Jedes Jahr am zweiten Montag im März feiern weltweit 1.7 Milliarden Menschen den Commonwealth-Tag. Gefeiert wird ein Staatenbündnis, dem heute 54 Länder und insgesamt 30 Prozent der Weltbevölkerung angehören - das Commonwealth. Dabei handelt es sich um einen freiwilligen Zusammenschluss unabhängiger und souveräner Staaten, die ehemals dem so genannten “British Empire“ angehörten. 1977 kam der ehemalige kanadische Ministerpräsident Pierre Elliot Trudeau auf die Idee, die freundschaftlichen Beziehungen der Commonwealth-Länder untereinander sowie zum einstigen Mutterland Großbritannien an einem speziellen Tag zu feiern.
Rund um den Globus wird gefeiert
Jede Nation, von Jamaika über Neuseeland bis hin nach Singapur, feiert den Tag anders: Es gibt offizielle Empfänge, Sportveranstaltungen, Konzerte, Lesungen, Partys und Straßenparaden sowie Gottesdienste für Menschen aller Glaubensrichtungen. Allein in London nahmen im letzten Jahr über 1000 Schüler an den offiziellen Commonwealth Feierlichkeiten in der Westminster Abbey teil.
Bei dieser Zeremonie lässt Königin Elisabeth II. als Oberhaupt des Commonwealth eine Botschaft verlesen, die sich an über 1.7 Milliarden Menschen in aller Welt richtet und von der BBC weltweit ausgestrahlt wird. Anschließend kommt es zum traditionellen Dialog zwischen Jung und Alt. Kinder dürfen ältere Menschen über die Vergangenheit befragen. Kein Wunder, dass viel Wert auf diesen Austausch gelegt wird: Über die Hälfte der Mitglieder des “Gemeinwesens“ (so die wörtliche Übersetzung von Commonwealth) ist jünger als 25 Jahre.
Vom British Empire zum British Commonwealth of Nations
Das Commonwealth als loser Staatenbund hält die Erinnerung wach an Großbritanniens einstige Position als Weltmacht mit Kolonien auf allen Kontinenten. Ende des 19. Jahrhunderts musste das British Empire die Rolle seiner Kolonien neu definieren. Viele Kolonien strebten nach Unabhängigkeit und ließen sich nur mühsam von London aus regieren. Deshalb verlieh die britische Krone den so genannten “Dominions“ wie Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika nach und nach den kolonialen Selbstregierungsstatus. Das Bild des machtvollen Empires geriet durch diese ersten Ansätze einer Entkolonialisierung ins Wanken.
1926 tauchte der Begriff “British Commonwealth of Nations“ erstmals auf der Reichskonferenz (Imperial Conference) in London auf - und zwar im direkten Zusammenhang mit der neuen Rolle der Dominions. Diese sollten künftig als freie assoziierte Mitglieder innerhalb eines losen Staatenbundes gelten und untereinander völlig gleichberechtigt sein. Jeder Staat innerhalb des British Commonwealth of Nations sollte sich selbst regieren dürfen und in seiner Außenpolitik völlig unabhängig von Großbritannien agieren. Voraussetzung für die Mitgliedschaft in diesem neuen Bund: die Verbindung und Treue zur britischen Krone. Die neue Definition der Dominions wurde in das Westminster Statut aufgenommen und 1931 vom britischen Parlament verabschiedet. So entstand aus dem ehemaligen British Empire das British Commonwealth of Nations - zumindest als Idee. Denn die den Dominions damit zugesprochenen Rechte existierten lange Zeit nur auf dem Papier. Zudem gehörten nicht alle Kolonien Großbritanniens zum Commonwealth. Doch die Unabhängigkeitsbestrebungen von Ländern wie Indien, Irak und Palästina ließen sich Mitte der 40er Jahre nicht mehr aufhalten.
Das moderne Commonwealth
Der Beitritt von Indien und Pakistan 1947 gilt als die Geburtsstunde des modernen Commonwealth. 1949 änderte die britische Regierung Schwerpunkt und Definition des British Commonwealth of Nations. Auch Staaten, die die englische Monarchie nicht mehr länger als Staatsoberhaupt anerkannten, durften nun Mitglied sein. Das Commonwealth wurde zu einer Gemeinschaft gleichberechtigter Staaten, die sich zum Wohle aller zusammenschlossen, getreu dem Motto “Commonwealth - Wohlstand für alle.“ Großbritannien stand in dieser Gemeinschaft nicht mehr im Vordergrund. Deshalb strich man das “British“ aus dem Namen und nannte den losen Staatenbund nur noch “Commonwealth of Nations“ (kurz: Commonwealth). Die gewonnene Souveränität sicherte den ehemaligen Kolonien das Recht zu, den Commonwealth-Verband zu verlassen. Davon machten unter anderem Irland und Birma Gebrauch.
