Väterzeit
Männer müssen erfolgreich sein. So will es das traditionelle Männerbild. Karriere und gesellschaftliche Anerkennung kosten jedoch einen hohen Preis: Männer müssen oft lernen, Gefühle hinten anzustellen und den Job zu Platz 1 ihres Lebens zu machen. Wie zahlreiche Studien beweisen bezahlen sie dafür mit ihrer Gesundheit: Männer leiden häufiger unter Herz- und Gefäßerkrankungen und unter Krebs als Frauen.
Immer mehr Männer zeigen heute, dass sie diese Art von Leben nicht erfüllend finden. Sie wollen Zeit und Raum für Emotionen, wollen ihre Kinder aufwachsen sehen. Rein rechtlich sind die Wege dafür gebahnt: Elternzeit und Teilzeitarbeit machens möglich.
Allerdings ist es nicht ganz einfach, die Karriereschraube zurückzudrehen. Schon Hausfrauen leiden unter Eintönigkeit und mangelnder beruflicher Anerkennung. Bei Hausmännern kommt der Konflikt mit dem gesellschaftlichen Rollenbild dazu. Ungläubige Blicke von Freunden, tuschelnde Ex-Kollegen oder berufliche und finanzielle Unsicherheit können den Vätern die Elternzeit ganz schön vermiesen.
Krankenpfleger und Modedesigner
Rollenkonflikte belasten auch Männer, die sich ganz bewusst für einen Beruf abseits der traditionellen Männerdomänen entscheiden. Typische Frauenberufe genießen meist weniger Ansehen und sind schlechter bezahlt als typische Männerberufe. Männer, die sich für einen Beruf wie Krankenpfleger oder Kindergartenerzieher entscheiden, müssen diese Nachteile in Kauf nehmen. Das ist natürlich besonders schwierig, wenn der Betreffende gleichzeitig der Alleinverdiener der Familie ist.
Häufig kompensieren Männer diese Nachteile, indem sie die Karriereleiter erklimmen. In letzter Konsequenz üben sie dann nicht mehr die Tätigkeit aus, weswegen sie den Beruf ursprünglich gewählt hatten. So hat der Leiter eines Kindergartens viel mehr mit Papierkram als mit Kindern zu tun.
Nach wie vor sind häufig die oberen Ränge im Berufsleben von Männern besetzt. Führungspositionen stehen selbst dann nicht im Widerspruch zur traditionellen Männerrolle, wenn die Branche ursprünglich als weiblich gilt. Modedesigner sind durchaus gesellschaftlich akzeptiert, doch wie steht es mit einem Schneider oder gar dem Arbeiter in einer Textilfabrik?
Ähnlich würden sich die meisten Frauen daran stoßen, während der Geburtswehen von einem "Entbindungshelfer" (also einer männlichen Hebamme) begleitet zu werden. In den letzten entscheidenden Momenten - wenn das Baby das Licht der Welt erblickt - haben jedoch häufig männliche Ärzte das Sagen.
Quotenfrauen
Vordergründig werden Frauen heute in den meisten Bereichen ermutigt, ihre Berufswahl möglichst unbelastet von Rollenklischees zu treffen. So bieten naturwissenschaftliche Studiengänge eigene Infobroschüren oder Schnuppertage für Frauen an. Seit dem 1.1.2001 können Frauen sogar den Militärdienst ergreifen. Über 8300 Frauen haben diesen Weg seither gewählt. Allerdings gehören rund 5000 von ihnen dem Sanitätsdienst an, üben also eine Tätigkeit aus, die durchaus ins traditionelle Rollenbild passt.
Auf den zweiten Blick ist die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft noch längst nicht erreicht, auch wenn viele Stellenanzeigen versprechen "Bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt". Studien ergaben, dass Frauen trotz gleich guter Ausbildung häufig weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen und länger auf eine Beförderung warten müssen.
Hinzu kommen subtile Formen von Benachteiligung, die Frauen das Berufsleben erschweren können. Oft haben sie das Gefühl, männlichen Kollegen oder Geschäftspartnern erst einmal beweisen zu müssen, dass sie ihr Handwerk verstehen und nicht nur wegen ihres Geschlechts - als "Quotenfrau" - die Stelle bekommen haben.
Frauen, die sich in besonders männliche Domänen vorwagten - wie z.B. Polizistinnen - können ein Lied davon singen Die Diskriminierung reicht von unterschwelligem Misstrauen bis hin zu offener sexueller Anmache. Da sind hohe Leistungsbereitschaft und ein dickes Fell gefragt.
Kinder und Karriere
Rund 60 Prozent aller Frauen mit Kinder in Deutschland sind heute erwerbstätig. Viele von ihnen erbringen Höchstleistungen - und das gleich doppelt. Kranke Kinder oder Überstunden fordern jede Menge Organisationstalent.
Zum traditionellen Bild des Karrieremannes gehört die Frau im Hintergrund, die ihm allen familiären Ärger vom Hals hält. Für Karrierefrauen ist es jedoch nicht einfach die beiden Ebenen zu vereinbaren. Kinder und die damit verbundenen Unabwägbarkeiten passen im Grunde nicht in das Raster einer gut geplanten Karriere: weder während Schulbesuch und Studium, noch während Ausbildung und Berufserfahrung.
Selbst wenn der Partner voll hinter seiner Frau steht und bereit ist, einen Großteil der Familienpflichten zu übernehmen, bleibt Schwangerschaft und Geburt "Frauensache". Und welcher Chef ist schon begeistert, seine beste Kraft für einen längeren Zeitraum - und seien es nur 14 Wochen Mutterschutz - zu verlieren?
Die verschiedenen Bereiche von Arbeits- und Familienwelt werden dann deutlich, wenn schwangere Frauen am vormals "sachlich geprägten" Arbeitsplatz durch die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft eine typisch "weibliche" Rolle einnehmen. Nach der Geburt können lange Fahrzeiten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, unvorhersehbare Arbeitsspitzen und einiges mehr arbeitenden Müttern die laut Gesetz geregelte Stillpause von einer Stunde pro Tag bei Umsetzung in die Praxis erschweren.
Langer Atem
Trotz zahlreicher Hürden wächst die Zahl der Männer und Frauen, die alles daran setzen unabhängig von überholten Rollenbildern ihr persönliches Lebensziel zu erreichen. Dazu brauchen sie jedoch Mut, Organisationstalent - und manchmal auch einfach nur einen langen Atem. Doch wer durchhält, ebnet den Weg für andere!



