Hausarrest für Mielke und Honecker
Am 17. November war das Ministerium für Staatssicherheit offiziell in Amt für nationale Sicherheit umbenannt worden. Stasi-Chef Erich Mielke verlor seine Ämter und wird am 5. Dezember ebenso wie Erich Honecker und andere ehemalige SED-Politbüromitglieder in der Waldsiedlung Wandlitz unter Hausarrest gestellt. Doch unter Leitung früherer Stasi-Offiziere, darunter Generaloberst Rudi Mittig, bestanden die alten Strukturen weiter fort. Mittig und andere leitende Mitarbeiter erklären am 5. Dezember ihren Rücktritt, im Amt bleibt der umstrittene Behördenleiter Wolfgang Schwanitz.
Dieser hatte sich nach seiner Ernennung zwar von den früheren Praktiken der im DDR-Volksmund "VEB Greif und Horch" genannten Stasi distanziert und eine Verringerung der Mitarbeiterzahl um 8000 angekündigt, doch seine Stellung wird unhaltbar, als er am 7. Dezember zugeben muss, die Vernichtung von Akten in seinem Bereich befohlen zu haben.
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Der Bürgerzorn eskaliert
Am selben Tag eskaliert der Bürgerzorn erneut: In Dresden, Cottbus, Rostock und Suhl stürmen und besetzen wütende Bürger die Bezirksämter einschließlich der Sicherheitsabteilungen. Dabei werden zahlreiche Behördenmitarbeiter verletzt und die Amtsräume verwüstet.
Die Forderung nach endgültiger Auflösung der Geheimpolizei gehört zu den wichtigsten Anliegen der DDR-Opposition. Am 7. Dezember einigen sich Opposition und Regierungsparteien am Runden Tisch auf die Auflösung des Staatssicherheitsdienstes. Am 17. Dezember wird ein Kontrollausschuss zur Auflösung des Amtes für nationale Sicherheit gebildet. Trotzdem hält die von Hans Modrow (SED) geführte Regierung bis Mitte Januar 1990 an der Notwendigkeit eines Verfassungsschutzes fest.
Erst als am 15. Januar die MfS-Zentrale im Ostberliner Stadtteil Lichtenberg von Tausenden aufgebrachter Bürger gestürmt und in Jena, Gera und Ost-Berlin mit Warnstreiks für die sofortige Auflösung des Amtes für nationale Sicherheit demonstriert wird, kommt das endgültige Ende für die DDR-Geheimpolizei.
"In die Volkswirschaft eingegliedert"
Zu diesem Zeitpunkt sind nach offiziellen Angaben von den 85 000 hauptamtlichen Mitarbeitern bereits 30 000 entlassen und weitere 20 500 in die Volkswirtschaft der DDR eingegliedert. Von den restlichen 32 500 Stasi-Angestellten sollen 20 000 in der nächsten Zeit entlassen werden, die übrigen 12 500 werden nach Regierungsangaben noch zur beschleunigten Auflösung des ehemaligen MfS benötigt.
Angesichts der für den 18. März angesetzten Volkskammerwahlen beschließt der DDR-Ministerrat am 8. März, die 109 000 informellen Stasi-Mitarbeiter offiziell von ihren Verpflichtungen zu entbinden. Damit sollen Befürchtungen in der Bevölkerung entkräftet werden, die vielfach zu den Spitzeldiensten gezwungenen IM könnten weiterhin konspirativ tätig sein. Zugleich entbindet der Ministerrat jene Bürger von ihrer Schweigepflicht, die von "verfassungswidrigen Maßnahmen" des MfS betroffen waren.
Späte Enttarnung vieler Stasi-Mitarbeiter
Trotz der Auflösung des MfS belastet das Erbe des Überwachungsstaats noch lange Zeit das politische Klima in Deutschland. Die hohe Zahl der Stasi-Mitarbeiter und Informanten erschwert eine Aufarbeitung des Unterdrückungsapparates. Immer wieder werden Prominente als IM enttarnt, so am 14. März 1990 der Rechtsanwalt Wolfgang Schnur aus Rostock, Vorsitzender und Spitzenkandidat der Partei Demokratischer Aufbruch.



