Die kleine Wortgeschichte: „auftakeln“
Leben & Lifestyle

Die kleine Wortgeschichte: „auftakeln“

Bild: Foto: Gerd Eichmann, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

»Das ist aber eine abgetakelte Fregatte!« Der nicht sehr schmeichelhafte Satz trifft meist ältere, üppige Damen, die ihre besten Jahre hinter sich haben und dies nur noch unvollkommen kaschieren können. Die Bemerkung »Die hat sich aber aufgetakelt«, ist auch nicht viel freundlicher: Damit sind auffällig herausgeputzte Frauen gemeint, die viel modische und kosmetische Unterstützung offenbar nötig haben.

Die Redewendung entspringt natürlich der Seemannssprache. Der »Takel«, Ende des 16. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen übernommen, war ursprünglich nur das Tauwerk eines Segelschiffes, wurde später aber als Begriff für die wichtigste Ausstattung insgesamt verwendet. Seit Ende des 18. Jahrhunderts bezeichnen Matrosen die komplette Segelausstattung samt der Masten als Takelage oder Tafelwerk. Auftakeln [von nd. uptakeln] ist folglich das Vorgang des »Schiffseinrichtens« bis zum Segelsetzen. Abtakeln meint entsprechend das Fortschaffen der beweglichen Takelage oder gar das Ausmustern eines Schiffs. Was abgetakelt ist, kommt folglich nicht mehr als stolzer Segler daher, sondern ziemlich glanzlos.

Die gescholtenen Damen dürfen sich allerdings trösten - manchmal zielt diese Beschreibung auch auf die Herren der Schöpfung. So beginnt Kurt Tucholsky 1925 eine Theaterkritik über Marcel Achards Komödie »Marlborough s’en va-t-en guerre« mit dem Satz: »Herr General Marlborough kommt heraus, herrlich bunt anzusehen und aufgetakelt wie ein Pfingstochse: weinrotes Seidentuch, dito Höflingshöschen, weiße Strümpfe, schwarze Escarpins und güldene Ringellocken. Er ist kupferrot im Gesicht vor lauter kriegerischem Mut und schielt.«

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite