Die besten Bondgirls
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Die besten Bondgirls

Bild: Foto: Pleple2000, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die schönsten Frauen in den Bondfilmen von James Bond jagt Dr. No bis Stirb an einem anderen Tag

Als der britische Autor und Drehbuchschreiber Roald Dahl sich daran machte, das Drehbuch für Man lebt nur zweimal, den fünften James-Bond-Film, zu schreiben, erkannte er schnell, dass es drei Kategorien von Bondgirls gibt.

»… du packst drei Girls hinein. Nicht mehr und nicht weniger. Girl Nummer eins ist auf Bonds Seite. Sie bleibt ungefähr bis zum Ende der ersten Filmrolle im Rennen. Dann wird sie von der gegnerischen Seite eliminiert, vorzugsweise in den Armen Bonds … Girl Nummer zwei gehört zu Bonds Gegnern und bleibt im ganzen mittleren Drittel des Films aktuell. Sie muss Bond in ihre Gewalt bringen und der muss sich retten, indem er sie mit seiner sexuellen Ausstrahlung schachmatt setzt. Auch dieses Girl sollte eliminiert werden, vorzugsweise auf eine originelle Art und Weise … Girl Nummer drei ist hundert Prozent pro-Bond. Sie bereichert die Leinwand im letzten Drittel des Films und darf unter keinen Umständen ermordet werden. Und sie darf nicht zulassen, dass Bond sich ihr sexuell nähert, ehe der Film wirklich zu Ende ist. Das sparen wir uns für die letzte Einstellung auf.«

Roald Dahl, Playboy, 1967

Natürlich trieb Mr. Dahl in gewissem Sinn auch seinen Scherz mit den Bond-Produzenten, denn tatsächlich ist Man lebt nur zweimal der einzige Bond-Film exakt nach diesem Muster. Schon ein Jahr später war die Drei-Girls-Regel außer Kraft, denn in dem Streifen Im Geheimdienst ihrer Majestät sah sich Bond mit einem Harem von 12 internationalen Schönheiten und schließlich einer Ehefrau konfrontiert. Aber trotzdem lässt sich kaum von der Hand weisen, dass dieses Muster in abgewandelter Form einen maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Bond-Filme in den 1960er-Jahren international Furore machen konnten und bis heute nichts von ihrem Reiz verloren haben. Schöne Frauen, und zwar möglichst viele, gehörten ebenso sehr zu Bond wie sein Witz, Wodka-Martini (beides möglichst trocken), Hemden von Turnbull & Asser sowie die Spielereien und Waffen von Q und seinen Leuten. Bei seinem ersten Leinwandauftritt sehen wir James Bond mit einer grazilen Schönheit über einen »Chemin de fer«-Tisch hinweg flirten. Sieben Minuten und zehn Sekunden später erwartet sie ihn mit nichts als einem Pyjama-Top auf der Haut in seinem Appartement. Die Zwischenzeit verbringt Bond damit, die Sekretärin seines Vorgesetzten anzubaggern.

Ursula Andress setzt den Standard

Später in diesem ersten Film, James Bond jagt Dr. No, kommt es zu jener Schlüsselszene, mit der sich alle späteren Bondfrauen (und Knabenfantasien) messen lassen mussten. Honey Rider (Ursula Andress) entsteigt in einem denkbar knappen cremefarbenen Bikini dem Meer, durchtrainiert und knusprig braun, irgendwie verwegen, aber in ihrer Beinahe-Nacktheit auch verletzlich, ein Eindruck, dem der demonstrativ an der Hüfte getragene Dolch und der provokative Schmollblick entgegenstehen. Ursula Andress wurde zu einer Ikone der 1960er-Jahre und zur bekanntesten weiblichen Hauptfigur der ganzen Bond-Reihe; lediglich der in Gold getauchte Körper von Shirley Eaton in Goldfinger könnte ihr diesen Rang streitig machen.

