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Der Mann aus dem Eis: Ötzi im Film und in der Wirklichkeit
Bildquelle nicht angegeben
Leben & Lifestyle

Der Mann aus dem Eis: Ötzi im Film und in der Wirklichkeit

Beim Fund einer Leiche ist eine der ersten Fragen: Wer ist der Tote? Das gilt auch für den berühmten Mann aus dem Eis. Als Wanderer am 19.September 1991 die mumifizierten Überreste von Ötzi in den Ötztaler Alpen entdecken, ist zunächst nur klar, dass dieser Tote sehr alt sein muss. Datierungen von Gewebeproben…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

Südtiroler Archäologiemuseum/Aichner

Beim Fund einer Leiche ist eine der ersten Fragen: Wer ist der Tote? Das gilt auch für den berühmten Mann aus dem Eis. Als Wanderer am 19.September 1991 die mumifizierten Überreste von Ötzi in den Ötztaler Alpen entdecken, ist zunächst nur klar, dass dieser Tote sehr alt sein muss. Datierungen von Gewebeproben mithilfe der Radiokarbonmethode ergeben: Der Mann aus dem Eis stammt aus der Zeit zwischen 3350 und 3100 vor Christus. Er ist damit mehr als 5.000 Jahre alt.

Das hohe Alter des Eismannes "Ötzi" ist eine Sensation. Denn er ist damit ein einzigartiger Zeuge der Vergangenheit und gehört zu den ältesten bekannten Mumien überhaupt. Als er starb, existierten weder Stonehenge noch die Cheopspyramide. In Mitteleuropa war gerade erst die Kupferzeit angebrochen und brachte einen tiefgreifenden Wandel von Lebensweisen und Handel mit sich.

Wer war Ötzi?

Doch wer genau war dieser Mann, der vor 5.300 Jahren am Tisenjoch starb? Seit der Entdeckung von Ötzis Überesten haben Forscher den Körper, die Kleidung, die Ausrüstung und selbst die Gene der Gletschermumie intensiv untersucht. In akribischer Detektivarbeit ist es ihnen so gelungen, einiges über die Identität dieses Mannes aus der Kupferzeit herauszufinden.

So war Ötzi bei seinem Tod wahrscheinlich rund 45 Jahre alt – nach heutigen Maßstäben ist dies gerade einmal im mittleren Alter, unter seinen Zeitgenossen gehörte der Gletschermann damit aber schon zu den Senioren. Mit einer Körpergröße von 1,60 Metern und einem Gewicht von 50 Kilogramm war Ötzi für damalige Zeit durchschnittlich groß und schwer. Er hatte wahrscheinlich braune Augen und trug braunes, langes Haar und einen Bart.

Trotz seines rüstigen Aussehens plagten den Gletschermann kurz vor seinem Tod bereits einige Zipperlein: Er hatte schlechte Zähne, litt unter Arterienverkalkung, Gelenkverschleiß und einer stark verrußten Lunge. Von seinem harten Leben zeugen zudem alte Erfrierungen am Fuß und verheilte Brüche der Rippen und der Nase.

Artikelbild

Südtiroler Archäologiemuseum/Ochsenreiter

Hirte, Schamane oder Flüchtling?

Welchen "Beruf" Ötzi ausübte und warum er in den Alpen unterwegs war, lässt sich in Teilen an seiner Ausrüstung und Kleidung ablesen. So trug er Kleidung aus dem Leder und Fell von mindestens fünf verschiedenen Tierarten. Der Köcher für seine Pfeile war aus Rehleder gefertigt, die Mütze aus Bärenfell. Ähnlich waren damals vermutlich viele Bewohner des Alpenraums gekleidet – ob Hirten, Bauern oder Jäger.

Auffällig aber: Ötzi trug ein steinzeitliches Heilmittel mit sich: Auf Fellstreifen aufgefädelt waren getrocknete Stücke des Birkenporlings, eines Pilzes, der gegen Entzündungen und Infektionen wirkt. Außerdem ist der Gletschermann an vielen Stellen seines Körpers tätowiert. Er trägt 61 in die Haut eingeritzte und mit Holzkohle eingefärbte Linien und Kreuze am Körper. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass dieser Mann zu Lebzeiten ein Schamane oder Heilkundiger war.

Und noch etwas ist ungewöhnlich: Ötzi war nicht nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet, er trug auch eine besonders wertvolle Waffe mit sich: ein Beil aus Kupfer. Dieses Metall war in der Jungsteinzeit selten und sehr begehrt und wurde oft über große Entfernungen hinweg herbeigeschafft – bei Ötzis Beil stammt das Metall sogar aus der Toskana. Objekte aus Kupfer waren deshalb Personen von hohem Rang vorbehalten. Der Mann aus dem Eis muss daher zur Elite seines Volkes gehört haben. Was ihn allerdings so hoch hinauf in die unwirtlichen Höhen der Alpen brachte, ist bis heute ungeklärt.

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