Der erste Nonstop-Flug über den Atlantik
Leben & Lifestyle

Der erste Nonstop-Flug über den Atlantik

Bild: Foto: unbekannt, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Einer der Gründe: Die Antriebe der ersten Motorflugzeuge waren noch ziemlich unzuverlässig und daher kaum für stundenlange ununterbrochene Flüge geeignet. Hinzu kam, dass ihre Leistung nicht ausreichte, um das für einen Transatlantikflug nötige Benzin tragen zu können. Aber auch für die Piloten war eine solche Ozeanüberquerung eine echte Herausforderung: Ohne Landmarken und in oft rauem Wetter mussten sie ihre Route über die scheinbar endlose Wasserfläche halten.

Holloway / Public Domain

Einer der Gründe: Die Antriebe der ersten Motorflugzeuge waren noch ziemlich unzuverlässig und daher kaum für stundenlange ununterbrochene Flüge geeignet. Hinzu kam, dass ihre Leistung nicht ausreichte, um das für einen Transatlantikflug nötige Benzin tragen zu können. Aber auch für die Piloten war eine solche Ozeanüberquerung eine echte Herausforderung: Ohne Landmarken und in oft rauem Wetter mussten sie ihre Route über die scheinbar endlose Wasserfläche halten.

Historisch

Das große Wagnis – und ein Preis

Um einen Anreiz für das Wagnis Atlantikflug zu schaffen, schrieb die britische Zeitung Daily Mail im Jahr 1913 einen Preis von 100.000 Pfund für die Piloten aus, die "als erste den Atlantik in einem Flugzeug von einem beliebigen Punkt in den USA, Kanada oder Neufundland nach Großbritannien oder Irland in maximal 72 Stunden nonstop überqueren." Heute würde das Preisgeld fast einer Million Pfund entsprechen – der Anreiz war dementsprechend groß. Zwar machte der Erste Weltkrieg den Piloten zunächst einen Strich durch die Rechnung, gleichzeitig jedoch schafften die mit dem Krieg verbundenen Fortschritte in der militärischen Luftfahrt erstmals überhaupt die Voraussetzungen für einen solchen Flug.

Es entspann sich ein Wettrennen von vier Teams, die den begehrten Preis erringen wollten. Unter ihnen war das vom Flugzeughersteller Vickers gesponserte Duo der beiden Briten John Alcock und Arthur Whitten Brown. Alcock war während des Krieges Pilot der britischen Luftwaffe und daher ein erfahrener Flieger, Brown hatte als Flugingenieur und Navigator Erfahrungen gesammelt. Für ihren  Rekordversuch stellte ihnen Vickers eine modifizierte Vickers Vimy zur Verfügung, ein zweimotoriges Doppeldecker-Flugzeug.

14. Juni 1919: Der Flug beginnt

Als Alcock und Brown Anfang Juni 1919 am designierten Startplatz im neufundländischen Ort St. Johns ankamen, waren zwei Konkurrenzteams bereits gescheitert: Ein Pilotenteam war schon beim Start abgestürzt, das zweite über dem Meer – beide konnten aber gerettet werden. Der dritte Konkurrent, ein vom Flugzeughersteller Handley Page ausgestattetes Team, führte bereits letzte Tests an ihrer Maschine durch. Doch zum Glück für Alcock und Brown zögerte der Teamleiter ihrer Rivalen mit dem Start.

Am Mittag des 14. Juni 1919 hoben die beiden Vickers-Piloten von der Startbahn in St. Johns ab und kamen ihren Konkurrenten damit nur knapp zuvor. Das mit 3.900 Litern Treibstoff überladene Flugzeug gewann nur langsam an Höhe und verfehlte nur knapp die Baumwipfel eines nahen Waldes. Doch alles ging gut – zunächst. Mit im Schnitt 185 Kilometer pro Stunde surrte das kleine Flugzeug über den Atlantik Richtung Osten.

Nebel, Lärm und Kälte

Nach einigen Stunden Flug jedoch bekamen die beiden Piloten zunehmend Probleme. Erst fiel der Generator aus, der das Funkgerät und die Heizung antrieb, dann zerplatzte ein Auspuffrohr und die Motorengeräusche steigerten sich zu einem wahren Höllenlärm. Noch bedenklicher jedoch: Ab etwa 17:00 Uhr hüllte dichter Nebel das kleine Flugzeug ein. Ohne Sicht auf den Horizont und die Sonne war Browns Sextant nutzlos. Der Navigator konnte daher weder Kurs noch Position bestimmen.

Im Blindflug irrten die beiden durch den Nebel und zweimal wären sie fast ins Meer gestürzt. Erschwerend kam hinzu, dass die Trimmung defekt war und das Flugzeug daher zunehmend kopflastig wurde. Erst nach Mitternacht konnte Brown wieder einen Blick auf die Sterne erhaschen und zu ihrer großen Erleichterung feststellen, dass sie auf Kurs lagen. Doch schon gegen drei Uhr nachts zog sich der Himmel wieder zu und die Flieger gerieten in einen Schneesturm – das Flugzeug drohte zu vereisen und abzustürzen.

Geschafft!

Doch Flugzeug und Piloten hielten durch: Gegen acht Uhr morgens am 15. Juni 1919 erreichten sie das irische Festland. Nach einem fehlgeschlagenen Landeversuch in einem Moor, der das Flugzeug beschädigt hatte, gelang Alcock und Brown um 08:40 Uhr eine Bruchlandung im irischen County Galway. Das wichtigste aber war: Sie hatten es geschafft. In knapp 16 Stunden Flugzeit war ihnen die erste Nonstop-Überquerung des Atlantiks in einem Flugzeug gelungen. Rund 3.600 Kilometer hatten die beiden Piloten in ihrem Zweisitzer zurückgelegt.

Alcock und Brown wurden nach ihrer Landung als Helden der Fliegerei gefeiert und wenig später vom britischen König George V. für ihre Verdienste um die Luftfahrt geadelt. Und lukrativ war der riskante Flug noch dazu: Die beiden bekamen nicht nur das Preisgeld des Daily Mail-Preises, sondern zusätzlich noch gute 3.000 Pfund von verschiedenen britischen Unternehmen, weil sie als erste Briten den Flug geschafft hatten.

Interessant auch: Der Flug von Alcock und Brown war nicht nur der erste Nonstop-Transatlantikflug, mit ihm brachten die beiden auch die erste Luftpost über den "großen Teich". Denn mit an Bord waren 196 Briefe und ein Päckchen. Der Pionierflug der beiden Briten inspirierte auch weitere Piloten, die riskante Ozeanüberquerung zu wagen. 1927 gelang Charles Lindbergh der erste Soloflug über den Atlantik, 1932 fliegt Amelia Earhart als erste Frau diese Strecke.

Alan Wilson from Stilton, Peterborough, Cambs, UK / CC BY-SA 2.0

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite