Wirtschaftsfaktoren spielen bei der Auswahl eine nicht undeutende Rolle
Sollten die Region beziehungsweise der Kontinent noch nicht festgelegt sein, so ist es ratsam, sich zuerst auf dieser Ebene zu entscheiden. Dabei sind die Geschmäcker natürlich verschieden. Eine sinnvolle Entscheidungsgrundlage stellen neben Kultur, Klima, Sprache usw. auf jeden Fall auch grundlegende wirtschaftliche Daten dar.
Wer möchte schon in einem Land einen Arbeitsplatz suchen, in dem die Wirtschaft am Boden liegt, eine Arbeitslosigkeit von 20 Prozent herrscht und damit die Aussichten auf Erfolg ohnehin äußerst gering sind?
Die wichtigsten wirtschaftlichen Entscheidungsfaktoren für oder gegen ein Land sind die Stärke der Volkswirtschaft, deren Wachstum und die Inflation. Außerdem spielt die Struktur eines Landes eine bedeutende Rolle.
Wirtschaftlicher Überblick
Die wichtigsten wirtschaftlichen Daten zur Beurteilung von Ländern nach deren wirtschaftlicher Gesundheit bzw. Attraktivität sind:
Bruttoinlandsprodukt (BIP; absolut und pro Kopf)
Das BIP gibt Aufschluss über die wirtschaftliche Stärke eines Landes (auch Wertschöpfung genannt). Vereinfacht zeigt diese Zahl den Wert der Güter und Leistungen, die alle Menschen innerhalb eines Landes in einem Jahr schaffen bzw. generieren. Ein westlicher Staat wird dabei durch den höheren technischen Fortschritt und das gute Know-how mehr Wert schaffen können als ein Entwicklungsland, das noch stark von einfachen und ertragsschwachen Bereichen wie der Landwirtschaft abhängig ist. Verständlicher wird die Bedeutung des BIP dann, wenn es in Relation zu der Anzahl der Bewohner eines Landes gesetzt wird. Diese relative Zahl kann dann weltweit zwischen den verschiedenen Ländern verglichen werden und sagt einiges über den Zustand der jeweiligen Wirtschaft aus.
Je stärker und technisch fortgeschrittener eine Wirtschaft ist, desto höher ist auch ihr BIP. Da ein hohes BIP auch meistens mit höheren Einkommen gleichzusetzen ist, spielt dieses Kriterium bei der Länderauswahl eine durchaus berechtigte Rolle.
Im Jahr 1999 war Luxemburg mit einem BIP von 32.700 US-Dollar pro Einwohner weltweit an der Spitze, während ein Einwohner in Äthopien nur etwa 560 US-Dollar pro Jahr generieren konnte. Deutschland lag mit 22.100 US-Dollar auf Rang 18 weltweit. Einen detaillierten Vergleich findet man bei www.eia.doe.gov.
Wirtschaftswachstum und Inflation
Eine starke Wirtschaft sollte auch wachsen. Ein gutes Wirtschaftswachstum bedeutet, dass neue Jobs geschaffen werden. Deshalb sollte man bei der Auswahl des Ziellandes auch ein gesundes Wachstum der Wirtschaft als Kriterium heranziehen. Die weltweit schwache wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2001 zeigt, welche Konsequenzen ein schwaches Wirtschaftswachstum haben kann: mäßige Unternehmensgewinne bzw. sogar -verluste, und als Folge Entlassungen. Das Wirtschaftswachstum zeigt auf, wie gut sich eine lokale Wirtschaft in der Vergangenheit entwickelt hat bzw. in der Zukunft entwickeln wird. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen nominalem und realem Wirtschaftswachstum. Dabei ist das nominale Wachstum das reine Wirtschaftswachstum ohne Berücksichtigung der Geldentwertung oder Inflation. Das reale Wirtschaftswachstum dagegen berücksichtigt die Inflation. So hatte Deutschland im Jahr 2000 ein nominelles Wirtschaftswachstum von ca. 4,5 Prozent. Zieht man davon 1,5 Prozent Inflation ab, so ergeben sich 3 Prozent reales Wirtschaftswachstum. Bei einer gesunden Wirtschaft sollte die Inflation relativ gering, d.h. jedenfalls einstellig sein, und das reale Wirtschaftswachstum positiv. Damit liegt idealerweise das nominelle Wirtschaftswachstum stets über der Inflation.
