Die Suche nach dem richtigen Partner führt immer häufiger übers Internet. Bereits acht Millionen Deutsche nutzen das interaktive Medium zur Kontaktaufnahme. Doch nicht immer verbergen sich hinter viel versprechenden Nicknames in den Datenbanken auch wirklich flirtbereite Singles - der Grat zwischen Fake und Volltreffer ist schmal. wissen.de stellt Ihnen fünf seriöse Anbieter vor, die über ein reichweitenstarkes Angebot verfügen.
AMICA Singlebox
Die Verlagsgruppe Milchstraße hat in den 90er-Jahren eine beeindruckende Konzernentwicklung vorgelegt: Mit unverbrauchten Lifestyle-Illustrierten wie Max, Fit for Fun oder TOMORROW, die mit einer Mischung aus Zeitgeist, Esprit und Sex eine junge und jung gebliebene Zielgruppe ansprachen, avancierte die Milchstraße zum Emporkömmling der Verlagsbranche. Auch der 1996 gestartete Frauentitel AMICA hat unverkennbar die charakteristische Milchstraßen-Tönung: AMICA hat sich der modernen Frau und, wenig überraschend, ihrem liebsten Zeitvertreib, den Männern, verschrieben. In einer erstaunlichen Studie über die hervorstechendsten Charakteristika der Frauenblätter schrieb der Axel Springer Verlag AMICA-Leserinnen einst folgende Attribute zu: mobil, weltoffen und ungebunden.
Um letzteres indes nicht zum Dauerzustand werden zu lassen, hat AMICA als erste der Frauentitel ein Singlebeiheft etabliert, das Maßstäbe setzen sollte. Diese Marktlücke findet im Internet eine konsequente Fortsetzung: Die AMICA Singlebox öffnet sich für jeden User, der bereit ist, Angaben zur Person, Persönlichkeitsmerkmalen und Freizeitgestaltung zu machen. Statt der 100 Singles pro Heft finden sich in der Singlebox inzwischen über 50.000 Flirtwillige.
Die Singles aus der Box decken sich - und das ist die vielleicht größte Leistung der Marke - größtenteils mit der Zielgruppe des Printtitels: Trendige, szene-orientierte Twenty- und Thirtysomethings mit jeder Menge Lebenslust, Elan und Aktivitätsbedürfnis.
Die Benutzerfreundlichkeit der Site hinkt indes etwas der Konkurrenz hinterher: Die Singlebox ist eine kunstvoll gestaltete Themenwelt im Weichzeichnerstil . Leider ist die Anmeldung auch entsprechend umständlich. Großes Minus: Bei der Profilbeschreibung fehlt die Individualität - die Antworten im Profil können nicht selbst gegeben, sondern nur im Multiple-Choice-Verfahren ausgewählt werden. Eigene Bilder können zudem nicht hochgeladen werden. Bei einem für die weibliche Zielgruppe konzipierten Onlineangebot liegt der Frauenanteil von einem Drittel erstaunlich niedrig - das schwache Geschlecht hat also in der Singlebox die große Flirt-Auswahl; Männer müssen sich mit kreativen Mails ins Zeug legen.
Friendscout24.de
In einer ganz anderen Liga spielt das Internet-Angebot von Friendscout24.de. Als eine Tochtergesellschaft der Scout24-Gruppe, einem Netzwerk von Online-Marktplätzen und Branchenservice-Portalen zu dem auch Job-, Auto-, Gesundheits-, Finanz-, Immobilien- und Shopping-Sites gehören, ist Friendscout24.de zur mitgliederstärksten Singlebörse im deutschsprachigen Raum aufgestiegen: Knapp eine Million Singles sind inzwischen registrierte Mitglieder!
