Also: Damokles, eine Hofschranze des Tyrannen Dionys d. Ä. von Syrakus (405-367 v. Chr.), umschmeichelt seinen Herrscher eines Tages mit den Worten, er - der König - sei der glücklichste aller Sterblichen. Dieser will ihm eine Lehre erteilen, möchte ihm zeigen, wie gefahrvoll das Leben eines Mächtigen in Wirklichkeit ist. Er bietet ihm das vermeintliche Glück an, setzt ihn auf einen goldenen Stuhl an die königliche Tafel, stellt ihm alle Reichtümer und Genüsse in Fülle zur Verfügung. Heimlich aber lässt er über dem Haupte des schwelgenden Damokles ein Schwert aufhängen. Als dieser zufällig nach oben sieht und das Schwert erblickt, das nur an einem Pferdehaar über ihm hängt, vergeht ihm vor lauter Angst die Sinnenfreude. »Ach! fängt er zitternd an zu schrein: Lass mich, o Dionys, nicht länger glücklich sein!« So hat Christian Fürchtegott Gellert die Moral von der Geschichte 1748 in seinen Fabeln gereimt.
Zweifellos eine treffliche Story, um einen Angeklagten einzuschüchtern und sich bei den ach so gefährdeten Mächtigen beliebt zu machen. Bis heute wird der sprichwörtliche Satz »Über ihm schwebt das Damoklesschwert« meist im juristischen Sinn vom Steuer- bis zum Verkehrssünder gebraucht. Und wenn jemandes Schicksal »an einem seidenen Faden« hängt, darf der sich ebenfalls auf den guten alten Damokles berufen.