Verteilung des Bruttoinlandsprodukts auf die Sektoren
Einen guten Aufschluss über die Attraktivität eines Landes als zukünftiger Arbeitgeber kann man auch bekommen, wenn man sich die Verteilung der Wirtschaftsleistung (BIP) auf die drei Sektoren Landwirtschaft (Primärer Sektor), Industrie (Sekundärer Sektor) und Dienstleistungen (Tertiärer Sektor) ansieht.
In Westeuropa, den USA und Japan geht dabei die Tendenz immer weiter in Richtung Dienstleistungssektor. Im Schnitt wird bereits fast drei Viertel der gesamten Wertschöpfung dort erbracht (Industrie 20 Prozent, Landwirtschaft 5 Prozent). Strukturschwächere Länder dagegen haben noch wesentlich stärkere Anteile der Landwirtschaft (Primärer Sektor) am BIP. Bedeutsam ist es auch, neben der Sektorenverteilung das Wachstum der Sektoren zu beurteilen, da damit die zukünftigen Verschiebungen zwischen den Sektoren vorhergesagt werden können.
Neben der BIP-Verteilung auf die drei Hauptsektoren spielt auch die Entwicklung einzelner Branchen in den jeweiligen Sektoren eine große Rolle. So kann es durchaus sein, dass im Sektor der Dienstleistungen Bereiche wie Tourismus und Einzelhandel stark wachsen, dagegen IT-Services einen Einbruch erlitten haben. Als Jobsuchender sollten Sie daher immer ein Auge auf solche Entwicklungen werfen, die sich oft weltweit abspielen.
Arbeitsmarkt / Stellensituation
Wenn ein Land aus verschiedenen Kriterien heraus interessant erscheint, so sollten Sie das Wichtigste nicht vergessen: Sie suchen einen Job und wollen dort nicht Urlaub machen. Dafür ist es gut zu wissen, wie viele Menschen in dem Zielland in der selben Situation sind. Je weniger, desto besser - denn dann ist das Angebot an Arbeitskräften knapp und die nach neuen Arbeitnehmern suchenden Firmen sind offener für Bewerbungen. Bei einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung, die mit Expansion und der Schaffung neuer Arbeitsplätze einher geht, scheint die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs am größten. Über den Link am Seitenende finden Sie grundlegende Informationen über die Arbeitslosigkeit in den wichtigsten europäischen und internationalen Staaten.
Innerhalb dieser Länder wiederum gibt es Sektoren, in denen die Chance höher ist, einen neuen Job zu bekommen. Die besonders interessanten Sektoren kann man ganz einfach ermitteln: man liest und hört Wirtschaftsnachrichten. Jeden Tag wird von Wirtschaftssektoren bzw. Branchen berichtet, in denen Arbeitsplätze gestrichen werden, in anderen wiederum geht es bergauf und Arbeitskräfte werden gesucht.
Es ist sinnvoll, die Stellenanzeigen der für wirtschaftliche Belange angesehensten Zeitungen eines Landes zu lesen. Mit einem scharfen Auge und etwas Routine kann man hier schnell erkennen, welche Jobs in einem Land zur Zeit am gefragtesten sind. Meist sind solche Trends jedoch nicht länder-, sondern branchenbezogen.
Auch über Zeitungen können Sie einen guten Eindruck über die Arbeitsmarktlage bekommen. Aber viel wertvoller kann es sein, direkt mit Firmenvertretern in Kontakt zu treten, um sich über Trends und Karrieremöglichkeiten zu unterhalten. In Europa gibt es eine Reihe von Firmenmessen, die meistens an Universitäten stattfinden, jedoch auch für Nicht-Studenten gute Informationsquellen darstellen.



