliance-Themen gelegen. Das hat in der Regel mit der Anpassung bzw. der Optimierung des internen Kontrollsystems eines Unternehmens zu tun. Auch meine letzten Projekte waren in diesem Zusammenhang Sarbanes Oxley-Projekte, eben die Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben der amerikanischen Börsenaufsicht an dort gelistete Unternehmen, die entsprechende Anforderungen an die Finanzberichterstattung zu erfüllen haben und u.a. die Vorstandsmitglieder der persönlichen Haftung aussetzen.
"Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind hervorragend!"
Welche Art von Unternehmen betreuen Sie bei PricewaterhouseCoopers?
Christiane Heckelmann: Das ist sehr unterschiedlich. Das können mittelständische Unternehmen sein, bei denen wir in Form von kleineren Teams vor Ort arbeiten und der Arbeitszeitraum eventuell auch recht kurz ist. Es kann aber auch sein, dass wir bei DAX-30-Unternehmen in großen Teams und häufig im internationalen Umfeld durchaus längerfristig vor Ort sind und dort unsere Projekte bearbeiten.
Sie beide haben eine wirtschaftliche Ausbildung hinter sich und besitzen natürlich die entsprechenden Fachkenntnisse. Welche Kompetenzen sollte man als Consultant aber unbedingt noch mitbringen, wenn Sie dabei z.B. an Ihr bislang schwierigstes Projekt denken?
Sven Keysers: Das Schöne am Beruf des Consultants ist, dass man immer wieder neuen Anforderungen gegenüber steht, in neue Teams zusammengewürfelt wird, viele Menschen kennenlernt, die hinter dem Mandanten, hinter dem Kundenunternehmen stehen - und dort entstehen verschiedenste Herausforderungen. Das „schwierigste Projekt“ kann man so eigentlich nicht festlegen, denn gerade die Schwierigkeit einer jeden Aufgabe macht ja auch deren Reiz aus. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man gewisse Soft Skills mitbringt: den Teamgeist beispielsweise, der bei uns sehr wichtig ist, weil man oft in anderen Städten, zusammen mit den Kollegen, ist und man eine entsprechende Motivation für den Kunden an den Tag legen muss.
Sie haben beide im englischsprachigen Raum studiert und internationale Abschlüsse erworben. Frau Heckelmann, haben Sie wie Herr Keysers auch schon Erfahrungen auf internationaler Ebene bei PwC sammeln können?
Christiane Heckelmann: Ja, ich glaube, das Studium im Ausland hat auf jeden Fall geholfen, sich auch auf andere Menschen und Kulturen einzulassen, diese kennenzulernen und damit umzugehen. Insofern war das sicherlich ein großer Vorteil, der auf den großen internationalen Projekten sehr hilfreich ist. Dazu kommt beispielsweise, dass wir im Bereich Performance Improvement eine Schulung haben, die auf Europaebene bereits im ersten Jahr stattfindet und man dort dann auch die Kollegen aus anderen Ländern kennenlernt, was sicherlich auch sehr wertvoll ist.
Sven Keysers: Ich persönlich war mit einem Projekt in Paris und Amsterdam. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Darüber hinaus bietet auch PwC gerade im Rahmen des Netzwerkgedankens in der europäischen Firma gewisse Sportveranstaltungen an. Es gibt Europameisterschaften im Fußball und im Basketball. Ich war beispielsweise letztes Jahr mit der deutschen Squash-Mannschaft in London und dieses Jahr fahren wir zusammen zur EM nach Luxemburg.
Wie sehen denn Ihre Entwicklungsmöglichkeiten bei PricewaterhouseCoopers aus? Gibt es Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Sie?
