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Der Gärtner von Versailles
Bildquelle nicht angegeben
Leben & Lifestyle

Der Gärtner von Versailles

Wer Frankreichs berühmte Gärten besucht, kommt an André Le Nôtre nicht vorbei. Seine Garten- und Parkanlagen - allen voran Versailles - wurden zum Vorbild für prächtige Gärten in ganz Europa. Ein deutsches Beispiel ist die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Gartenanlage des Schlosses Augustusburg zu Brühl bei…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

Historisch

Wer Frankreichs berühmte Gärten besucht, kommt an André Le Nôtre nicht vorbei. Seine Garten- und Parkanlagen - allen voran Versailles - wurden zum Vorbild für prächtige Gärten in ganz Europa. Ein deutsches Beispiel ist die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Gartenanlage des Schlosses Augustusburg zu Brühl bei Köln. Er gilt bis heute als einer der berühmtesten Landschaftsgärtner der Weltgeschichte.

Außergewöhnlich bescheiden

Der im Jahr 1613 in Paris geborene Le Nôtre wuchs in relativ bescheidenen Verhältnissen auf. Schon sein Vater und Großvater standen als Gärtner in den Tuilerien-Gärten in Paris im Dienst des französischen Königshauses. Doch er stieg nicht nur zum obersten Gartenarchitekten Ludwigs XIV. auf, sondern wurde auch zum persönlichen Freund des Königs.

Es ist schwer ein genaues Bild des Menschen André Le Nôtre zu zeichnen: Er hinterließ kein Tagebuch, keine persönlichen Schriften, keine theoretischen Abhandlungen. Doch den Erzählungen seiner Zeitgenossen zufolge zeichnete er sich durch seine außergewöhnliche Bescheidenheit aus. Als der König ihn 1675 für seine Dienste mit einem Adelstitel belohnte, wurde sein Wappen nach seinen Vorstellungen gestaltet: ein nach oben weisender Sparren mit drei Weinbergschnecken und einem Kohlkopf.

Eine Fehlkalkulation von Nicolas Fouquet

Artikelbild

Chatsam, wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Le Nôtre arbeitete viele Jahre in den Tuilerien als Hofgärtner und wurde 1635 von Gaston d´Orléans, dem Bruder des Königs, zum Ersten Gärtner ernannt. Zehn Jahre später war er für die Gartenanlage der Königin in Fontainebleau verantwortlich. Doch erst im Alter von 43 Jahren gelang es ihm, sein außergewöhnliches Talent unter Beweis zu stellen.

1657 beauftragte ihn Nicolas Fouquet, der Finanzminister Ludwigs XIV., mit der Gestaltung der Gärten seines neuen Schlosses Vaux-Le-Vicomte. Der ehrgeizige Fouquet erhoffte sich dadurch eine Zurschaustellung seines Reichtums und seines guten Geschmacks. Der Schlosspark wurde innerhalb von fünf Jahren fertiggestellt und im Sommer 1661 eingeweiht. Er existiert noch heute, und wird als der älteste noch erhaltene Schlossgarten des französischen Stils angesehen.

In ihrem Aufwand und repräsentativen Anspruch übertraf die perfekt aufeinander abgestimmte Anlage von Schloss und Garten alles damals Bekannte und galt bald als das Gründungsmanifest einer neuen Epoche der Gartenarchitektur. Doch Fouquet hatte sich verrechnet. Seine in Garten und Schloss zur Schau gestellte Prunksucht provozierte den König. Der ließ einen Monat später das Schloss konfiszieren und der Minister verhaften. Ludwig XIV. übernahm sämtliche entwerfenden Künstler von Vaux–le-Vicomte für den Ausbau seines alten Jagdschlosses in Versailles: neben Le Nôtre auch den Baumeister Louis Le Vau und den Maler Charles Le Brun.