FriendScout24 positioniert sich als Online-Kontaktservice für Menschen, die andere für Freizeit, Reisen, Sport und Partnerschaft kennen lernen möchten. Die Selbstbeschreibung erfolgt über ein Profil, das individuell gestaltet werden kann: Bis zu 25 Fragen (Von „Was ist Ihnen wichtig in einer Beziehung?“ bis zu „ Wofür würden Sie Ihr Leben riskieren?“) bieten einen umfassenden Eindruck der Mitglieder; Fotos können nach Wunsch hochgeladen werden. Seit neuestem operiert Friendscout auch mit dem Matching-Service auf Basis eines Persönlichkeitstests; bereits 60.000 Mitglieder haben sich hierfür angemeldet.
Es besteht kein Zweifel: Friendscout liegt bei den deutschen Singlebörsen ganz vorn. Die Site ist sehr seriös konzipiert und verspricht ein Flirten jenseits des Bagger-Niveaus. Die Profile der User sind aussagekräftig wie kaum eine andere Partnersuche-Seite. Zudem pflegt Friendscout den interaktiven Gedanken: Auf der Site ist ein Chat integriert, der auch im Einzeldialog geführt werden kann. Die Profile der User weisen entsprechend auf den Online-Status hin.
Gerade für Frauen bietet Friendscout eine optimale Auswahlmöglichkeit: Das Männer-Frauen-Verhältnis mit zwei zu eins zugunsten des stärkeren Geschlechts verschoben. Etwas schaler Beigeschmack für Männer: Wer kein Foto auf dem Profil parat hält, hat kaum Kontaktchancen. Diese zwangsläufige Überbetonung der Visualität untergräbt etwas den anspruchsvollen Charakter der Site.
Liebe.de
Mit knapp 400.00 Einträgen ist liebe.de seinem Konkurrenten Friendscout am dichtesten auf den Fersen. Der qualitative Abstand ist jedoch weitaus größer als die Differenz in den Mitgliederzahlen erahnen lässt. Zwar ist der Name der URL ein sicherer Traffic-Garant, doch schon die optische Qualität der Site wirkt sehr hausgemacht, das Design total überholt, wie ein Relikt der frühen Tage des Internet.
Leider täuscht dieser visuelle Eindruck nicht: liebe.de präsentiert sich gemessen an der Selbstdarstellung eher wie ein jugendlicher Service für Landeier denn wie eine gehobene, stilvolle Partnersuche. Sehr ärgerlich vor allem: Unter die Inserate mischen sich auch immer wieder einige Fakes, die sich schlimmstenfalls als Köder für 0190-Nummer herausstellen. Angezogen werden diese 'False Friends’ vor allem durch das Kontaktkriterium „Seitensprung“: Welche moderne Frau wird solche Absichtsbekundungen allen Ernstes über das Internet verbreiten?
Auch die anderen Profil-Charakteristika bieten wenig Möglichkeit zur individuellen Präsentation: Neben den obligatorischen Basisdaten (Körpergröße, Gewicht, Augenfarbe, etc.) bieten nur drei weitere Unterpunkte („Hobbies und Interessen“, „Beschreibung“ und „Abneigung“) Raum für Persönliches.
Fazit: liebe.de, das mit 65 zu 35 Prozent ein durchschnittliches Männer-Frauenverhältnis aufweist, fällt gegen die hochwertigeren Konkurrenten deutlich ab - daran ändert auch der Schwenk zu kostenpflichtigen Services (mit Sprachbox) nichts.
Love@Lycos (früher: Spraydate)
Es gab einmal eine Zeit, in der das Internet das coolste Ding schlechthin war: Ein Megamedium, das mutmaßliche Ticket zur großen weiten Welt. Reich werden konnte man mit dem Internet, wenn man nur die Aktien der Startups rechtzeitig besaß. Weil aber Erfolg an der Börse auch erarbeitet werden will, schufteten die jungen Onliner teilweise bis zu 16 Stunden in den Dot.com-Klitschen. Dass das keine Partnerschaft mitmachte bzw. erst zuließ, liegt auf der Hand.