Kritiker der Bondfilme haben diese als sexistisch und frauenfeindlich bezeichnet. Sie argumentieren, die Frauen in den Filmen seien nur etwas fürs Auge, Schaufensterpuppen, die der Held gedankenlos benutzt und wieder ablegt. Dass sie ein Blickfang sind, ist schwerlich zu bestreiten, schließlich waren sämtliche Gespielinnen Bonds echte Leinwandschönheiten. Als Darstellerinnen fungierten meist Fotomodelle, oder aber die Mädchen kamen direkt von den Laufstegen der Welt. Daniela Bianchi etwa trug den stolzen Titel einer »Miss Universum«, Claudine Auger, Bondgirl in Feuerball, war eine »Miss Frankreich«, und sogar Halle Berry, die Jinx in Stirb an einem anderen Tag und gefeierte Oskarpreisträgerin als beste Schauspielerin, bewarb sich einmal um den Titel als »Miss-USA«.

Mehr als nur schmückendes Beiwerk

Es wäre aber ungerecht, sie alle nur als schmückendes Beiwerk abzutun. Die Frauen an der Seite Bonds konnten sehr wohl gut auf sich selbst aufpassen und, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, handelte es sich bei ihnen auch immer um unabhängige Persönlichkeiten. In James Bond jagt Dr. No reagiert Honey Rider auf unerwünschte Annäherungsversuche, indem sie kurzerhand eine Vogelspinne im Bett ihres Verehrers platziert. Pussy Galore (Honor Blackman in Goldfinger) war Pilotin mit eigener Flugschule. Aki (Akiko Wakabayashi in Man lebt nur zweimal) gehörte dem japanischen Geheimdienst an. Tiffany Case aus Diamantenfieber ist eine raffinierte, wenn auch leicht durchgeknallte Schmugglerin. In Der Spion, der mich liebte schließlich bekam es Bond erstmals mit einer wirklich ebenbürtigen Partnerin zu tun. Major Anya Amasova (Barbara Bach), Agentin mit dem Decknamen Triple-X, war Bonds Gegenspielerin auf Seiten des russischen Geheimdiensts und zeigte sich bei mehr als einer Gelegenheit als Spionin deutlich überlegen.

Vielleicht hat mit dem Bestreben, den Frauen in den Bond-Filmen (wir nennen sie jetzt nicht mehr »Bondgirls« – nicht mehr im neuen Jahrtausend) über rein amouröse Zwecke hinaus eine ernsthafte Rolle zu geben, die Glaubwürdigkeit in mehr als nur einem Fall gelitten. Immerhin begegneten wir einer CIA-Agentin und Raketenforscherin namens Dr. Holly Goodhead (Moonraker – Streng geheim). Stacy Sutton (die frisch aus der Fernsehserie Drei Engel für Charlie entsprungene Tanya Roberts), deren gertenschlanke Glieder die durchsichtigen Gewänder selten verhüllten, war angeblich eine führende Seismologin (dennoch stets perfekt manikürt). Die Welt ist nicht genug bescherte uns eine schmollende Kindfrau namens Dr. Christmas Jones, ganz Stupsnäschen und hervorblinkende Schneidezähne und überwiegend in knappen Shorts und engem T-Shirt zu sehen: Ihren Doktor hatte sie als Kernphysikerin! Andererseits war eine Prise Ironie von Anfang an Bestandteil jeder guten Bondmischung, und es gibt keinen Grund, warum man nicht das eine oder andere Witzchen auf Kosten der Frauen einstreuen (oder einschütteln) sollte.

Die Glaubwürdigkeit steht aber nicht immer auf dem Spiel. Pam Bouvier (Carey Lowell, bekannt aus der US-Serie Law and Order in Lizenz zum Töten), deren Deckname Kennedy lautet, war zwar atemberaubend schön, aber darüber hinaus auch ehemalige Army-Pilotin. Sie tut sich mit Bond nicht zusammen, weil er so charmant und gut aussehend ist – sie will für eine Sache entschädigt werden, die er ihr vermasselt hat. Sie ist auch für Schlägereien in Bars tauglich und schreckt nicht davor zurück, ihr unpraktisches Abendkleid mit einem Ratsch kurzerhand in ein Minikleid zu verwandeln, um an die Pistole in ihrem Hüfthalter heranzukommen.

