Die Autorin
Julia Franck wurde 1970 in Berlin-Lichtenberg geboren. Sie studierte an der Freien Universität Berlin zuerst Jura, später dann Altamerikanistik, Neuere deutsche Literatur und Philosophie. Während der Schul- und Studienzeit verdiente sie ihr Geld u. a. als Kindermädchen, Kellnerin, Putzfrau und Phonotypistin. Als Schriftstellerin debütierte sie 1997 mit „Der neue Koch“ - einem Roman, der die Innenansicht einer Frau schildert, die in ihren wohlhabenden Lebensumständen verharrt, wohl aber die Intrigen um sie herum erkennt und andere Möglichkeiten für sich ersehnt. Im Abstand von zwei beziehungsweise einem Jahr veröffentlichte Julia Franck dann den Roman „Liebediener“ und den Erzählband „Bauchlandung“. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder erschien 2003 der Roman „Lagerfeuer“. Aus vier Perspektiven von Flüchtlingen erzählt, setzt der Roman ein Bild des Westens der 70er Jahre zusammen.
Das Buch
In dem nun ausgezeichneten Roman „Die Mittagsfrau“ (2007) geht es um Helene, eine Frau, die unbeschwert in der Lausitz aufwächst. Als der Vater schwer verwundet vom Ersten Weltkrieg zurückkehrt und zu Hause stirbt, leidet sie unter der wachsenden Kälte der jüdischen Mutter und zieht in den 20er Jahren mit ihrer Schwester Martha nach Berlin. Den Zweiten Weltkrieg übersteht Helene unbeschadet als Ehefrau eines Nazis. Die Ehe mit Wilhelm scheitert zwar, doch bringt Helene noch einen gemeinsamen Sohn zur Welt. Auf der Flucht schließlich lässt sie den achtjährigen Peter allein auf einem Bahnhof zurück. Knapp zehn Jahre später sehen sich Mutter und Kind wieder.
Die Jury lobte den Roman vor allem für seine „sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität“. Und er sei „Ein Roman für lange Gespräche“.
Die Finalisten 2007
Für die Finalrunde (Shortlist) des Deutschen Buchpreises nominiert waren neben Julia Franck auch Katja Lange-Müller („Böse Schafe “), Thomas Glavinic („Das bin doch ich“), Michael Köhlmeier („Abendland“), Thomas von Steinaecker („Wallner beginnt zu fliegen“) und der diesjährige Georg-Büchner-Preisträger Martin Mosebach („Der Mond und das Mädchen“). Insgesamt lagen der Jury 117 Titel in deutscher Sprache vor, die zwischen Oktober 2006 und September 2007 erschienen sind. In diesem Jahr setzte sich die Jury zusammen aus dem Lektor Christian Döring, den Literaturkritikern Felicitas von Lovenberg (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Mathias Schreiber („Der Spiegel“), Hajo Steinert (Deutschlandfunk), Ijoma Mangold (Süddeutsche Zeitung) und Karl-Markus Gauß („Literatur & Kritik“) sowie dem Düsseldorfer Buchhändler Rudolf Müller.
Der Deutsche Buchpreis
Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse einen Roman in deutscher Sprache aus. Die Verleihung findet im Kaisersaal des Frankfurter Römer statt. Ziel des Preises ist es, über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit zu schaffen für deutschsprachige Autoren, das Lesen und das Leitmedium Buch.
Mit ihren Titeln für den Preis bewerben können sich Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch Titel, die sich zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch in der Produktion befinden, sind zum Auswahlverfahren zugelassen. Die sieben Juroren, die jährlich wechseln, prüfen alle eingereichten und den Teilnahmekriterien entsprechenden Bücher. Der Preisträger wird in mehreren Auswahlstufen ermittelt.



