Der Pianist und Klaviermusik-Prophet
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Der Pianist und Klaviermusik-Prophet

Bild: Foto: unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons

Clara - kleine Schwester, Muse und Geliebte

Schumann wurde am 8. Juni des Jahres 1810 am Marktplatz in Zwickau geboren. Sein Vater August, der Sohn eines Pfarrers, war ein tüchtiger Buchhändler, Verleger und Autor. Robert war das jüngste von fünf Kindern. Allerdings wurde die erzgebirgliche Idylle bald dadurch gestört, dass der Junge wegen eines Nervenleidens seiner Mutter schon sehr früh in die Obhut einer Pflegemutter gegeben werden musste, ein Umstand, der später für eine besonders intensive und gleichzeitig schwierige Bindung zur leiblichen Mutter sorgte. Auch der Tod des Vaters – Schumann war sechzehn – und der Selbstmord der Schwester ein Jahr zuvor schlug Wunden in der Seele, die wohl nie zuheilten und zusammen mit einer genetischen Disposition für das zeitlebens labile psychische Gleichgewicht gesorgt haben könnten.

Robert bekam früh die Chance, beim Organisten an der Zwickauer Marienkirche Klavierunterricht zu genießen. Das Bild einer künstlerisch mitgeprägten Jugend rundet sich, wenn man erfährt, dass schon der Schüler tief in die literarischen Welten von Jean Paul, Novalis, E.T.A. Hoffmann, Hölderlin oder Novalis abtauchte. Schumann probierte sich bald auch selbst aus: als Komponist wie als Literat. Zu all dem will wirklich nicht recht passen, dass Robert nach dem Willen seiner Mutter in Leipzig Jura studieren sollte. Bald reifte der Entschluss, sich ganz der Musik zu widmen. Schumann lernte den Klavierpädagogen Friedrich Wieck kennen, war schwer beeindruckt von dem Klavierspiel von dessen Wunderkind Clara und wollte selber Klavierschüler Wiecks werden.

Schumann nahm Wieck als eine Art Ersatzvater an. Clara, die hochbegabte, umfassend geschulte leibliche Tochter, deren Mutter die Familie gen Berlin verlässt, wurde eine Art kleine Schwester Schumanns – zunächst. Das Wort „zunächst“ ist auch angebracht für Schumanns Schülerdisziplin. Doch schon bald verdüsterte sich das Verhältnis zum fordernden Lehrer Wieck, der aus Robert einen „Paganini des Klaviers“ machen sollte, seine kompositorische Begabung erkannte, aber dessen unsteter, verschlossener Charakter ihm fremd blieb.

1832 änderte sich dann Schumanns Leben: Die eigene Karriere als Pianist wurde unmöglich, weil er den dritten Finger seiner rechten Hand irreparabel durch eine selbstgebastelte Apparatur schädigte, die mehr technische Unabhängigkeit der Finger beim Spielen bringen sollte. Von nun an trat Clara verstärkt in sein Blickfeld und Leben – als pianistisches Medium seiner Musik, als Muse und bald auch als stark romantisierend überhöhtes Wunschbild seiner Liebe. Der labile Schumann mit dem gelähmten Finger war somit in vielerlei Hinsicht auf sie angewiesen. Claras Vater, ihr gemeinsamer Lehrer Friedrich Wieck, war nicht ansatzweise gewillt, einer Heirat der beiden zuzustimmen. Ihm erschien Schumann nicht ganz zu unrecht als zu labil und somit als Gefahr für Claras Karriere und Glück.

Bis zum Jahr 1840, als Clara im September endlich volljährige 21 Jahre zählte und die Heirat nach gerichtlichen Auseinandersetzungen schließlich doch möglich wurde, komponierte Schumann seine bedeutendsten Klavierwerke: darunter die drei Klaviersonaten, den Carnaval-Zyklus, die Symphonischen Etüden, die Davidsbündlertänze, die Phantasie C-Dur, die Humoreske oder die sich an E.T.A.Hoffmann entzündenden Kreisleriana. Die fis-Moll-Sonate ist sicher eine der bedeutendsten Werke der gesamten romantischen Literatur. Sie ist explizit „Clara zugeeignet von Florestan und Eusebius“, während die nicht minder bedeutende f-Moll-Sonate nach Schumanns Aussage „einen einzigen Herzensschrei“ nach Clara bedeutet.

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