Der "sechste Sinn" – Grenzbereich der Wissenschaft?
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Der "sechste Sinn" – Grenzbereich der Wissenschaft?

Bild: Foto: Martinus KE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der sechste Sinn: Eine physikalisch messbare menschliche Fähigkeit? Oder einfach nur bloßer Zufall oder Aberglaube? Immerhin halten es fast 75 Prozent aller Deutschen für vorstellbar, dass Menschen spüren, wenn sich eine nahestehende Person in Gefahr befindet. Und 20 Prozent haben selbst schon einmal so eine Erfahrung gemacht.

Übersinnliche Fähigkeiten

Was versteht man eigentlich unter dem "sechsten oder siebten Sinn"? Der Volksglaube verbindet damit eine Wahrnehmung, die über die fünf - physikalisch messbaren - Sinne, also Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen hinausgeht. Dazu gehören Hellsehen, Telepathie, auch das Vorausahnen von Gefahren oder eine plötzliche Eingebung. Im Horrorhit "The Sixth Sense" wollten mehrere Millionen Kinobesucher das Geheimnis des kleinen Jungen erfahren. Die Geister Verstorbener attackieren den achtjährigen Cole beim Spielen, sie schrecken ihn aus dem Schlaf. Doch nur er kann seine Peiniger sehen. Paranoid oder übersinnlich begabt? Die Faszination des Okkulten, des Jenseitigen und des mit herkömmlichen Mitteln nicht Erklärbaren bietet immer wieder genügend Stoff für neue Leinwandthriller. Auch Fernsehserien wie Akte X haben längst Kultstatus – Parapsychologie im Wohnzimmer. Doch was ist wirklich dran an solchen außersinnlichen Fähigkeiten?

Verschiedene Formen eines sechsten oder siebten Sinns, so Parapsychologen, erschließen uns den Zugang zum Übernatürlichen. Unter Präkognition verstehen die Wissenschaftler das so genannte Vorauswissen. Menschen mit dem "zweiten Gesicht" sehen Ereignisse, die zu einem späteren Zeitpunkt eintreten. Hellseher hingegen besitzen die Fähigkeit vergangene, gegenwärtige oder künftige Ereignisse wahrzunehmen. Menschen mit telepathischen Kräften können Empfindungen oder Gedanken unmittelbar auf eine andere Person übertragen. Übersinn oder Unsinn? Halten diese Erfahrungen auch der wissenschaftlichen Überprüfung stand? Am Institut für Grenzgebiete der Psychologie in Freiburg gibt es nicht nur eine Beratungsstelle für Menschen, die mit dem Phänomen des "sechsten Sinns" Erfahrungen gemacht haben - hier wird auch seit zehn Jahren untersucht, ob sich diese Fähigkeiten mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen lassen.

Erforschung des Phänomens

Eine Untersuchung an der Universität Freiburg: Ein frisch verliebtes Paar wird auf seine außersinnlichen Fähigkeiten getestet. Die Gehirnströme von Georg sollen gemessen werden – genauso wie die von Maren, seiner Freundin. Es geht um die Messung eines geheimnisvollen Phänomens: Die Suche nach dem sechsten beziehungsweise siebten Sinn. Die Psychologen beobachten am Monitor das Verhalten von Georg und Maren, die von einander getrennt in abgeschirmten Kabinen sitzen. Gehirnströme und Augenreaktionen werden aufgezeichnet, während sich Georg eine Auswahl von Bildern ansieht: erotische Fotos, aber auch schockierende Aufnahmen von Unfällen und Katastrophen. Kann Maren über die Entfernung hinweg Gefühle und Gedanken von Georg spüren? Obwohl sie nur harmlose Bilder sieht, müssten dann auch ihre Hirnströme eine so starke Reaktion wie Georgs zeigen. Bei einer Übereinstimmung zwischen den Messwerten des Paares wäre es gelungen, den sechsten Sinn zu messen und zu bestimmen. Doch die Übereinstimmung bleibt aus. Der sechste Sinn ist mit diesem Experiment wissenschaftlich also nicht nachweisbar. Dennoch existiert er für manche Menschen. Für die Forschung bleibt er ein unerklärbares Phänomen.

Die erste repräsentative Umfrage in Deutschland wurde zum Thema "Sechster Sinn" beziehungsweise außersinnliche Wahrnehmung am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) der Universität Freiburg durchgeführt. Insgesamt wurden rund 1500 zufällig ausgewählte Personen aus der ganzen Bundesrepublik befragt. Im ersten Teil des Interviews ging es darum, ob man sich vorstellen kann, dass es bestimmte rätselhafte Dinge, von denen immer wieder berichtet wird, tatsächlich gibt. Über die Hälfte der Bevölkerung halten solche Phänomene für denkbar.

Bemerkenswert ist auch, dass eine unsichtbare Verbindung zwischen Menschen besonders dann für möglich gehalten wird, wenn es sich um existentielle Lebenssituationen wie Tod und Gefahr handelt. Offensichtlich ist man geneigt, in Bezug auf emotionale Extremsituationen auch extremer zu denken. Im zweiten Teil des Fragebogens wurde gefragt, ob man bestimmte Erfahrungen schon einmal selber gemacht hat. Das Ergebnis: Rund jeder Fünfte kann von einem solchen Erlebnis berichten. Lässt man die Leute erzählen, so zeigt sich, dass die Deutung aber keineswegs immer gleich ist. Einige suchen nach einer normalen Erklärung für ihr Erlebnis, andere wiederum sagen, dass es eben mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, und andere wiederum lassen die Erfahrung als Erfahrung einfach stehen (nach dem Motto: "Erklären kann ich es nicht. Aber so habe ich es erfahren.").

Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Umfrage eindrückliche Zahlen zu Tage gefördert und gezeigt hat, dass auch bei uns in Deutschland ein überraschend großer Teil der Bevölkerung Dinge für theoretisch möglich hält, die nicht zu dem Weltbild der etablierten Wissenschaft passen. Natürlich umfasst das mehrjährige Projekt weit mehr, als dies hier in der Kürze umrissen werden kann.

Anne Hartmann, © ZDF online

Kontakt

Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP)
Von einer Stiftung getragene Organisation mit Sitz in Freiburg
http://www.igpp.de/

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