Die Vorgeschichte der ARD-Fernsehlotterie reicht bis in die ersten Jahre nach dem weiten Weltkrieg zurück. Im weitgehend zerstörten Berlin versuchten die Menschen, sich unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben aufzubauen; viele hatten keine eigene Wohnung, keine Arbeit und waren auf Hilfe von außen angewiesen. Als dann im Juni 1948 noch die Blockade West-Berlins durch die Rote Armee begann, traf es die Bevölkerung besonders hart. Am Schlimmsten waren Kinder und ältere Menschen betroffen – besonders ihnen musste geholfen werden. Sofort leitete der Deutsche Städtetag mit dem „Hilfswerk Berlin“ erste Maßnahmen für die Menschen ein. "Ein Platz an der Sonne" hieß der Slogan der Aktion, der sich bis heute der deutschen Öffentlichkeit tief eingeprägt hat.
Mit den legendären "Rosinenbombern" der Alliierten, welche die Berliner Bevölkerung während der Blockade mit Hilfsgütern und Lebensmitteln versorgten, wurde Kindern eine Ferienreise nach Westdeutschland ermöglicht. Bereits am 20. September 1948 konnten die ersten Berliner Kinder einen der legendären „Rosinenbomber“ besteigen. Im Westen warteten Gastfamilien oder organisierte Feriendörfer auf die Kleinen, um sich sechs Wochen rührend ihrer anzunehmen.
Jochen Richert ist der „Gründervater“ der ARD-Fernsehlotterie. Er koordinierte als damaliger Pressereferent des Hilfswerks Berlin alle Hilfsaktionen. Richert verstand damals sofort, welche Chancen das noch junge Medium Fernsehen bot. Unter seiner Regie griff das Erste Deutsche Fernsehen die Hilfsaktion auf und veranstaltete am 28. April 1956 die erste Fernsehlotterie unter dem Titel "Ferienplätze für Berliner Kinder". Er erfand das sprichwörtliche Motto „Mit fünf Mark sind Sie dabei!“ und wurde als Ziehungsleiter schnell zum Fernsehstar.
Die Aktion war auf Anhieb ein großer Erfolg: 1,6 Mio. DM wurden eingespielt und verhalf über 55.000 Berliner Kindern zu einer Ferienreise - für die meisten Kinder der Nachkriegszeit die ersten Ferien im Leben. Damit begann die Geschichte der ältesten und traditionsreichsten Fernsehlotterie der Welt, der Grundstein für die ARD-Fernsehlotterie als eine der größten sozialen Lotterien in Deutschland war gelegt. Die erste Redaktion der Fernsehlotterie logierte noch in einem vom Zirkus Hagenbeck gespendeten Zirkuswagen auf dem heutigen NDR-Gelände in Hamburg-Lokstedt. Der Erfolg der ersten Fernsehlotterie gab den Impuls, die Zielgruppen der Hilfe auf Familien und ältere Menschen auszuweiten.
Ein Platz an der Sonne
Wer in den 60er und 70er Jahren in Deutschland aufgewachsen ist, für den ist "Ein Platz an der Sonne" zum Synonym für Fernsehunterhaltung einerseits und für spendenfinanzierte soziale Hilfe andererseits geworden. Sowohl die TV-Präsenz im "Ersten" als auch die Ergebnisse der Lotterien etablierten sich in den 60er Jahren ganz vorn: Die größte Lostrommel der Welt bildete den würdigen Rahmen für stets neue Rekord-Teilnehmerzahlen. 1961 nahmen 2,8 Millionen Personen teil, 1968 waren nicht weniger als 12 Millionen Lose im Umlauf. Und die Millionen Scheine wollten schließlich publikumswirksam durcheinandergewirbelt werden ...
