Autor von Weltruhm

Als neben Martin Walser einziger deutscher Autor von Weltruhm, artet eine neue Günter Grass-Veröffentlichung in beständiger Regelmäßigkeit zum Medienereignis aus. Der 1999 mit dem Nobelpreis Geadelte gilt im deutschen Blätterwald längst als Großschriftsteller in Thomas Mannscher Tradition: Was Grass auch abseits der Prosafahnen äußert, ist von nationaler Bedeutung.
Viel diskutiert werden die streitbaren Äußerungen des politisch Engagierten: Zuletzt sorgte sein Vergleich, den Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber mit dem österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider und dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf eine Stufe zu stellen, für gehörige Verstimmung unter den Unions-Anhängern. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel bezeichnet den Nobelpreisträger daraufhin "als miesen Blechtrommler in der Kavallerie der Links-Literaten".
Doch an diese Polemik wird sich der inzwischen 74-Jährige gewöhnt haben. Wie wohl kein zweiter deutscher Schriftsteller der Nachkriegsära hat Günter Grass von Medien und Rezensenten einstecken müssen: Es ist zum Gesellschaftsspiel des Feuilletons geworden, sich gegen Grass in rauschhafte Verrisse zu schreiben. Fast scheint es, als überwiege die Lust an der eigenen Verriss-Inszenierung gegenüber dem eigentlichen Kritiker-Auftrag. L’art pour L’art für verhinderte Schriftsteller?