Genau in diese Ära der Online-Euphorie stieß das schwedische Internetportal Spraynet vor, das einst zur Agentur Razorfish gehörte. Zum Deutschlandstart feierte Spraynet im Januar 2000 auf der Höhe der Internethausse im Hamburger Medienzentrum Kampnagel eine der opulentesten Launchparties der Internet-Geschichte: Hippe DJ-Taschen wurden an alle Gäste verschenkt, Cocktails flossen in Strömen - Spraynet legte einen Traumstart hin.
Das Herzstück des Portals war indes sein Datingservice Spraydate - nicht nur für die völlig überarbeitete Internetszene das Tor zum Flirt. Ein Jahr lang galt Spraydate als der hippste Datingservice des Internets - bis die Branche kollabierte. Der Rest ist Geschichte: Spraynet wurde von Lycos geschluckt und ins Netzwerk integriert - seitdem heißt Spraydate Love@Lycos. Doch mit dem Börsendesaster, so scheint es, sind nicht nur die coolen Onliner aus den Startups verschwunden - sondern wohl auch aus den einstigen Spray-Date-Foren!
Heute wirkt der Datingservice lieblos zahm: Die Klientel hat sich offenbar deutlich verjüngt, der Charme ist dahin. Zudem kommt die Seite nutzlos überladen daher: Wen interessiert wirklich, was ein „schwieriger Flirt“ sein könnte bzw. wer in der „Flirt-Parade“ vorn liegt und wie viele Dates hatte. Lycos@Lycos, das ebenso mit 65 zu 35 Prozent ein durchschnittliches Männer-Frauenverhältnis aufweist, ist ein Dating-Angebot für junge, verspielte User, die am Internet mindestens genauso viel Spaß wie an der tatsächlichen Partnersuche haben.
PARSHIP
Eine ganz andere Klientel spricht das jüngste Angebot zur Partnersuche an: Parship. Die Online-Partneragentur mit Persönlichkeitstest unterscheidet sich nicht nur im Anspruch - sie ist auch kostenpflichtig. 129 Euro zahlen Kunden für eine halbjährige Mitgliedschaft. Doch das mit gutem Grund: Parships Paarsuche basiert nicht auf dem Zufallsprinzip oder Goodwill, sondern auf einem ausgeklügelten Persönlichkeitstest, mit dessen Hilfe der ideale Partner gefunden werden soll.
Das passiert folgendermaßen: Mitglieder beantworten einen 93-Fragen umfassenden Test und erhalten im Anschluss ein ausführliches Gutachten, das Auskunft über die Ausprägung von Schlüssel-Charaktereigenschaften gibt. Dazu zählt vor allem die Verteilung zwischen den drei großen psychischen Kräften Instinkt, Gefühl, Verstand - sowie Kriterien wie Intro- und Extroversion, Kontaktwunsch und - hemmung, (Un-)Konventionalität, Durchsetzungswille, Ausgleichsbereitschaft und der Wunsch nach Partnernähe.
Auf Basis der Testergebnisse erstellt Parship ein Persönlichkeitsprofil anhand dessen der optimale Partner in der Datenbank gefunden werden soll. Damit erfolgt die Partnersuche bei Parship automatisch nach einem Matchingsystem. Mitglieder sehen in ihrer 'Matchbox’ die Mitglieder, die am besten zu ihnen passen - und können per Gesuch mit ihnen in Kontakt treten.
Ebenso können Mitglieder durch ihr Profil mit individuellen Beschreibungen (von „Ein Tag ist für mich perfekt, wenn ...“ bis zu „Was mein Partner über mich wissen sollte...“) persönlicher gestalten; auf Fotos wird verzichtet. Mit einem Frauenanteil von über vierzig Prozent liegt Parship deutlich über dem Vergleichsdurchschnitt; aktuell sind bereits über 150.000 Mitglieder registriert. Fazit: Parship bietet bei weitem das anspruchsvollste Angebot zur Partnersuche und richtet sich dabei gezielt an ernsthafte Interessenten.
Nils Jacobsen