Die Einspielerlöse stiegen dementsprechend dramatisch:
| 1956 - 1988 | 778.082.630,33 EUR |
| 1989 | 35.494.230,07 EUR |
| 1990 | 40.914.762,53 EUR |
| 1991 | 62.811.052,09 EUR |
| 1992 | 65.484.300,78 EUR |
| 1993 | 62.160.256,77 EUR |
| 1994 | 58.637.703,69 EUR |
| 1995 | 66.042.958,74 EUR |
| 1996 | 65.855.928,17 EUR |
| 1997 | 58.309.868,44 EUR |
| 1998 | 67.577.770,05 EUR |
| 1999 | 74.851.394,55 EUR |
| 2000 | 68.769.485,80 EUR |
| 2001 | 96.615.103,89 EUR |
| 2002 | 107.247.805,24 EUR |
| 2003 | 104.665.621,48 EUR |
| 2004 | 146.469.526,92 EUR |
| 2005 | 168.013.534,68 EUR |
| 2006 | 181.000.000,00 EUR |
Seit 1956 konnten insgesamt 1, 2 Milliarden Euro für karitative Zwecke eingespielt werden. Um die enormen Summen effizient zu verwalten, wurde 1967 das "Deutsche Hilfswerk" als Stiftung gegründet, die seither den Ertrag der ARD-Fernsehlotterie nach festgelegten Förderrichtlinien an gemeinnützige Projekte und Einrichtungen in Deutschland verteilt.
Mittlerweile werden durch Gelder aus der ARD-Fernsehlotterie pro Jahr mehr als 450 karitative Projekte gefördert, darunter
- Senioren- und Behinderteneinrichtungen
- Hospize
- Sozialarbeit
- Mutter-Kind-Kuren
- Kinder- und Jugendprojekte
Der durchschnittliche Zweckertrag zugunsten karitativer Projekte betrug in den vergangenen 3 Jahren 66,5 Millionen Euro, erzielt von 127 Mitarbeitern. Lediglich rund 2 % des Umsatzes fließen in Organisation, Verwaltung und Werbung. 70 x pro Jahr kann es dank der ARD Fernsehlotterie einen neuen Millionär geben (mit dem MEGA-LOS). Fast jeder 2. Deutsche hat statistisch gesehen schon einmal ein Los der ARD Fernsehlotterie gekauft und dadurch Menschen geholfen.
Immer neue Aktionen
Bemerkenswert neben dem schieren Erfolg der Lotterie und der erstaunlichen Hilsbereitschaft der Zuschauer ist die Energie, mit der trotz des ohnehin hohen Teilnehmer- und Spendenniveaus stetas an neuen Ideen und Aktionen gebastelt wurde. Zwei Beispiele:
- Künstler ohne Gage: Die gesamte Crème der deutschen TV-Prominenz beteiligte sich ohne Gage an Shows und Fernsehspots zu Gunsten der ARD-Fernsehlotterie.
- Partnerstadt: Mit Erlösen aus Straßenfesten, Flohmärkten, Theateraufführungen etc. unterstützten zahlreiche Städte seit 1971 soziale Einrichtungen über das Deutsche Hilfswerk.
Zwei wichtige Einschnitte für die ARD-Fernsehlotterie waren der Übergang zu Geldpreisen 1979 - damals konnte man zwischen 100 und 250.000 DM gewinnen - und der Übergang zu ganzjährigen Ziehungen im Jahr 1989. In dieses Jahr fällt auch die Umbenennung von "Ein Platz an der Sonne" in "Die GOLDENE 1". Interessant für die Mitspieler, die zwar helfen, aber doch schließlich auch gewinnen wollen: Die Gewinnausschüttungsquote der Lotterie liegt heute mit 40% weit über den gesetzlich vorgeschriebenen 30%. Die Chancen auf den kleinsten Gewinn stehen mit 1: 100 also nicht so schlecht ...
Und heute gilt, was Bundespräsident Köhler als Schirmherr der Fernsehlotterie in der Gala zum 50jährigen Jubiläum am 22. April 2006 sagte: "Mit ihrer 50jährigen Geschichte ist die ARD-Fernsehlotterie nicht nur die traditionsreichste Fernsehlotterie der Welt, sondern eines der erfolgreichsten Unternehmen mit rein sozialem Auftrag in Deutschland."
Am 15. November 2007 strahlte Das Erste erstmals "Das unglaubliche Quiz der Tiere" aus. In der neuen Show mit Frank Elstner stellen drei prominente Gäste ihr "tierisches Wissen" unter Beweis. Das eingespielte Geld fließt in Projekte der ARD-Fernsehlotterie. Mit dieser Mischung aus Wissen und Unterhaltung öffnet die ARD-Fernsehlotterie ein neues Kapitel ihrer Geschichte.