Als die Bondfilme langsam erwachsen wurden, ließ man jeden Menge Fingerspitzengefühl und Stil dabei walten, selbst wenn die weibliche Hauptdarstellerin ein naives Dummchen spielen musste, das sich in die Männerwelt verirrt hatte (siehe Tatiana Romanova in Liebesgrüße aus Moskau und Dominique »Domino« Derval in Feuerball).

Die einfach gestrickte, aber verführerische Kara Milovy (Miryam D’Abo) in Der Hauch des Todes trägt im ganzen Film selten mehr als einen Badeanzug, machte aber ihr Versäumnis später mit einer Fotoserie im Playboy wett; sie und Natalya Simonova, das naive Computergenie (Isabella Scorupco in Goldeneye) waren mit die am besten geschriebenen (und gespielten) weiblichen Charaktere der Bondreihe.

Den echten Kerlen unter den Bond-Zuschauern reicht es vollkommen, dass die Frauen ihren Vorstellungen entsprechend einfach präsent sind (und so wenig wie möglich anhaben). Aber die Besetzung der Hauptrolle mit Pierce Brosnan brachte auch die weiblichen Zuschauer wieder zurück in die Kinos, weshalb die Macher des Films ausdrücklich bemüht waren, deren intellektuelle Fähigkeiten nicht zu beleidigen. Seit Goldeneye sitzt Barbara Broccoli, die Tochter von Cubby, des Produzenten der ersten Filme, mit in verantwortlicher Position, und wahrscheinlich hat sie die heutigen Bondfrauen entscheidend mitgeprägt – Natalya Simonova, Colonel Wai-Lin (Michelle Yeoh) aus Der Morgen stirbt nie und Elektra King aus Die Welt ist nicht genug.

Um die Figur Elektra möglichst überzeugend zu gestalten, wurde Dana Stevens (Stadt der Engel) als Autorin engagiert, und die hochtalentierte Schauspielerin Sophie Marceau spielte den Part brillant. Gewissermaßen das Vorbild für die Rolle der Elektra ist Tracy di Vicenzo (Diana Rigg) aus Im Geheimdienst ihrer Majestät. Zu Beginn des Films war Tracy das verwöhnte reiche Mädchen, Tochter eines Mafiabosses, die sich zu Tode langweilt. Im weiteren Fortgang jedoch entwickelt sich ihr Charakter zusehends, sie verliebt sich in Bond und heiratet ihn schließlich und kurz vor dem tragischen Höhepunkt glaubt sie alles zu haben, um glücklich zu sein. In Die Welt ist nicht genug setzte man ganz bewusst auf Ähnlichkeiten zwischen Elektra und Tracy (ihr Skianzug sieht fast so aus wie Tracys Pistenoutfit), um die Sympathie und Zuneigung des Publikums für sie zu wecken. Auf den ersten Blick wirkt sie liebevoll und verletzlich, aber wir werden bewusst in die Irre geführt, denn sie ist zutiefst verstört und hat die psychischen Folgen einer Entführung nie überwunden. In ihrem Innersten ist sie genauso wahnsinnig wie die besten Bond-Bösewichte, und der schockierende Höhepunkt ihrer Beziehung mit Bond macht für immer Schluss mit allem, was von Roald Dahls Girl-Regel übrig geblieben sein mochte.

Die Figur der »Jinx« in Stirb an einem anderen Tag war alles andere als glatt – was man auch von den anderen Frauen dieses Films nicht behaupten kann, etwa der M16-Agentin mit dem sprechenden Namen Miranda Frost (Rosamund Pike) oder der Fechtlehrerin Verity (Madonna). Bond tritt als Vogelbeobachter auf, als Jinx in einer Hommage an Ursula Andress’ Debut im Bikini den Fluten entsteigt, aber Jinx diente beileibe nicht nur als hübsches Beiwerk. In der Rolle des Killers wohl noch kaltblütiger als Bond, stellte sie alle möglichen Begabungen unter Beweis: als Pilotin, als exzellente Fechterin und als Schützin. Nur eine Fähigkeit, wie schon so vielen Bondfrauen vor ihr, fehlte Jinx: die Fähigkeit, den Verführungskünsten Bonds zu widerstehen. Kein Wunder: Wie aus den 20 Filmen in der ultimativen James-Bond-DVD-Kollektion hervorgeht, ist keiner auf diesem Gebiet so gut wie er.

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