Der Patriarch als Stifter
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Der Patriarch als Stifter

Bild: Foto: Theodor Paul, Public domain, via Wikimedia Commons

Bis zuletzt begleitete Reinhard Mohn eng die Entwicklung der Bertelsmann AG, als Mitglied der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) und als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Bei der von ihm gegründeten Bertelsmann Stiftung gehörte er bis zu seinem Tode dem Kuratorium an.

Bis zuletzt begleitete Reinhard Mohn eng die Entwicklung der Bertelsmann AG, als Mitglied der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) und als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Bei der von ihm gegründeten Bertelsmann Stiftung gehörte er bis zu seinem Tode dem Kuratorium an.

Freiheit und Menschlichkeit

Mohns Führungsverständnis basierte auf Werten wie Freiheit und Menschlichkeit. Anlässlich seines 75. Geburtstages erschien ein Buch mit dem Titel "In Search of Homo Bertelsmannensis". Bertelsmann-Manager aus der ganzen Welt trugen zu dieser Essaysammlung bei. Sie schrieben über Management und Manipulation, Menschlichkeit und Moral und den hohen Grad an Identifikation mit dem Medienkonzern. Denn Bertelsmann ist - trotz seiner Größe von mehr als 100.000 Mitarbeitern und trotz seines Engagements in über 50 Ländern der Welt – ein Familienunternehmen geblieben. Und das verdankt es nicht zuletzt dem "Patriarchen", Reinhard Mohn, der schon als 25-Jähriger die Motivation und das Recht auf Mitbestimmung der Mitarbeiter proklamierte.

Aus der Gefangenschaft ins Verlagshaus

Reinhard Mohn wurde am 29. Juni 1921 in Gütersloh geboren. Sein Vater Heinrich Mohn übernahm im selben Jahr die Führung des bereits 1835 gegründeten Bertelsmann-Verlages mit damals 85 Mitarbeitern. 1939 machte Reinhard Mohn das Abitur und wurde zum Wehrdienst eingezogen. Als Leutnant der Luftwaffe in Rommels Afrika-Korps geriet er 1943 in Tunesien in amerikanische Gefangenschaft. In einem Offizierslager in Kansas lernte er Englisch und Grundkenntnisse der Mitarbeiterführung. Anfang 1946 kehrte Reinhard Mohn aus der Gefangenschaft zurück nach Gütersloh und übernahm das elterliche Druck- und Verlagshaus. Ab diesem Zeitpunkt ist sein Leben untrennbar mit dem Unternehmen verbunden.

Die Mitarbeiter und der Erfolg

Am 1. Juni 1950 gründete Mohn den "Bertelsmann Lesering", der heute als Buchclub weltweit bekannt ist. Den Mitgliedern wurden preisgünstige Bücher angeboten - und das bildungshungrige Bürgertum nahm die Angebote dankbar an. 1954 hatte der Buchclub bereits eine Million Mitglieder, sechs Jahre später waren es drei Millionen.

In den Anfangszeiten kämpfte der Jungunternehmer allerdings mit Banken und Behörden. Die Geldgeber scheuten das Risiko dieser rasanten Expansion, gleichzeitig forderte der Staat hohe Steuern.

Da kam Reinhard Mohn die geniale Idee: Er beteiligte seine Mitarbeiter am Unternehmensgewinn. Das schmälerte die Abgabenlast gewaltig. Gleichzeitig motivierte es die Mitarbeiter, sicherte deren Treue zum Unternehmen und entsprach ganz den partnerschaftlichen Prinzipien, die Mohn vorschwebten. Die Mitarbeiter durften ihr Kapital allerdings erst im Pensionsalter abziehen. Bis dahin konnte die Firma mit dem Geld als Darlehen wirtschaften. Bertelsmann war nicht mehr zu bremsen.

Mohn fährt Wachstumskurs

1958 stieg Mohn ins Musikgeschäft ein und gründete die Schallplattenfirma Ariola. Sechs Jahre später übernahm er die Berliner Filmproduktionsgesellschaft Ufa. 1969 beteiligte sich Bertelsmann mit 25 Prozent am Druck- und Verlagshaus Gruner + Jahr und eroberte so den Zeitschriftenmarkt. 1971 schließlich wandelte Reinhard Mohn sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um.

Der Stifter

Mit Gründung der Bertelsmann Stiftung setzte Mohn das gesellschaftspolitische Engagement der Familien Bertelsmann und Mohn fort: Seit 1977 fördert die Stiftung kulturelle, wissenschaftliche, soziale und politische Projekte; gleichzeitig soll sie aber auch die Unternehmenskontinuität sichern. Mit 60 Jahren schließlich trat Reinhard Mohn, wie es die Unternehmensregeln vorschreiben, als Vorstandsvorsitzender zurück und übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat der Stiftung. Um den Fortbestand seiner Ideen nach seinem Ausscheiden zu sichern, übertrug er 1993 seine Anteile an der Bertelsmann AG auf die Stiftung: "Das Vermögen der Bertelsmann AG hat eine Größenordnung, die über jeden persönlichen Bedarf hinausgeht. So viel Geld braucht kein Mensch", erklärte er.

In den folgenden Jahren expandierte das Medienhaus weiter durch Zukäufe, Fusionen und Neugründungen von Tochterfirmen. Heute zählen Random House, BMG und die RTL Group zu den bekanntesten Labeln des Konzerns.

Unternehmer des Jahrhunderts

Zu den zahlreichen Ehrungen, die Reinhard Mohn zuteil wurden, gehören das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1994), die Ehrenmitgliedschaft im Club of Rome (1996), die Goldmedaille des Bundesverbands deutscher Stiftungen, der Bundesverdienstorden mit Stern der Bundesrepublik Deutschland und der Prinz-von-Asturien-Preis des spanischen Königshauses (alles 1998). Im gleichen Jahr wurde er zum Unternehmer des Jahrhunderts ernannt. 1999 erhielt Reinhard Mohn den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und wurde mit dem Hanns-Martin-Schleyer-Preis sowie dem Spanischen Großkreuz ausgezeichnet. Die Ehrendoktorwürde der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wurde ihm 2001 verliehen. Für Verdienste um die Stadt Jerusalem erhielten er und seine Ehefrau Ende Oktober 2003 den Teddy-Kollek-Preis. Noch im Jahr 2007 bekam er den deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk.
Reinhard Mohn war in zweiter Ehe mit Elisabeth Beckmann, genannt Liz Mohn, verheiratet, hinterlässt sechs Kinder und lebte bis zuletzt auf seinem Bauernhof bei Gütersloh.

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