Mehr als 2000 Springbrunnen

Artikelbild

Gaudry daniel, wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Versailles war allerdings kein vielversprechender Standort. Der französische Schriftsteller und Politiker Saint-Simon schrieb in seinen Tagebüchern, Versailles sei “der traurigste und unwirtlichste Ort: Ohne Aussicht, Wald, Wasser oder Erde, nur Flugsand und Morast.” Dies, kombiniert mit Ludwigs großem Enthusiasmus für Wasserspiele, sorgte für immense Probleme.

Alles in allem dauerten die Arbeiten an der Gartenanlage von Versailles fast 30 Jahre: von 1662 bis 1688. Hunderte von Gärtnern und Arbeitern gruben riesige Kanäle, hoben Brunnen aus, wälzten das Erdreich um, und legten ganze Wälder an. Riesige Mengen an Erde mussten bewegt werden - alles in Handarbeit. Für die letztlich mehr als 2.000 Springbrunnen von Versailles gab es dennoch nie genügend Wasser. Für Ludwigs Spaziergänge durch seinen Garten wurden die Wasserspiele ein- und ausgeschaltet, so dass jeweils nur die in seiner unmittelbaren Umgebung tatsächlich funktionierten.

“Das prunkvolle Vergnügen, die Natur zu bezwingen”

Artikelbild

Dennis Jarvis, wikipedia (CC BY-SA 2.0)

André Le Nôtre schuf den Garten des Königs als ein monumentales Sinnbild der Macht, als Triumph der menschlichen Ordnungskraft über die widerspenstige Natur: und all das aus einem unwirtlichen Sumpfgebiet. “Das prunkvolle Vergnügen, die Natur zu bezwingen”, nannte es Saint-Simon spöttisch.

Doch Le Nôtres wahre Meisterleistung in Versailles liegt in der optischen Erschließung des gesamten Raums. Er spielt mit Proportionen, arbeitet mit optischen Täuschungen und Überraschungsmomenten. Blumen waren sparsam gesät. André Le Nôtre bevorzugte symmetrisch gepflanzte Baumgruppen und das berühmte Broderiepaterre: ein kunstvolles Muster aus zugeschnittenen Buchsbaumhecken und farbigen Kiesflächen. Alleen, Hecken und Bosketts bilden einen Kontrast zu den niedrigen, langgestreckten Parterres.

Die von Le Nôtre geschaffenen Gartenanlagen vor Versailles gelten heute als unumstrittenes Meisterwerk französischer Gartenbaukunst. Seine weiträumige, abwechslungsreiche und doch streng geometrische Raumorganisation fassen das Schloss, den Garten, und die gesamte Umgebung zu einem einheitlichen Grundplan zusammen: Dies macht Le Nôtre zum ersten großen Landschaftsgestalter.

Die Gärtnerin von Versailles – der Film

Im Film „Die Gärtnerin von Versailles“ erhält Le Nôtre - dargestellt von dem 37-jährigen Schauspieler Matthias Schoenaerts - Verstärkung durch die - fiktive - Landschaftsgärtnerin Sabine De Barra. Er wählt die junge Witwe aus, um ihm bei der Gestaltung der Gärten von Versailles zu helfen. Die unkonventionelle De Barra muss sich im Laufe der Handlung nicht nur gegen neidische Kollegen und Intrigen behaupten, es entwickelt sich auch eine Liebesgeschichte zwischen der Gärtnerin und ihrem Chef.

Tatsächlich war Le Nôtre, als er mit den Arbeiten in Versailles begann, beinahe 50 Jahre alt. Soweit bekannt, war er seiner Frau ein Leben lang treu. Das Paar hatte drei Kinder, die jedoch alle in jungen Jahren starben. Laut Saint-Simon war er „ehrlich, ehrenwert, und offenherzig, weshalb jedermann ihn liebte und achtete.“ Le Nôtre starb 1700, mit 87 Jahren. In den Tuilerien-Gärten steht heute sein Denkmal. “André Le Nôtre”, so die Inschrift, "dem Schöpfer der schönsten Gärten in Frankreich".

RPA, 30.04.2015

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