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Der Korse, der Europa veränderte
Bildquelle nicht angegeben
Leben & Lifestyle

Der Korse, der Europa veränderte

Die Geschichte der Machtergreifung Napoleons beginnt auf Korsika. Dort wird Napoleon am 15. August 1769 als eines von dreizehn Kindern geboren. Seine Familie gehört dem Kleinadel an und verfügt über gute Beziehungen. Mithilfe eines königlichen Stipendiums kann der junge Napoleon daher eine Kadettenschule auf dem…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

Unbekannt / Gemeinfrei

Die Geschichte der Machtergreifung Napoleons beginnt auf Korsika. Dort wird Napoleon am 15. August 1769 als eines von dreizehn Kindern geboren. Seine Familie gehört dem Kleinadel an und verfügt über gute Beziehungen. Mithilfe eines königlichen Stipendiums kann der junge Napoleon daher eine Kadettenschule auf dem französischen Festland besuchen. Dort fällt er durch sein besonderes Talent auf und wird bald von einer der renommiertesten Militärschulen Frankreichs aufgenommen, der École royale militaire in Paris.

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Antoine-Jean Gros / Gemeinfrei

Als Napoleon 20 Jahre alt ist, beginnt die Französische Revolution – ein entscheidender Wendepunkt in seinem Leben. Der junge Mann unterstützt die Aufständischen, die sich unter dem Motto "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" gegen die Alleinherrschaft des Königs wehren und bürgerliche Rechte einfordern. Dabei sieht er die Revolution zunächst vor allem auch als Chance für die Befreiung seiner Heimat Korsika.

Mit dem Revolutionsheer schafft Napoleon 1796 den Durchbruch, der schließlich den Weg zu seinem Aufstieg ebnet: Unter seinem Oberkommando gelingt im sogenannten Italienfeldzug der Sieg gegen österreichische und sardinisch-piemontesische Truppen. Napoleon wird schlagartig als Held berühmt, seine militärische Karriere geht von dort an immer steiler bergauf.

Kurzerhand selbst gekrönt

Mit dem Ende der Revolution und dem Sturz der Regierung 1799 wird Napoleon zum Herrscher über Frankreich: Erst wird er erster Konsul, wenig später lässt er sich vom Volk zum Kaiser wählen. Bei der Krönung kommt es zum Eklat: In der Pariser Kathedrale Notre Dame entreißt Napoleon dem Papst die Krone – und krönt sich kurzerhand selbst.

Napoleon nutzt seinen Einfluss, um im nachrevolutionären Staatsgefüge Frankreichs eine Reihe wegweisender Reformen anzustoßen. Er plant nicht nur die Finanzen neu und baut die Verkehrsstruktur aus, sondern verschafft auch den Bürgern neue Rechte. Mit dem "Code civil" veröffentlicht er das erste bürgerliche Gesetzbuch Frankreichs. Zentrale Gedanken der Revolution gießt er damit in ein Gesetzwerk, das in wesentlichen Teilen bis heute gültig ist.

Artikelbild

Jacques-Louis David  / Gemeinfrei

"Geist der Feindschaft"

Doch die Macht im eigenen Land reicht Napoleon nicht – er will sie auch auf andere Staaten erweitern und diese nach seinen Vorstellungen umformen. "Zwischen alten Monarchien und einer jungen Republik muss immer der Geist der Feindschaft herrschen", schreibt er 1804. "Ich glaube, solange ich Kaiser der Franzosen bin, ist mein Schicksal, fortwährend im Kampf zu stehen."

Dieser Prämisse folgend, wird Frankreich unter Napoleon in eine Reihe von Kriegen verwickelt, bei denen die Existenz ganzer Staaten infrage gestellt wird: Ob bei der Schlacht von Austerlitz oder im Feldzug gegen Preußen – in mehr als sechzig Schlachten ist Napoleon fast immer siegreich. Die Schnelligkeit seiner militärischen Entscheidungen und seine gute Aufklärung über den Feind werden berühmt-berüchtigt. Seine Späher besorgen dem Feldherrn aus allen möglichen Quellen Informationen über die gegnerischen Pläne.

Artikelbild

François Gérard / Gemeinfrei

Ein neues Europa

Im Frieden von Tilsit erweitert Napoleon seinen Machtbereich 1807 bis an die Grenze Russlands. Europa ist nun in eine französische und eine russische Interessensphäre geteilt. Den Kontinent, wie er früher einmal war, gibt es nicht mehr. Napoleon hat ein neues Europa erschaffen.

In seinem Weltreich führt Napoleon zahlreiche verwaltungs- und zivilrechtliche Neuerungen nach dem Vorbild von Frankreich ein. Nichtsdestotrotz werden der Kaiser und seine Armee vielerorts als unterdrückende Besatzer empfunden. Diese Tatsache befruchtet nicht zuletzt auch die Entstehung eines deutschen Nationalbewusstseins.

Desaster Russlandfeldzug

Am Ende fällt der Herrscher mit dem markanten Hut tief: Als Napoleon mit dem russischen Zaren bricht, weil sich dieser der von dem Franzosenkaiser initiierten Kontinentalsperre gegen Großbritannien widersetzt, beginnt der Anfang vom Ende. Mit einem Heer von 600.000 Mann, darunter Soldaten aus allen Teilen seines Einflussbereichs, zieht der Korse 1812 nach Osten.

Doch er scheitert: Zehntausende Soldaten sterben, Napoleon ist in der Defensive. Russland verbündet sich mit Preußen, Österreich und Schweden, die napoleonischen Truppen werden schließlich in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen. Auch innenpolitisch läuft es längst schlecht für Napoleon. Haben seine Kriegszüge anfangs noch Geld in die Staatskassen gespült, ist Frankreich durch den zunehmenden Militärbedarf in eine Wirtschaftskrise gerutscht. Die Kritik am Herrscher ist im Volk lauter geworden, als Antwort hat Napoleon die Zensur der Presse verschärft.

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Adolph Northen / Gemeinfrei

Exil und Verbannung

Angeschlagen zieht sich Napoleon 1814 ins Exil auf die Mittelmeerinsel Elba zurück. Doch ganz aufgegeben hat er noch nicht: Am 1. März 1815 gelingt ihm die Flucht nach Paris, wo er schnell wieder Truppen um sich sammeln und neue Macht gewinnen kann. Doch der Erfolg währt nur kurz. Bei der Schlacht von Waterloo endet die als "Herrschaft der 100 Tage" in die Geschichtsbücher eingegangene Wiedererstarkung Napoleons mit dem endgültigen Machtverlust.

Napoleon wird auf die Insel St. Helena verbannt, wo er am 5. Mai 1821 wahrscheinlich an Magenkrebs stirbt. Europa ist zu diesem Zeitpunkt längst neu geordnet worden. Auf dem Wiener Kongress sind zahlreiche Grenzen neu festgelegt und neue Staaten gegründet worden. Auf dem Kontinent hat die Ära nach Napoleon begonnen.

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Sir WilliamQuiller Orchardson / Gemeinfrei

Napoleons Erbe

200 Jahre später ist der einst mächtigste Mann Europas noch immer unvergessen: Er steht wie kein Zweiter für den Einzug der Moderne auf unserem Kontinent, aber auch für eine neue, totale Kriegsführung. War der Kaiser der Franzosen nun genialer Feldherr und Verwirklicher der Ideen der Französischen Revolution? Oder doch eher ein Kriegsverbrecher und Unterdrücker der Völker? Die Nachwelt ist gespalten ob dieser Frage.

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