1965 wurde das Commonwealth-Sekretariat in London gegründet. Es gilt zusammen mit zahlreichen Dachverbänden als Exekutive des Commonwealth und ist verantwortlich für sämtliche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Entscheidungen innerhalb dieser Gemeinschaft. Wie bei den Vereinten Nationen gibt es einen Generalsekretär - momentan ist dies Donald McKinnon. Königin Elisabeth II. wird von allen Mitgliedsländern als symbolisches Oberhaupt des Commonwealth akzeptiert.
Das Commonwealth heute - nur noch ein kolonialer Überrest?
Obwohl das Commonwealth eine internationale Organisation ist, ist es nicht mit den Vereinten Nationen vergleichbar. Alle zwei Jahre treffen sich die Staats- und Regierungschefs aller Mitgliedsländer zum internationalen Austausch, doch die eigentlichen Aufgaben und Stärken des Commonwealth liegen nicht in der Weltpolitik, sondern im kulturellen und entwicklungspolitischen Bereich. Mit Hilfe von über 30 Vereinigungen soll der wissenschaftliche Austausch gefördert, vor allem aber die englische Sprache und das britische Bildungswesen in Übersee aufrecht erhalten werden. Von der einstigen weltweiten britischen Dominanz ist heute dennoch nicht mehr viel zu spüren. Man bemüht sich um Förderung der Demokratie, wirtschaftliche Entwicklung und internationale Verständigung.
Viele Menschen bringen das Commonwealth auch mit den “Commonwealth-Games“ in Verbindung, die seit 1930 alle vier Jahre rund um den Globus stattfinden. Sie sind eine Art Gegenstück zu den Olympischen Spielen und werden auch als “the friendly games“ bezeichnet. Besonders stolz ist man auf die Tatsache, dass Englisch als gemeinsame Sprache alle Teilnehmer verbindet. In diesem Jahr finden die Commonwealth-Spiele vom 25. Juli bis 4. August in Manchester statt.
Die Mitgliedschaft im Commonwealth hat heute zum großen Teil sentimentale Gründe. Viele Länder, wie etwa Kanada oder Australien, sind stolz auf ihre freundschaftliche Beziehung zum einstigen Mutterland. Es existiert weder eine Charta noch eine Verfassung. Die Mitglieder verpflichten sich einzig und allein der “Declaration of Commonwealth Principles“ von 1971, welche die gemeinsamen Überzeugungen der jeweiligen Staats- und Regierungschefs nennt.
Organisation und Aufbau
Alle heutigen Mitgliedsstaaten haben eine historische Verbindung zu Großbritannien - das heißt sie waren entweder Kolonie, Protektorat oder britisches Territorium. Die einzige Ausnahme im heutigen Commonwealth ist Mosambik, das auf Grund des gemeinsamen Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika 1995 in den losen Staatenbund aufgenommen wurde.
Das Commonwealth, dem heute 54 Länder angehören, finanziert sich durch Pflichtbeiträge der Mitgliedsstaaten und freiwillige Beiträge. 16 seiner Mitgliedsländer sind eine konstitutionelle Monarchie mit der britischen Königin als Staatsoberhaupt (zum Beispiel Australien, Kanada und natürlich das United Kingdom), fünf Länder haben eine eigene Monarchie (z.B. Malaysia und Brunei) und 33 Länder sind Republiken (zum Beispiel Indien, Malta, Südafrika und Pakistan).
Mitglieder des Commonwealth im Überblick
| Antigua und Barbuda | Kenia und die Grenadinen | Sambia |
| Australien | Kiribati | Samoa |
| Bahamas | Lesotho | Seychellen |
| Bangladesh | Malawi | Sierra Leone |
| Barbados | Malaysia | Simbabwe |
| Belize | Malediven | Singapur |
| Botswana | Malta | Sri Lanka |
| Brunei | Mauritius | Südafrika |
| Dominica | Mosambik | Swasiland |
| Fidschi | Namibia | Tansania |
| Gambia | Nauru | Tonga |
| Ghana | Neuseeland | Trinidad und Tobago |
| Grenada | Nigeria | Tuvalu |
| Großbritannien | Pakistan | Uganda |
| Guyana | Papua-Neuginea | Vanuatu |
| Indien | Saint Kitts und Nevis | Zypern |
| Jamaika | Saint Lucia | |
| Kamerun | Saint Vincent und die Grenadinen | |
| Kanada | Salomoninseln |



