Als die letzten Töne der Musik ihrer Kür verklangen, wirkten die deutschen Eiskunstläufer Aliona Savchenko und Robin Szolkowy nicht, als könnten sie sich über ihre Leistung freuen.
Nicht enttäuscht, aber fragend blickten sie einander in die Augen. Fast schien daraus ein wenig Verzweiflung zu sprechen. Dabei hatten die beiden gerade eine beeindruckende Leistung vollbracht. Aber sie wussten um ihre Fehler und dass die Konkurrenz aus China stark gelaufen war.
In diesem Moment hieß es auch vor dem Fernseher hoffen für ein Paar, dass es in den letzten Jahren wahrlich nicht leicht gehabt hatte.
Aliona Savchenko stammt aus der Ukraine und war bereits mit ihrem ehemaligen Partner Morozov als Juniorin sehr erfolgreich. Als dieser sich jedoch eine neue Partnerin wünschte, schien ihre Karriere zunächst beendet. Wäre da nicht die Zusammenführung mit dem Chemnitzer Einskunstläufer Robin Szolkowy gelungen, der nach einer mäßgen Karriere als Paarläufer mittlerweile in einer Synchron-Eislaufgruppe hobbymäßig mitlief. Nach einem ersten Treffen 2003 begannen die beiden zusammen zu trainieren und gewannen bereits ein halbes Jahr später die Deutsche Meisterschaft.
Bei ihren ersten Europameisterschaften 2005 erreichten sie auf Anhieb Platz 4, wurden bei der WM 6. Doch mit dem Jahr der Olympischen Spiele kamen die Probleme. Zunächst etliche Querelen um Savchenkos Einbürgerung, dann der Skandal um Trainer Ingo Steuer.
Seine Spitzeldienste für die Stasi wurden zur Staasaffäre, die sogar Kreise in die Politik zog. Bis heute ist das Verhältnis zwischen Steuer und der Deutschen Eislaufunion, die einst Steuer als Weltmeister 1998 feiern konnte, gespannt. An all dem Hickhack hatten jedoch am meisten die beiden Sportler zu leiden, denen zwischenzeitlich Steuer sogar als Trainer verboten worden war.
Aus diesen Schwierigkeiten gestärkt herauszugehen, kann man durchaus als enorme Willensleistung sehen. Zusammen mit ihrem Trainer Steuer wurden die beiden Eiskunstläufer Europameister 2007 und 2008 und im letzten Jahr WM Dritte.
Die Krönung ihrer Karriere sollte am 19. März im Göteborger Skandinavium folgen. Nach dem Kurzprogramm hinter den Chinesen auf Platz 2 liegend, hatten Savchenko und Szolkowy wohl eine unruhige Nacht verlebt, zu der auch der verärgerte Trainer beigetragen hatte.
Dass in der Kür noch viel aufzuholen war, konnte man dennoch vermuten. Zumal diese von allen Kürprogrammen des Abends den höchsten Schwierigkeitsgrad hatte. Die Musik der beiden war ebenfalls ein risikoreicher Traum: "L´oiseau" ("Der Vogel") aus dem Programm des Cirque de Soleil. Zu diesen leisen und ruhigen Tönen musste eine perfekte Leistung vollbracht werden, da diese sonst ihre Wirkung verlor. Bis zum dreifachen Salchow schien dies zu klappen, doch dann folgte ein Sturz beider Läufer. Unbeeindruckt setzten sie allerdings ihre Kür fort - und rissen damit die Menschen in Schweden und in Deutschland mit. Krönender Abschluss war der abschließende Einzelsprung Savchenkos in die letzten Takte der Musik. Der Mut, den das Vorhaben widerspiegelte, eine Höchstschwierigkeit ans Ende der Kür zu setzen, sollte belohnt werden.
Wenige Minuten später war Aliona Savchenko und Robin Szolkowy klar, dass sie die neuen Weltmeister sein würden - und damit einen neuen Höhepunkt ihrer Karriere erreicht haben.
Ich gönne diesem sympatischen Paar, das mit soviel Schwierikeiten zu kämpfen hatte, diesen Titel von Herzen. Dass sie nun für die Olympischen Spiele 2010 auch beste Chancen haben, gilt als selbstverständlich.
Einmal mehr beweist die Geschichte der ersten deutschen Paarlauf-Weltmeister seit 10 Jahren, dass die wahren Sieger, diejenigen sind, die niemals aufgeben und dadurch gegen alle Widerstände ihre Ziele erreichen.

Bild: Foto: Abraham Pisarek, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons
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