Christiane Heckelmann: Gerade aufgrund der Tatsache, dass wir sehr stark wachsen, sind die Weiterbildungsmöglichkeiten hervorragend und werden auch ständig überarbeitet, so dass wir die aktuellsten Schulungen mitnehmen können. Gerade als Consultant im ersten Jahr hat man ca. 20 Tage im Jahr, die für Schulungen vorgesehen werden, also eine ganze Menge, um ein Handwerk mit auf den Weg zu bekommen. Darüber hinaus haben wir auch das Mentorenkonzept: Jeder Mitarbeiter hat einen Mentor, mit dem man Projekteinsätze besprechen kann, ob etwas gut oder schlecht gelaufen ist oder auch, ob etwas nicht ganz so läuft, wie man es sich vorstellt. Dadurch hat man die ganze Zeit den Kontakt zu anderen Mitarbeitern und durch den Mentor ein Sprachrohr. Ebenso gibt es eine ausgeprägte Feedbackkultur bei uns. Wir bekommen nach jedem Projekteinsatz einen Feedbackbogen, in dem unsere Stärken stehen, aber auch die Lernfelder, an denen wir in den nächsten Projekten arbeiten können und sollten. Am Ende des Jahres werden diese einzelnen Projektbogen mit dem Mentor besprochen und daraus die Ziele für das kommende Jahr entwickelt bzw. geschaut, ob die Ziele vom letzten Jahr erreicht worden sind.
"Die Hobbys hinken leider manchmal hinterher."
Frau Heckelmann, eine Frage speziell an Sie: Wie beurteilen Sie das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit mit älteren Kollegen? Ist es immer leicht, sich als junge Frau zu behaupten?
Christiane Heckelmann: Bisher hatte ich nie das Gefühl, mich stärker durchsetzen zu müssen aufgrund dessen, dass ich eine Frau und noch relativ jung bin. Was man zum Arbeitsklima sagen kann ist, dass wir ein relativ junges Team sind, das sehr dynamisch und konstruktiv ist, in dem auch das Verhältnis Mann und Frau recht ausgeglichen ist. Von daher ist es ein sehr angenehmes Arbeitsklima, in dem es sehr viel Spaß macht zu arbeiten.
Herr Keysers, Sie sind - wie Frau Heckelmann - viel unterwegs, um Ihre Mandanten vor Ort direkt betreuen zu können. Wie häufig sind Sie denn in einer typischen Arbeitswoche unterwegs? Oder fragen wir mal so: Sitzen Sie überhaupt einmal am eigenen Schreibtisch?
Sven Keysers: Die typische Arbeitswoche lässt sich so gar nicht charakterisieren. Was bei uns anders ist als bei vielen anderen Unternehmensberatungsgesellschaften ist, dass wir in der Regel fünf Tage in der Woche vor Ort beim Mandanten sind. Am eigenen Schreibtisch ist man gelegentlich - dies ist allerdings nicht der Regelfall. Man muss schon sagen, dass die Reisetätigkeit einen großen Teil des Berufs ausmacht. Dessen muss man sich klar sein. Es ist aber natürlich sehr spannend, verschiedene Orte und verschiedene Mandanten kennenzulernen. Manchmal kommt es auch vor, dass man wegen Schulungen oder anderen internen Themen, wie beispielsweise Recruitingmessen, einen Teil der Woche beim Mandanten ist und den anderen Teil in einer ganz anderen Stadt - oder vielleicht sogar im Büro.
Ein gutes Einstiegsgehalt bei PricewaterhouseCoopers ist Standard. Wie sieht aber das Verhältnis von Arbeit und Freizeit bei Ihnen beiden aus? Wie bringen Sie bei Ihrem Beruf Familie, Freund und Hobbys unter?
Christiane Heckelmann: Wenn man im Büro ist, ist es natürlich leichter, abends Freunde und die Familie zu sehen. Wenn man auf größeren Projekten unterwegs ist, wird es natürlich deutlich schwieriger. Uns allen ist es sehr wichtig, dass wir Freunde und Familie noch sehen, die Hobbys hinken dann aber leider doch manchmal hinterher. Man muss seine Woche sehr gut organisieren, damit man alles unter einen Hut bekommt.
Sven Keysers: In der Regel ist das Wochenende immer frei, es gibt nur absolute Ausnahmefälle, in denen dies mal nicht vorkommt. Insofern hat man dann auch gut die Gelegenheit, am Wochenende Freunde und Familie zu besuchen. Unter der Woche, da kann ich für unser Team sprechen, ist es natürlich sehr schön, wenn man sich mit den Kollegen gut versteht und mit ihnen abends noch etwas unternehmen kann, z.B. Sport machen oder auch nur etwas essen gehen.
Zusätzlich gibt es bei uns das Jahresarbeitszeitkonto. Hier werden die Überstunden festgehalten, die man abbauen kann, falls es mal etwas ruhiger sein sollte, oder am Jahresende entsprechend ausbezahlt bekommt.



